Weltmännertag – Sind wir eigentlich gleich?
Geschrieben von TeoIm Kackblog habe ich gerade erfahren, dass heute der Weltmännertag stattfindet. An jedem 3. November seit 2001 fand dieser Tag unter der Schirmherrschaft von Michail Gorbatschow statt, um Männer für Hygiene und Krankheitsfrüherkennung zu sensibilisieren. Grund ist, dass Männer im Durchschnitt 7 Jahre eher den Löffel abgeben, als Frauen. Das passt wunderbar als Anlass für einen Artikel, den ich schon eine Weile im Hinterkopf habe und nun gern zu Bildschirm bringe.
Wenn ich so zurückdenke, ist mir die Ungleichberechtigung schon sehr früh aufgefallen. Bei den Wettkämpfen zum Sportabzeichen in der Schule bekam ich nur ein einziges mal ein Sportabzeichen. Wäre ich weiblich gewesen, hätte ich es fast jedes Jahr bekommen. Ich unsportlicher Klumpen habe nie begriffen, wieso Mädchen weniger Leistung bringen müssen um das gleiche Abzeichen zu erhalten. Wieso sollten Mädchen und Frauen weniger leistungsstark im Sport sein als Jungen und Männer? In meinen Augen ist das beidseitige Diskriminierung. Zum einen wird diese Schwäche den Frauen pauschal unterstellt. Ihnen muss anscheinend unter die Arme gegriffen werden, weil sie es allein nicht schaffen. Zum anderen werden kleine, dicke, eckige Jungs, die vor Angst nicht schnell genug wegrollen können, massiv demotiviert. Heute kommt mir auch immer wieder der Gedanke, dass man dann auch in anderen Bereichen verschiedene Maßstäbe für Leistungen von Männlein und Weiblein ansetzen müsste.
Es existieren ziemlich sichere Erkenntnisse darüber, dass Jungs kurz nach der Grundschule sehr schnell das Interesse am Lesen und vor Allem an fiktionalen Geschichten verlieren. Wenn es doch gelingt sie bei der Stange zu halten, lesen sie häufiger Sachbücher als Mädchen. Sollten Jungs nun für schlechtere Leseleistungen im Deutschunterricht, wo meist nur Fiktionales behandelt wird, die gleichen Noten bekommen, wie Mädchen für bessere Leistungen? Wo ist der Unterschied zur Bewertung im Sport? In beiden Fällen bedingt ihre Physiologie und Prägung auf ein Geschlechtsmuster, dass sie die Leistung bringen, die sie bringen. Ähnlich abstrus ist die Frauenquote in manchen Berufen. Hier wird nicht mehr nach Leistung und Eignung entschieden, sondern nach Geschlecht. Man diskriminiert die eine Bevölkerungs-Gruppe zum vermeidlichen Nutzen einer anderen. Dabei schafft die Frauenquote nicht die Vorurteile in den Köpfen von Personen in Machtpositionen ab - Im Gegenteil. Die Unterschiedliche Verfahrensweise mit beiden Geschlechtern wird institutionalisiert und festzementiert. Das hat nichts mit Gleichberechtigung zu tun, sondern ist mal wieder nur Symbolpolitik.
Niemand der das hier liest soll mich falsch verstehen und in die Schublade derjenigen stecken, die sich altbackene Gesellschaftsstrukturen mit dem Heimchen am Herd zurückwünschen. Ich bin in einem Frauenhaushalt aufgewachsen, kann Kochen und Bügeln und meine Freundin ist in einem naturwissenschaftlichen Beruf tätig. Ich finde es klasse, dass junge Mädchen per Girlsday und anderen Aktionen auf, für Frauen eher untypische Berufsfelder aufmerksam gemacht werden sollen. Allerdings fordere ich das gleiche auch für Jungs. In meinem Studiengang wimmelt es nur so vor Östrogen. Ich studiere Deutsch und Biologie auf Lehramt, weshalb sich vermutlich jeder denken kann wieso. In einem meiner Germanistik-Seminare zählte ich letzte Woche 71 Teilnehmer. Davon waren gerade einmal 7 männlichen Geschlechts. Wieso gibt es keinen flächendeckenden Boysday, der Jungs für Literatur oder Kunst begeistern soll?
Immer wieder höre ich von Kommilitoninnen sie wollten nach dem Referendariat erstmal ein oder zwei Kinder bekommen und dann vielleicht noch mal ein paar Jahre in ihrem Beruf arbeiten. Das macht mich, ehrlich gesagt, etwas sauer. Die Hörsäle sind überfüllt und der Staat gibt zehntausende Euro für die Ausbildung dieser jungen Frauen aus. In ihrer Lebensplanung sind aber gerade einmal 2 oder 4 Jahre Tätigkeit in diesem Beruf vorgesehen. Dieser Sachverhalt bringt allerdings auch schnell zum Vorschein, wo Gleichberechtigung ihre Grenzen hat: Bei der Biologie. Frauen können Kinder austragen, Männer nicht.
Es können so viele Frauenquoten und Girlsdays etabliert werden, wie Clowns in einen VW-Käfer passen. Sobald sich ein Paar entschließt schwanger zu werden, verkrustet das Rollenbild ziemlich schnell wieder. Ich plädiere hiermit für tatsächliche Gleichberechtigung. Keine künstliche Quotenregelung wird die Benachteiligung der Frauen, die in den Köpfen der Menschen entsteht, auflösen. Frauen und Männer sollen für gleiche Arbeit gleiche Löhne bekommen. Jungs und Mädchen sollen in der Schule gleichermaßen gefördert und angeregt werden. Gerade bei den Jüngeren unserer Gesellschaft sollte man die Geschlechterrollen nicht durch irgendwelche Bevorzugungen festzementieren, sondern durch differenzierte Förderung beider Geschlechter nivellieren.
Ohnmächtig
Geschrieben von TeoWir haben uns den Mund fusselig geredet, wir haben geschrieben, wir haben Unterschrieben, wir haben telefoniert und wir haben T-Shirts getragen. Am Ende hat uns das alles nicht viel gebracht. Am Ende gilt nun doch "Wer am lautesten Schreit hat immer recht!"
Die ePetition "Internet - Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten" ist mit (vorläufig) 134.014, also Einhundertvierundreißigtausendundvierzehn Mitzeichnern die meistgezeichnete ePetition seit Einführung des Systems beim deutschen Bundestag. Damit wurde der ehemalige Rekordhalter, eine Petition zum Spritpreis, welche von der BLÖD-Zeitung gepusht wurde, um etwa 6.000 Stimmen übertroffen. Die nötigen 50.000 Stimmen für eine Anhörung im Bundestag waren nach nur vier Tagen erreicht. Das vereinte Internet feiert sich. Und doch sind die Konsequenzen verschwindend gering.
Seit die SPD am Dienstag umgefallen ist, steht einem Pseudo-KiPo-Sperr-Gesetz Tür und Tor offen. Es wird vom Dammbruch, vom Öffnen der Büchse der Pandora gesprochen. Man scheint einen faulen Kompromiss eingegangen zu sein und die Internetnutzer haben nun in der SPD einen weiteren Buhmann neben Zensursula und dem Guttenzwerg gefunden. Es ist deprimierend wie wenig man gegen Wahlkampfgehabe, Symbol- und grundgesetzfeindliche Politik ausrichten kann. Noch viel deprimierender ist es, wenn man immer noch nicht verstanden wird und Dinge wie diese lesen muss. Alle Argumente gegen die Sperren scheinen ins Leere zu laufen. Wie kann man sich diesen Umstand erklären? Es muss doch einen Grund dafür geben, dass man ohnmächtig zuschauen muss, wie einem die Rechte abgenommen werden. Die Schuld allein bei Politikern zu suchen, halte ich da für wenig sinnvoll.
Wir sind doch selbst schuld. Für ein Gros der Menschen in Deutschland ist die Technik hinter dem Netz immer noch ein Buch mit Sieben Siegeln. Selbst wer täglich social-Websites, Nachrichtendienste und Podcasts nutzt, hat oft keine Ahnung, was dahinter steckt. Computer an, Router an, YouTube an. Wie soll man da beurteilen, wie sinnvoll die Sperren sind? Wer hört, dass eben nur Kinderpornoseiten gesperrt werden sollen, macht einen Haken und nickt ab. Wenn später Gerüchte aufkommen, dass Unwahrheiten und seltsame Konstellationen der Unterstützer der Sperren im Spiel waren, bekommt man das eventuell gar nicht mehr mit. Eine Stufe internetferner sieht die Situation noch katastrophaler aus. Wie versucht man jemandem zu erklären, was die Politik dort mit dem Internet macht, wenn das Gegenüber über keinerlei Grundwissen verfügt? In meinen Augen helfen da auch Nerd-Demos und das Aufhängen von Plakaten bei Ursulas Reden wenig. Die eigentliche Botschaft wird verkannt, wenn man sich im Vorfeld mit dem Thema nicht beschäftigt hat. Das ist ein Problem, welches sowohl auf der Seite der Internetaffinen, als auch auf der Seite der Internetfernen zu verorten ist. Den einen fehlt die Grundlage, damit sie schnell und sachlich informiert werden können und den anderen fehlt unter Umständen ein wenig Empathievermögen. Dass solche Aktionen vor allem Aufmerksamkeit bringen, mag man ihnen gar nicht absprechen, dennoch ist diese Aufmerksamkeit von unterschiedlichem Erfolg gekrönt, wenn man sie darauf bezieht Menschen zu mobilisieren und mündig zu machen.
Dann sind da noch die Gutmenschen. Eine Personengruppe, die auch der Piratenpartei Schwierigkeiten bereiten wird, wenn sie irgendwann von einer breiteren Masse ernstgenommen werden will. Forderungen, die über die Vernunft hinaus gehen, sind für die Offline-Medien wesentlich besser zu verwerten und sprechen sich demzufolge unter den Kabellosen schneller rum. Dies ist absolut kontraproduktiv für die eigentliche Sache. So werden schnell Filesharing, Kinderpornos und Killerspiele in einen Sack gesteckt und auf ihnen herumgeprügelt. Solche Dinge lassen sich für Politiker dann wunderbar im Wahlkampf verwursten.
Dass die "Bewegung" der Internetnutzer von Anfang an zum Scheitern verurteilt war, denke ich aber nicht. Es wurde einfach auf die falschen Medien gesetzt. Wie soll man auch internetferne Menschen mit dem Internet erreichen? In der Tat ist es enorm schwer die Brücke zwischen den Welten zu schlagen. Ein Thema, welches fernab meiner Lebensumwelt ist, muss für eine große Masse von Menschen schon einen enormen Stellenwert haben, um mich erreichen zu können. Und dass ich am Ende möglicherweise doch informiert bin, mobilisiert mich dann immer noch nicht zwangsläufig dazu, selbst tätig zu werden.
Schade, dass wir kein Sommermärchen erleben durften, aber vielleicht geschieht noch ein Wunder.
