Bundesweite Streiks im öffentlichen Dienst
Geschrieben von TeoPünktlich zur Klausurenphase der NRW-Unis kündigt die Ver.di Warnstreiks an. Heute werden bereits Krankenhäuser und Kitas bestreikt. Morgen soll dann vor Allem der öffentliche Personen-Nahverkehr dazu kommen. Das Epizentrum der Streiks in NRW soll Dortmund werden. Dort sollen von 3 Uhr morgens 24 Stunden lang Busse und Bahnen still stehen. Viele Mitarbeiter aus kleineren Kommunen um Dortmund schließen sich offenbar den Streiks an. Damit fällt auch in entlegeneren Gemeinden der Busverkehr flach, wodurch viele Anwohner ohne eigenes Auto nicht zur Schule oder Arbeit kommen werden. Um 11:30 soll morgen in Dortmund eine große Kundgebung stattfinden.
Ich werde unter denjenigen sein, die massive Probleme bekommen werden. Am Donnerstagmorgen schreibe ich eine Klausur, zu der es dieses Semester keine Nachklausur geben wird. Wenn ich nicht erscheine falle ich automatisch durch und muss ein ganzes Semester warten um mir den Schein zu verdienen. Durch die aktuelle Wetterlage wollte ich ohnehin früher zur Uni fahren, aber wenn es zu einem Totalausfall der Bahn kommt, nützt das auch nichts mehr. Gleichzeitig werden die Straßen in NRW morgen absolut überlastet sein. Dabei rechnet man morgens ohnehin mit Staus dort.
Wenn Menschen für ihr gutes Recht eintreten und gegen zu geringe Löhne auf die Straße gehen, ist das für mich in Ordnung. Die Gewerkschaft fordert allerdings satte 5% Lohnerhöhung für 2 Millionen Beschäftigte. Diese Mitarbeiter werden von Kommunen bezahlt, die selbst pleite sind. Wie realistisch ist so eine Forderung vor diesem Hintergrund?
Artikel und Hintergründe zum Bildungsstreik (7)
Geschrieben von TeoSabotage: sogenanntes "Internationales Vernetzungstreffen" (unserehu.de)
"In letzter Zeit hat Ferhat Ataman, der bereits aus mehreren Besetzungskollektiven aufgrund seines Verhaltens ausgeschlossen wurde, auch von dem bundesweiten Vernetzungstreffen am letzten Wochenende in Potsdam, zahlreiche Pressemitteilungen in unserem Namen oder im Namen der "Bildungsstreik Berlin Presse AG" veröffentlicht, [...] die in keinster Weise von uns vertreten werden. Auf eine Anfrage unsererseits diese Tätigkeiten zu unterbinden, antwortete er destruktiv und kündete die weitere Verbreitung an."
Bolognagipfel in Wien (unsereunis.de)
"Am 11./12. März 2010 wollen die BildungsministerInnen der EU-Staaten das zehnjährige Bologna-Prozess-Jubiläum in Wien und Budapest feiern. Anlässlich dieses Termins haben die AktivistInnen in Wien angefangen einen Gegengipfel auf die Beine zu stellen."
Keine Professoren und Geld auf der hohen Kante (Zeit.de)
"Die Studierenden wüssten zudem oft nicht, wofür die Gebühren ausgegeben werden. Das gelte vor allem für Maßnahmen, über die Unileitungen zentral entscheiden. Studenten hätten oft kein Mitspracherecht. Unis müssten genauer angeben, wie viel Geld die Maßnahmen kosten würden."
Bolognese mit studentischem Hackfleisch (Spiegelfechter.com)
"Der gute alte Dipl. Ing., um den die ganze Welt das deutsche Bildungssystem beneidete, wurde durch den wohlklingenden Bachelor of Engineering ersetzt. Während der gute alte Hausmeister heute zwar auch Facility-Manager heißt, sonst aber genauso gut oder schlecht ausgebildet ist, sind die jungen Bakkalaurei, die heute die Universitäten verlassen, leicht verdauliches, aber wenig gehaltvolles studentisches Hackfleisch, das durch den universitären Wolf gedreht und zu einer Bolognese verarbeitet wurde, die vor allem den Wirtschaftsverbänden mundet."
Artikel und Hintergründe zum Bildungsstreik
Geschrieben von TeoDer Bildungsstreik und die verständnisvollen Politiker (Telepolis)
"Die Kunden des "Unternehmens Hochschule" können also nicht mit dem Beistand von Verbraucherschützern rechnen, aber bis zum nächsten Einspruch der Nachwuchsakademiker vergehen vermutlich wieder ein paar Monate, in denen Beschlüsse vertagt, Entscheidungen verschoben und im Notfall Bildungsgipfel einberufen werden können."
Erste Schule in Düsseldorf besetzt (unsereunis.de)
"Im Rahmen des bundesweiten Bildungsstreiks haben am heutigen Tag dem 18.November 2009 40 Schülerinnen und Schüler die Hulda-Pankok-Gesamtschule in Düsseldorf besetzt. Dabei knüpfen die BesetzerInnen an die Studienproteste der vergangenen Wochen an, die in Wien ihren Anfang nahmen."
Bertelsmann und Bildungsstifter - Die Privatisierung der Bildungspolitik (GEW-Niedersachsen) (PDF)
"Die Steuerung durch Globalhaushalte ermöglicht es Vorgesetzten, Sparmaßnahmen zu legitimieren und wirkt dabei als «Transmissionsriemen für die Verschärfung von Einkommensungleichheit»."
Zusammenfassung der gestrigen Ereignisse in den einzelnen Streik-Zentren (taz)
"Eine Gruppe versammelte sich vor dem Rathaus und blieb dort eine Stunde. Der Rathausplatz ist mit dem Einkaufszentrum überdacht, daher verstößt das nicht gegen das Recht zur Versammlungsfreiheit unter freiem Himmel. Trotzdem schritt gegen 15 Uhr die Polizei ein und transportierte die 150 Studierenden und SchülerInnen ab, angeblich wegen «Hausfriedensbruchs »."
Harald Pittel: Streik - aber dann? (studis-online.de)
"Das Menschenbild hinter den »eigenverantwortlich« in ihr eigenes Humankapital investierenden Studierenden ist identisch mit dem, was sich hinter den Ich-AGen der Hartz-Reformen verbirgt – was zeigt, dass Studierende von der Ökonomisierung aller Lebensbereiche ebenso wenig ausgenommen werden wie Arbeitslose, SozialhilfeempfängerInnen, ArbeitnehmerInnen und RentnerInnen. »Konkurrenz statt Kooperation« lautet der leuchtende Pfad in die Zukunft. Politische Alternativen werden mit Hinweis auf den Sachzwang leerer Kassen ausgeblendet."
Ausserdem:
- Ein Wiki zu den Protesten ist im Aufbau
- Karte der streikenden Unis weltweit
- Die europaweit berichtende (und sehr viel professioneller als die deutsche gestaltete) österreichische Seite zu den universitären Protesten
Studentenproteste in Deutschland
Geschrieben von TeoDie Informationen fließen nur behäbig. Die Medien kommunizieren nur äusserst begrenzt und langsam, was an Deutschen Hochschulen derzeit stattfindet. Die meisten News-Einträge im Internet stammen erst von gestern. Auch die Proteste in Wien, die bereits mehrere Wochen im Gange sind, bekamen wenig Aufmerksamkeit von den Medien. Manche berichteten sogar offensichtlich manipulativ und falsch über die wiener Audimax-Besetzer.
In Deutschland werden derzeit je nach Quelle 20-50 Universitäten von Studenten bestreikt. Nach dem Vorbild der Universität Wien und anderen österreichischen Unis vernetzten sich vor allem in der letzten Woche auch deutsche Studenten und besetzten große Hörsäle ihrer Unis. Gestreikt wird für eine bessere Bildung mit gleichen Chancen für alle Gesellschaftsmitglieder. Die konkreten Forderungen der einzelnen Besetzergruppen decken sich im Wesentlichen: Abschaffung der Studiengebühren, Demokratisierung der Hochschulen und Abkehr vom Bologna-Prozess.
In Duisburg und Essen, meiner Uni, streikt man seit Dienstag Mittag. Die AStA hatte zu diesem Zeitpunkt eine Vollversammlung aller Studierenden beider Campi einberufen. Nach meinen Informationen, ich glänzte durch Abwesenheit, wiegelte die AStA sowohl bei allgemeinen Missständen der aktuellen Bildungspolitik, sowie bei konkreten Problemen, wie zu vollen Hörsälen und Seminarräumen, oder den desolaten Zuständen einiger Universitätsgebäude ab. Daraufhin haben Studenten ausserhalb der AStA per Abstimmung beschlossen das Audimax in Essen und einen Hörsaal in Duisburg zu besetzen. Die Meinungen unter den übrigen Studenten und Dozenten ist geteilt. Der Rektor ist zu Gesprächen bereit und hat sogar die Anwesenheitspflicht für alle Veranstaltungen bis heute (Freitag) Abend aufgehoben. Allerdings sollen die Studenten bis 18:45 das Audimax räumen. Ansonsten wird er wohl von seinem Hausrecht gebrauch machen und die Polizei einschalten.
Der Tenor unter den Studenten ist zwar, dass die Ziele ehrbar und nachvollziehbar seien, man aber trotzdem gerne die nun ausfallenden Veranstaltungen im Audimax hätte besuchen wollen. Gestern reagierte ein Dozent der Erziehungswissenschaften sehr kurzfristig und hielt statt seiner regulären Vorlesung einen Vortrag über Bildung als Ware und ihre Verwertung durch die Wirtschaft. Deren Einfluss scheint stetig zu wachsen. Mittlerweile fordern schon Privatschulen eine komplett staatliche Finanzierung. Der Trend geht zur Privatisierung von Bildungsinstitutionen. Die Wirtschaftsorganisationen, zu denen letztlich auch die OECD als Auftraggeber der PISA-Studie gehört, heuern renommierte Pädagogen an, die für sie argumentieren. Statt "Autonom", wie die Wirtschaftssympathisanten behaupten, werden Bildungseinrichtungen durch die Privatisierung abhängig vom Markt. Was kein Geld abwirft, wird nicht mehr unterrichtet. Eine umfassende Bildung nach Humboldt und die freie Entfaltung der kindlichen Natur sind dann nicht mehr erwünscht. Dabei werden in letzter Konsequenz auch langfristige ökonomische Perspektiven ignoriert. Ein produktiver Bürger benötigt schließlich einen produktiven, gewachsenen Charakter.
Ich sehe das Ganze als Auftakt und Werbeveranstaltung für die anberaumten Demonstrationen am nächsten Dienstag. Das tatsächlich etwas geändert wird, bezweifle ich. Trotzdem sind die Besetzungen ein legitimes Protestmittel, wie ich finde. Gerade Schülern und Studenten, aber auch vielen Lehrenden fehlt jegliche Handhabe um gegen die Privatisierung des Bildungssystems und die damit verbundene Verschärfung sozialer Ungleichheit vorzugehen. Im Gegenteil: Sie sollen es ausbaden, indem stetig neue Erlässe und Reformen von ihnen verlangen für eine ideale Bildung zu sorgen, deren Grundlagen durch zwei Vollzeit arbeitende Elternteile, Harz IV und mangelnde Zukunftsperspektiven immer schlechter werden.
Die Aktionen brauchen in jedem Fall mehr Aufmerksamkeit. Bei den Leuten muss ankommen, was die Protestler wollen. Die Gesellschaft muss für die Missstände im Bildungssystem sensibilisiert werden, ob die etablierten Medien das wollen, oder nicht. Ansonsten kann es passieren, dass wir in einigen Jahren Zustände, wie zur Zeit der industriellen Revolution haben oder uns die Grundlagen für eine produktive Gesellschaft komplett fehlen.
Eine zentrale Anlaufstelle für Infos zu den Protesten an deutschen Unis ist www.unsereunis.de. Die Aufständischen der Uni-DuE haben ein eigenes Blog eingerichtet, das unter www.besetzung-unidue.de.vu zu erreichen ist (ich habe euch mit der direkten Verlinkung auf das Blog mal die Werbung der de.vu-Kacke erspart).
Nationaler Bildungsstreik 2009
Geschrieben von TeoMorgen startet in ganz Deutschland die Aktionswoche "Bildungsstreik 2009", zu der sowohl Schüler, als auch Studenten und andere Beteiligte am Bildungssystem aufgerufen sind mitzuwirken. Als Lehramtsstudent betrifft mich dies nicht nur in meiner eigenen Ausbildung, sondern auch in meinem späteren Berufsleben. Die Initiatoren wollen ihren Unmut über die derzeitigen Verhältnisse im Bildungssystem zum Ausdruck bringen und kritisieren die Behandlung von Bildung als Ware. Im Kern stehen vier Forderungen, die zu einer Verbesserung der Lehre an Schulen und Universitäten führen sollen:
Soziale Öffnung der Hochschulen
Die Abschaffung von Studiengebühren! Den Ausbau von Studienplätzen! Finanzielle Unabhängigkeit der Studierenden ...Ohne Kredite! Keinerlei Diskriminierung Mehr!Verbesserung der Lehr- und Lernbedingungen
Die Umsetzung freier alternativer Bildungskonzepte! Die Beendigung prekärer Beschäftigungsverhältnisse im Bildungsbereich! Aufstockung des Lehrpersonals! Förderung aller Studierenden statt Elitenbildung! Einheit von Forschung und Lehre statt Exzellenzinitiative!Abschaffung von BA/MA in der derzeitigen Form
Die Abkehr vom Bachelor als Regelabschluss! Das Ende von Verschulung, Regelstudienzeit und Dauerprüfungen! Die Möglichkeit individueller Schwerpunktsetzung im Studium! Die tatsächliche Umsetzung der Mobilität zwischen den Hochschulen!Demokratisierung des Bildungssystems
Den Abbau wirtschaftlicher Zwänge im Bildungsbereich! Die Mitbestimmung aller Beteiligten im Bildungssystem! Die Einführung verfasster Studierendenschaften mit politischem Mandat in allen Bundesländern!
Was man über die Einzelheiten dieses Aufrufs auch denken mag, nicht erst PISA hat gezeigt, dass im Bildungssystem Vieles im Argen liegt. Ob die bereits beschlossenen und durchgeführten Änderungen wirklich etwas besser gemacht haben, ist ernsthaft zu bezweifeln. Am Samstag findet in Düsseldorf eine Demonstration statt, zu deren Teilnahme landesweit aufgerufen wird. Lokal finden aber die ganze Woche über Aktionen statt, die von den örtlichen Organisatoren geplant werden. Wenn ihr euch weiter über den Bildungsstreik 2009 informieren wollt, besucht am besten die Homepage der Projektgruppe Bildungsstreik 2009.


