Teo-Net Doppelt gestreift hält besser

2Sep/12Off

Film: Die Mondverschwörung

Geschrieben von Teo

In der Sommerpause durfte ich die Dokumentation Die Mondverschwörung zu mir nehmen. Anders als der Titel vermuten lässt, geht es hier nicht einfach darum, dass Menschen behaupten Neil Armstrong habe nie den Mond betreten. Der Film von Thomas Frickel befasst sich mit dem ganz realen Irrsinn der deutschen Esoterik- und Verschwörungstheoretiker-Szene.

Die Dokumentation beginnt in den vereinigten Staaten. Dort wird der Reporter Dennis Mascarenas vorgestellt, der für einen deutschsprachigen TV-Sender in Denver arbeitet. Mascarenas trifft einen Mann, der Grundstücke auf dem Mond in der ganzen Welt verkauft. Dieser behauptet im Laufe des Gesprächs ein Deutscher habe schonmal versucht ihm rechtlich beizukommen, weil er angeblich rechtmäßiger Besitzer des Mondes sei. Mascarenas macht sich daraufhin auf den Weg nach Deutschland um der Sache auf den Grund zu gehen. Es folgen episodisch aneinandergereihte Szenen, in denen Mascarenas immer tiefer in die abseitigen Weltbilder des deutschsprachigen Raums vordringt. So steigert sich der Film von Vollmond-Kosmetik über die esoterischen Wurzeln der Waldorfpädagogik bis hin zu Adolf Hitlers Weltraumstreitmacht.

Auch wenn Die Mondverschwörung durchaus mit humoristischer Zwischenmusik und kleineren Gags (z.B. dem Nummernschild von Dennis Mascarenas VW Käfer) spielt, ist sie im Wesentlichen als ernsthafte Dokumentation angelegt. Dennis Mascarenas bleibt während der Gespräche mit den Esoterikern und Verschwörungtheoretikern immer nüchtern entspannt und macht seine Gesprächspartner nie offen lächerlich. Im Nachhinein ist ihm diese Leistung besonders hoch anzurechnen. Besonders eindrücklich ist der fließende Übergang der unterschiedlichen Theorien von harmloser Gymnastik über offensichtliche Abzocke bis hin zu gefährlicher Menschenfeindlichkeit. Der Film zeigt so, wie z.B. aus dem einfachen Glauben an Ausserirdische eine Rechtfertigung für den Massenmord an 6 Millionen Juden gebastelt wird.

Hervorzuheben ist ausserdem das umfangreiche Bonusmaterial, das der DVD beiliegt. Der Hauptfilm hat eine Länge von 85 Minuten. Zusätzliche Interviews, ein Making-of und Outtakes belaufen sich nochmal auf weit über 3 Stunden Material. Darunter sind z.B. auch Rechtfertigungs-Videos eines Interview-Partners, der sich im Film falsch wiedergegeben sah - und sich hiermit freilich noch lächerlicher macht. Unter den zusätzlichen Szenen ist beispielsweise ein Börsenastrologe der über die mangelnde Seriosität anderer Astrologen klagt, eine Gruppe von Menschen, die den Kaiser der Galaxis kontaktieren oder ein Mann, der einen Orgon-Engel-Akkumulator gebaut hat.

Auch wenn die Bildqualität von Die Mondverschwörung leicht zu wünschen übrig lässt, ist er inhaltlich doch umso interessanter. Selbst wer z.B. durch den Podcast Hoaxilla schon einige abseitige Weltbilder kennengelernt hat, findet hier noch deutlich mehr Unsinn. So bietet die Dokumentation einen beeindruckenden Überblick über unwissenschaftliche Theorien und ihre Vertreter in Deutschland.

Die Mondverschwörung ist auf DVD und als Stream erhältlich. Die DVD kostet 22€ inklusive Porto, die digitale Version ist deutlich günstiger, bietet aber kein Bonus-Material. Wer sich noch nicht sicher ist, ob er zuschlagen soll, kann sich im YouTube-Channel von Thomas Frickel umsehen oder sich dieses Interview mit ihm bei WRINT zu Gemüte führen (das mich letztlich zum Kauf angeregt hat).


27Feb/12Off

Die Oscar-Verleihung wird (nicht) live ins Internet gestreamt

Geschrieben von Teo

Seit einigen Monaten habe ich keinen eigenen Fernseher mehr. Ich habe ihn verschenkt, weil er ohnehin nicht mehr oft eingeschaltet wurde und zu viel Platz verschlang. Gestern hätte ich ihn allerdings doch nochmal gebrauchen können. Die alljährliche Preisverleihung der Academy of Motion Picture Arts and Science, auch bekannt als Oscar, fanden mal wieder statt.

Im Vorfeld war auf diversen Internetseiten zu lesen, die Verleihung der Oscars würde in diversen Live-Streams über das Internet übertragen. Unter diesen Seiten war z.B. Chip Online. Bei Giga.de hiess es "wer unverfälschtes Oscar-Feeling erleben möchte, sollte seinen Computer hochfahren und auf folgende Seiten gehen". In der folgenden Liste findet sich dann an erster Stelle ein Video-Channel, der am Oscar-Abend laut Banner-Einblendung lediglich Wiederholungen von Diskussionsrunden aus der Vorwoche zeigte. RadioHamburg.de verlinkt gar auf einen Stream-Service, der sich seine Dienste mit einigen Euro vergüten lassen will und der den Oscar offenbar nur vorschiebt um schneller gefunden zu werden und mehr Abonnements zu verkaufen.

Bei den genannten Seiten, die man per entsprechender Suche schnell auf dem Schirm hatte, bekam man aber leider nichts wirklich Brauchbares. Gut, dachte ich, besuche doch einfach die offizielle Oscar-Homepage und versuche dort dein Glück. Dort gab es einen Stream, der war allerdings nur für Amerikaner freigeschaltet, alle ausländischen IP-Adressen wurden blockiert.

Als Nächstes dachte ich daran eben doch Pro7 zu gucken. Dort wurde die Oscar-Verleihung live übertragen. Ohne Fernseher musste das natürlich auch über's Netz gehen. Die üblichen Verdächtigen, wie Zattoo.de, fielen direkt aus, weil sie in Deutschland die meisten Privat-Sender nicht übertragen dürfen. Die Lösung wäre schließlich youfreetv.net gewesen, eine mit dubioser Werbung vollgestopfte Seite, die deutschsprachige TV-Sender in allenfalls okayer Qualität live ins Netz streamt. Ich habe mich dann dazu entschlossen alle Browser-Fenster zu schließen und lieber ein paar Tage zu warten, bis ich die zuvor programmierte Aufnahme bei meiner Freundin anschauen kann. Möglicherweise hätte ich mit einem Proxy-Server Erfolg gehabt, das war mir aber in dem Moment zu kompliziert und dies hätte auch nichts an meiner abschließenden Aussage geändert.

Bei den Oscars präsentiert sich die amerikanische Filmindustrie. Sie will Aufmerksamkeit auf sich lenken und sich von ihrer Schokoladenseite zeigen. Stattdessen nervt sie einen mit einem auf Landesgrenzen beschränkten Angebot, dass ohne viel Mühe weltweit hätte gezeigt werden können. Wir reden hier von der Blockierung der Übertragung einer banalen Werbeveranstaltung und Selbstbeweihräucherung im Jahre 2012. Diese Vorgehensweise erscheint mir wie ein Paradebeispiel für die Gestrigkeit dieser Industrie, die andere noch viel besser illustrieren können.


1Mrz/10Off

Filme kostenlos und legal im Netz schauen

Geschrieben von Teo

Das Internet gilt als Sargnagel für Musik- und Filmindustrie. Vorwiegend deshalb, weil man hier das Gratis bekommt, wofür man andernorts als "zahlende Kundschaft" tituliert wird. Viele Angebote für Ton- und Videomaterial sind dabei allerdings illegal. Das betrifft sowohl Filesharing-Börsen als auch Streamingseiten. Dennoch ist es möglich im Netz Filme kostenlos und trotzdem legal zu schauen. Leider ist das in den meisten Fällen mit einigen Einschränkungen verbunden.

Im vergangenen Mai ging beispielsweise der deutsche YouTube-Klon MyVideo mit einem kleinen Repertoire an Hollywood-Filmen an den Start (ich berichtete). Die Anzahl der Filme ist dort seitdem stabil bei etwa 60 geblieben, allerdings hat sich wohl die Auswahl etwas verändert. Die alten Anime-Serien Saber Rider und Voltron mussten Filmen wie Das Leben ist schön weichen. Auch MSN bietet seit einiger Zeit ein Angebot an Filmen. Im Microsoft-Sortiment findet man 73 Streifen. Da das Material vom gleichen Anbieter wie bei MyVideo, nämlich Nowtilus, stammt, beinhaltet die Sammlung so ziemlich alle Filme, die es auch dort gibt. Der gleiche Anbieter beliefert auch das Film-Portal von Bild.de. Glücklicherweise scheint sich die Werbung während der Filme verabschiedet zu haben. So werden die bewegten Bilder nicht mehr alle 10 Minuten durch irgendwelche Clips unterbrochen. All diese Portale kränkeln allerdings am Alter und der geringen Anzahl der Filme. Von der Qualität mancher Produktionen ganz zu schweigen. Wenn man mal wirklich nichts zu tun und das Glück hat einen Film zu finden, den man interessant findet, kann man sich damit dennoch ganz ordentlich die Zeit vertreiben.

Einen ganz anderen Ansatz, als die gerade genannten, kommerziellen Angebote verfolgt das bekannte Projekt Archive.org. Dort werden mittlerweile nicht nur Webseiten, sondern auch Software, Texte, Audio-Dateien und eben Filme gespeichert. Hier ist man allerdings auf gemeinfreie Inhalte angewiesen. Da es sich um ein amerikanisches Projekt handelt gelten genauer gesagt die Bestimmungen der "Public Domain". Entsagt ein Urheber seinem Copyright oder sind die ehemaligen Rechteinhaber eine gewisse Zeit lang tot, wird das Werk frei. Der Großteil der 2600 Videodateien ist in englischer Sprache vorhanden, kann aber oft auch mit Untertiteln gesehen werden. Lediglich 3 Filme werden mit deutscher Sprache aufgeführt. Darunter Kuhle Wampe von 1932. Durch das reichhaltige Angebot und die sperrige Navigation muss man sich etwas durchkämpfen, aber hat man das erstmal überwunden, finden sich dort auch Schätzchen wie Night of the living Dead von 1968. Neben diesen altehrwürdigen Streifen gibt es auch Open Source-Filme, die ohnehin frei verfügbar sind. Darunter z.B. The Hunt for Gollum aus dem letzten Jahr. Archive.org bietet als einzige Seite auch den Download von Filmen an.

Ob man's glaubt oder nicht, auch Google hat zu dem Thema etwas beizutragen. Bei Google-Videos gibt es zwischen vielen YouTube-Wackel-Videos auch komplette Spielfilme. Auf die Schnelle konnte ich Murnaus berühmten Nosferatu von 1922 dort ausgraben. Die Google-Suche hilft einem ausserdem bei der Suche nach weiteren Videoportalen.

Welche kostenlosen Angebote für Filme kennt ihr? Hat euch dieser Artikel geholfen?