Teo-Net Doppelt gestreift hält besser

23Dez/11Off

Film: Sherlock Holmes – Spiel im Schatten

Geschrieben von Teo

Als vor 2 Jahren der erste Teil des Guy Ritchie-Holmes in die Kinos kam, war ich anfangs durchaus etwas skeptisch. Am Ende ist es dann ein passabler Film geworden, den man sich gut angucken kann. Häufig passiert es ja, dass Regisseure und Drehbuchautoren einen solchen Erfolg in Fortsetzungen nicht wiederholen können. Sherlock Holmes 1 war allerdings kein besonders überragendes Werk und dementsprechend waren meine Erwartungen an Teil 2 auch durchaus erfüllbar.

Wie im ersten Teil angekündigt, geht es diesmal um Sherlocks (Robert Downey Jr.) Erzfeind Professor Moriarty (Jared Harris). Was der vorhat, weiss niemand so genau und auch nur Sherlock glaubt daran, dass der Mann wirklich Böses im Schilde führt. Dieses Vorhaben müsse laut Sherlock allerdings globale Ausmaße haben. Dr. Watson (Jude Law) hat unterdes ganz andere Sorgen. Seine Hochzeit mit Mary Morstan (Kelly Reilly) steht kurz bevor. Holmes ist Trauzeuge und verpennt natürlich die Organisation des Jungesellenabschieds. Am Ende lädt er lediglich seinen eigenen Bruder Mycroft (Stephen Fry) ein und trifft sich mit ihm und Watson in einer Bar mit Casino. Die Wahl dieses Ortes ist allerdings nicht zufällig, denn dort sucht Sherlock nach dem nächsten Puzzleteil für das Rätsel um Moriarty in Person einer Zigeunerin und Wahrsagerin (Noomie Rapace). Moriarty droht anschließend offen mit der Ermordung des frisch vermählten Ehepaars Watson, sollte Holmes nicht aufhören seine Pläne zu durchkreuzen.

Inhaltlich ist der Film sehr viel anstrengender, als man das von einem solchen Blockbuster gewöhnt ist. Die Geschichte ist verworren und erschließt sich nur langsam. Allerdings scheint es so, als tue sie das fast von allein. Der Zuschauer hat selten die Möglichkeit wirklich mit zu rätseln, was etwas schade ist. Auch wird nicht ganz klar, worin das große Rätsel der Kriminalgeschichte besteht. Der Gegner ist mit Moriarty schon ziemlich früh bekannt, einzig die Details seiner Machenschaften liegen im Verborgenen. Das reicht als Mysterium offensichtlich nicht aus, um die Geschichte wirklich spannend zu machen. Dass der Zuschauer nicht gleich einschläft, wird durch das enorme Tempo des Films bewerkstelligt. Fast durchgängig gibt es Action-Sequenzen, die selbst ebenfalls sehr schnell sind. Teilweise leider schon wieder zu temporeich. So sind manche Kämpfe recht schwierig nachvollziehbar. Als Holmes mit einem Kosaken ringt, habe ich beispielsweise überhaupt nicht begriffen wo plötzlich ein Kampfverlauf bestimmendes Seil herkam. Die Action ist zwar abwechslungsreich, würde aber allein wohl nur wenige Zuschauer bei der Stange halten. Die Comedy-Elemente sind daher wohl das wichtigste Nebenstandbein des Films. Am liebsten waren mir hier die Dialoge zwischen Holmes und Watson, die auch schon im ersten Teil herausragend waren.

Neben der Geschwindigkeit und der Comedy bietet Sherlock Holmes - Spiel im Schatten aber auch einen herausragenden Cast. Mit Noomie Rapace und Stephen Fry sind zwei ziemliche Schwergewichte zur Stammbesetzung gestoßen. Dabei wirkt zumindest Rapace etwas unterfordert. Fry wird als komödiantische Ergänzung zu Downey Jr. eingeführt.

Insgesamt wirkt der Film etwas langatmig durch die Geschichte, die er erzählt und überfordert manchen Kinobesucher gleichzeitig wohlmöglich durch seine Geschwindigkeit im Detail. Man hätte da durchaus mehr Mysterien herausholen können um das Ganze spannender zu machen. Den Humor zu bewerten ist schwierig, weil er viele verschiedene Niveaus abdeckt. Das ist also eher eine Frage des Geschmacks. Sherlock Holmes - Spiel im Schatten reicht wohl nicht ganz an seinen Vorgänger heran, ist aber durchaus einen Blick wert, wenn man auf diese Art von unkonventionellem Action-Krimi steht.


10Mai/10Off

Film: Iron Man 2

Geschrieben von Teo

Tony Stark ist wieder da! Der Reiter des rot-goldenen Metallblitzes zeigt sich in Iron Man 2 nach seinem Outing als menschlicher Panzer bedroht von U.S.-Militärs und Regierungsvertretern. Zu allem Überfluss tritt dann auch noch der Sohn eines Ex-Mitarbeiters von Tonys Vater auf den Plan um Rache für sein verkorkstes Leben zu üben.

Zu Beginn wird der Zuschauer Zeuge, wie Ivan Vanko (Mickey Rourke) am Sterbebett seines Vaters sitzt. Er buddelt Pläne für Starks Energiequelle aus einer Schublade und beginnt mit dem Bau eines eigenen Reaktors. Unter den Blaupausen steht nicht nur der Name Stark, sondern auch Vanko. Tony Stark (Robert Downey Jr.) eröffnet derweil eine Technikausstellung, die Stark Expo, und ist scheinbar noch ein draufgängerischer Lebemann, als im ersten Teil. Dies mag damit zusammenhängen, dass er im Alleingang zahlreiche Konflikte auf der Welt gelöst hat und sich für den Retter des Weltfriedens hält. Tatsächlich leidet Tony an einer Palladium-Vergiftung, die durch den Reaktor in seiner Brust verursacht wird. Wir erinnern uns: Im ersten Teil wurde Tony in Afghanistan schwer verletzt und war auf einen Elektromagneten angewiesen, der Metallsplitter von seinem Herzen fern hält. Scheinbar hat sich daran nichts geändert, allerdings sondert der Reaktor, der den Magneten am Laufen hält, Palladium in seinen Körper ab, das ihn schließlich ebenso töten wird. Immer wieder wird Stark von der Regierung und den Militärs der USA aufgefordert die Iron Man-Technologie auch ihnen zugänglich zu machen. Er lehnt ab und kommt unter anderem damit durch, weil er darlegen kann, dass nirgends sonst auf der Welt eine solche Waffe existiere. Da die Vergiftung seines Körpers voranschreitet, erklärt Tony seine Sekretärin Pepper Potts (Gwyneth Paltrow) zur neuen Geschäftsführerin von Stark-Industries. Diese weiss jedoch nichts vom Gesundheitszustand ihres Ex-Chefs. Als neue Sekretärin engagiert Tony die attraktive und schlagkräftige Natalie Rushman (Scarlett Johansson). Während eines Autorennens in Monaco, an dem Tony spontan teilnimmt, tritt plötzlich Ivan Vanko in seinem eigenen Kampfanzug auf die Rennstrecke und zerlegt einige Autos mit seinen Energie-Peitschen. Unter anderem auch Tony Starks Wagen. Mithilfe eines tragbaren Iron Man lite-Anzugs schafft es Tony sich zu verteidigen und Vanko zu besiegen. Dieser erklärt, er wollte Iron Man verwunden, damit andere seinem Beispiel folgen. Tatsächlich schwächt es Starks Verteidigung vor Army und Regierung, dass doch jemand anders die selbe Technologie besitzt, welche auch in seinem Anzug steckt. Vanko wird in ein Gefängnis überführt, wo es kurz darauf zu einer Explosion kommt, bei der er sich befreien kann. Hinter dem Ausbruch steckt allerdings jemand drittes mit ganz eigenen Interessen.

Wie schon im ersten Teil sind die Effekte und die Optik von Iron Man 2 tadellos. Insgesamt gibt es aber weniger Action-Sequenzen und der Film scheint nicht mehr ganz so rasant, wie Teil 1 zu sein. Für mehr war vermutlich auch kein Platz, denn der Plot ist wirklich umfangreich. Zur bereits genannten Handlung kommt noch eine Auseinandersetzung mit Starks altem Freund Rhody (Don Cheadle), ein Besuch von S.H.I.E.L.D-Boss Nick Fury (Samuel L. Jackson), ein bisschen Ahnenforschung und eine sehr seichte Geschichte um das Zwischenmenschliche zwischen Stark und Potts hinzu. Würde die Action nicht eng an die Handlung gebunden und immer wieder eingestreut, hätte der Streifen ein großes Problem. Die Dialoge sind zwar meist spritzig und humoristisch, aber auf Dauer doch weitaus weniger amüsant und dann eher ermüdend. Man kann nunmal keine Gespräche in Tarantino-Länge fabrizieren, wenn diese keinen hintergründigen Witz haben, sondern plakativ einen Flachwitz an den nächsten reihen.

Die Komplexität der Geschichte bedingt auch, dass sich mit vielen Charakteren nur unzulänglich auseinandergesetzt wird. Potential hätte es z.B. bei der neuen Assistentin Natalie gegeben. Auch Figuren, die zwar bereits im ersten Teil vorkamen, dort aber nur eine Randfunktion einnahmen, hätte man etwas sanfter wiederkehren lassen können. An Nick Fury konnte ich mich z.B. kaum erinnern. Weiterhin hätte man sich ein wenig mehr auf Tony Starks Spannungen mit Rhody oder Pepper Potts einlassen können. Ivan Vanko alias Whiplash (dessen Bösewichtername übrigens nie gefallen ist), war als Gegner wenig ernst zu nehmen. Er selbst war schnell besiegt, taucht zwar später wieder auf, hat aber auch da schlechte Karten. Auch hier hätte man mehr Screentime darauf verwenden können, ihn und seinen Vater zu porträtieren. Schon wenn Vater Vanko zu Beginn auf den Fernseher zeigt, auf dem Stark zu sehen ist, und sagt "Das solltest du sein", dachte ich, aus den Parallelen der beiden Figuren Tony Stark und Ivan Vanko wird eine richtig schöne Geschichte aufgezogen. Leider war dem nicht so, wodurch Vankos Wut auf Stark sehr oberflächlich und weniger schlüssig wirkt.

Wie man es aus Comic-Verfilmungen gewöhnt ist, hält man es mit der Realität in Iron Man 2 nicht so genau. Ein Do-it-yourself-Teilchenbeschleuniger war für mich hier die Krönung. Das kann man dem Film aber verzeihen, weil die Genre-Kollegen auch nicht besser sind. Gerade aber im sehr weltlichen, technik-orientierten Film-Universum von Iron Man wirken solche Ausrutscher dann doch doppelt auffällig. Übersinnlicher soll es übrigens auch im dritten Teil werden, wo der Mandarin mit seinen 10 magischen Ringen auf den Plan treten soll. Einen Vorgeschmack auf mindestens eine weitere Marvel-Verfilmung, mit ebenso metaphysischem Setting, bietet auch eine Sequenz nach dem Abspann, die ich leider dort nicht gesehen habe, weil ich das Kino zu früh verlassen habe (die Szene findet man aber schnell, wenn man sucht).

Ich weiss nicht genau wie Iron Man 2 es bei all der Kritik geschafft hat mich zu unterhalten, aber er hat es. Vielleicht lag es am coolen ACDC-Soundtrack, vermutlich weist der Aufbau des Films aber genau die richtige Mischung zwischen Action, Wortwitz und Handlung auf, um die meisten Zuschauer zu überzeugen. So schlimm wie andere Kritiker fand ich ihn nicht. Viel mehr als oberflächliche Unterhaltung kann man von so einem Film nunmal auch nicht erwarten.

Links zum Film


9Feb/10Off

Review: Sherlock Holmes

Geschrieben von Teo

Sir Arthur Conan Doyle wird dieses Jahr seinen 80. Todestag versterben. Am 17. Juli um genau zu sein. Ein paar Monate vor diesem Termin ist die zigste Verfilmung seiner Sherlock Holmes-Romane veröffentlicht worden. Vor zwei Wochen kam sie in die deutschen Kinos und aktualisiert die Geschichte um den britischen Detektiv und seinen Gefährten Watson.

In Londons Straßen des ausgehenden 19. Jahrhunderts treibt der üble Geselle Lord Blackwood (Mark Strong) sein Unwesen. Bereits 5 rituelle Morde gehen auf sein Konto. Sherlock Holmes (Robert Downey Jr.) und Dr. John Watson (Jude Law) schaffen es gerade noch den 6. Mord zu verhindern und Lord Blackwood der Polizei zu übergeben. Jetzt soll er hingerichtet werden. Die Bürger Londons fürchten Blackwood und protestieren vor dem Gefängnis, in dem der Adlige einsitzt. Das Ende der Welt sei gekommen. Blackwood werden magische Kräfte attestiert, die er dem Teufel zu verdanken habe. Als letzten Wunsch bittet Blackwood darum, Sherlock Holmes noch ein letztes mal zu sprechen. Als Holmes das Gefängnis betritt, sind alle anderen Zellen leer und die Polizisten, die ihn begleiten erklären, man hätte die anderen Insassen vor der schwarzen Magie von Lord Blackwood schützen müssen. Tatsächlich windet sich ein Wärter direkt vor Blackwoods Zelle auf dem Boden, als Holmes dort eintrifft. Die Botschaft, die der Lord dem Detektiv mitteilt ist so bizarr wie beängstigend: Nach seiner Hinrichtung wolle er wiederkommen und weitere Opfer ermorden. Holmes gibt nicht viel auf das Gerede, lässt aber seinen Medizinerfreund Watson persönlich den Tod Lord Blackwoods bescheinigen, nachdem dieser von der Polizei vom Galgen abgehangen worden ist. Die Bedrohung durch Lord Blackwood scheint ein für alle mal abgewendet, sodass die beiden Freunde anderen Beschäftigungen nachgehen können. Während sich Watson also um seine Verlobung mit Mary Morstan (Kelly Reilly) und dem damit verbundenen Auszug aus der gemeinsamen Wohnung von ihm und Holmes in der Baker Street kümmert, vertreibt sich der gelangweilte Detektiv in einem viktorianischen Fight-Club und mit Drogen-Exzessen die Zeit. Als Watson einen Versuch startet Holmes zur Besinnung zu bringen, betritt plötzlich ein aufgeregter Polizist die Wohnung und berichtet, dass die Steinplatte, die Lord Blackwoods Grab verschloss von innen zerschlagen worden sei. Ein Friedhofsgärtner will den toten Lord über die Gräber wandeln gesehen haben. Ist Lord Blackwood aus dem Reich der Toten zurückgekehrt oder handelt es sich um einen klugen Schwindel?

Schon in den 1920ern liefen - Achtung - 56 Kinofilme auf Grundlage der Romane und Kurzgeschichten rund um Sherlock Holmes. Erst 1927 erschien der letzte Roman mit dieser Hauptfigur aus der Feder Arthur Conan Doyles. Seit dem gab es alle Jubeljahre erneute Verfilmungen, die teils von den Originaltexten abwichen. Dabei haben die Produzenten rund um den Globus fast nichts ausgelassen. Es gab, neben den bekannteren, amerikanischen Verfilmungen aus den 1940ern, in den Achtzigern sowohl animierte Holmes-Filme aus den Niederlanden, als auch eine russische Fernsehserie. Anfang dieses Jahrzehnts hat man in Kanada dann eine Reihe von Fernsehfilmen gedreht und zu Letzt hat die BBC 2002 den Hund von Baskerville neu aufgelegt. Hollywood konnte bei diesem bunten Treiben mit dem Stoff natürlich nicht tatenlos zusehen. Die aktuelle Adaption beruht auf keiner Geschichte, die Conan Doyle selbst niedergeschrieben hat. Vielmehr handelt es sich um eine Komposition von Fragmenten aus mehreren Erzählungen, die mit sehr viel Hollywood und einer Neuinterpretation des Stoffs zu einem neuen Kuchen verbacken wurden.

Die neue Sichtweise auf die Texte äußert sich vor allem in Veränderungen an den Charakteren Holmes und Watson. Ihre Beziehung zueinander wirkt sehr innig und gleichzeitig Distanziert. Sie wohnen zusammen und haben einen gemeinsamen Hund. Ab und an greift Holmes wohl auch beherzt in Watsons Kleiderschrank und borgt sich Westen, Hemden oder Hosen. Laut Holmes gehört das zu einem Tauschsystem, mit dem beide einverstanden waren. Watson sieht das etwas anders und reagiert recht schnippisch als er eine seiner Westen an Holmes bemerkt. Er fordert sie ein, um sie dann aus der fahrenden Kutsche zu werfen. Gleichzeitig versucht Holmes die aufblühende Liebesbeziehung von Dr. Watson und Mary Morstan zu sabotieren. Sein Verhalten weist hier deutliche Eifersüchteleien auf. Kurzum: Die beiden könnten ein Pärchen sein. Durch seine größere Vernunft und seine Aufsässigkeit dem dirigierenden Holmes gegenüber, begegnet Watson, anders als in anderen Verfilmungen, dem Detektiv  auf Augenhöhe. Eine weitere Neuerung ist, dass die beiden Ermittler als Action-Helden auftreten. Gerade hier äussert sich wohl der Einfluss Hollywoods am deutlichsten. Dennoch büßt Sherlock Holmes nichts von seiner Scharfsinnigkeit ein. Parallel zur Haupthandlung treten immer wieder Irene Adler (Rachel McAdams) und ihr mysteriöser Auftraggeber auf den Plan. Irene soll die einzige Verbrecherin sein, die Holmes je durch die Lappen gegangen ist. Zwischen den beiden gibt es eine Liebesbeziehung, was dafür wohl ausschlaggebend ist. Das macht den Film vielschichtiger und bereitet eine Fortsetzung vor.

Sherlock Holmes ist ein Krimi nach meinem Geschmack. Die aktuelle Verfilmung mit Guy Ritchie im Regiestuhl überzeugt durch einen hohen Grad an Spannung und einen Soundtrack von Hans Zimmer, der die komödiantische Ebene des Films sehr schön widerspiegelt und gleichzeitig die Mystik unterstützt. Sehr schön ist auch, dass man alle Fakten, die man für die Lösung der Rätsel bräuchte auf dem Silbertablett serviert bekommt. Das verschleiert die starke Konstruiertheit, die solche Kriminalgeschichten zwangsläufig mit sich bringen. Am Ende setzt Sherlock natürlich für alle Unwissenden im Kinosaal die Puzzleteile zusammen. Für einen Hollywoodstreifen ist der Film sehr gut gelungen. Er unterhält, erzeugt Spannung und gibt Rätsel auf.

Links zum Film