Artikel und Hintergründe zum Bildungsstreik (12)
Geschrieben von TeoBildungskrise an der Ruhr (taz)
"Die Wirtschaftsförderung sieht das ähnlich. "Es sind besorgniserregende Befunde", sagt ein Mitarbeiter der Wirtschaftsförderung. Zugleich aber hätten die Wissenschaftler Zahlen und Daten geliefert, "die hervorragend geeignet sind, um in Abstimmung mit den Städten die Bildung im Ruhrgebiet auf ein ganz anderes Niveau zu heben." Dass das Papier weiter in Schubladen schmoren und begutachtet werden muss, habe nichts mit der Wahl in Nordrhein-Westfalen am 9. Mai zu tun."
Wenig Bock auf Bildungsstreik (Pflichtlektüre)
"Mittlerweile wird es lauter und die Trillerpfeifen sorgen für ordentlich Lärm. Neben den Mitgliedern der ASten, Studenten und Schülern versammeln sich ebenfalls Gruppen zweier Parteien: Die Jungen Grünen und die Piratenpartei sind mit am Start. Dennis Schneider vom KffB empfindet die Parteifahnen als störend, „schließlich ist es hier keine Wahlkampfveranstaltung.“ Doch weil letztlich alle für die gleichen Ziele kämpfen, streiken sie friedlich gemeinsam."
Aufstieg durch Bildung? (Telepolis)
"Der Begriff der Bildung bleibt ideologieverdächtig oder rhetorisch unverbindlich, wenn er nicht auf seine bedingte Eignung für den persönlichen Erfolg oder gar Lebensfreude in einem konkurrenzorientierten Wirtschaftssystem kritisch hinterfragt wird. Bildung wurde nach klassischen Idealen an die Persönlichkeit gekoppelt, ja mehr: an das wahre Menschsein. Bildung, wie sie jetzt wieder zum ultimativen Politikprogramm hochgejazzt wird, verfolgt heute ungleich prosaischere Zwecke. Es geht um die Verwertbarkeit menschlicher Fähigkeiten im Wirtschaftsleben."
Schule darf kein Spielball der Bildungsideologen sein (DerWesten)
"Dass von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Lern-Standards, Zeugnisse und Schulformen gelten. Aber dass die Bildungspersperspektiven für Eltern, Lehrer und Schüler - wie jetzt in NRW - abhängig von der Zusammensetzung der künftigen Regierung sind, tut richtig weh. Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln."
Gedankenpizza
Geschrieben von TeoWenn Stern.de behauptet, das nationale Stipendienprogramm erhöhe die Chancengleichheit, platzt mir fast der Kragen. Das Ganze sei keine Elitenförderung, weil man als Studierender ohnehin zu einer Elite gehöre und habe nichts mit der Problematik zu tun, dass immer noch sehr wenige Studierende aus finanziell schwachen Familien stammen. Wer das glaubt, glaubt auch an den Nikolaus. Wenn man sich nämlich anschaut, dass etwa die Hälfte aller Schüler derzeit irgendwann mal Nachhilfe beanspruchen muss, und was das bei Profis so kostet, weiss man wohin der Hase läuft. Fakt ist doch, dass Geld den Vorteil hat flüssig zu sein. Man kann es umschichten. Statt also 10% der Studierenden unabhängig vom Gehalt der Eltern 300 Tacken im Monat zu zahlen, könnte man diese Summe direkt auf die Unis umlegen und eventuell Studiengebühren verringern. Somit könnte man die größte Hemmschwelle zurückbauen, die man in den letzten Jahren für Abiturienten beim Schritt zum Studium etabliert hat. Ausserdem bezweifle ich, dass weitere Verquickungen zwischen Hochschulen und der freien Wirtschaft unserem Bildungssystem gut tun werden. Selbst wenn man nur die halbe Gesamtsumme der Stipendien nimmt (eben die Hälfte, die nicht aus der Wirtschaft kommen soll) sind das bei derzeit etwa 2.100.000 Studierenden immerhin 189 Millionen € in 6 Monaten. Damit sollte man den Unis doch wohl ein wenig unter die Arme greifen und den Studiengebühren einen Teil ihrer Legitimation entziehen können. Die Konsequenz müsste zumindest eine Senkung der ohnehin umstrittenen und selektiven Gebühren sein. Aber seien wir mal ehrlich: Das wollen FDP und CDU doch gar nicht.
Bei der Aktion gegen den neuen Superflop von DSDS gibt es wohl ein entscheidendes Problem: Es gibt mehrere solcher Bemühungen. Ich berichtete ja schon über die Aufforderung Stairway to Heaven von Led Zeppelin zu kaufen. Parallel dazu wollen anscheinend Fans von 90er Jahre Trash Blümchens Boomerang auf Platz 1 der Charts kaufen. Na herzlichen Glückwunsch, so kann man mit einer guten Idee auch in Konkurrenz zur gleichen Idee treten. Blöd.
Der Wahl-O-Mat zur NRW-Wahl läuft schon ein paar Tage. Ich war mit meinem Ergebnis diesmal weniger zufrieden und werde wohl etwas anderes wählen. An erster Stelle stand bei mir die Linke, deren Parolen hier fast so bescheuert sind, wie die der NPD. Am Ende wird es wohl eher eine strategische Wahl gegen Schwarz-Gelb. Ich nehme also Pest statt Cholera und wähle nicht nach der reinen Übereinstimmung von Aussagen.
Apropos NPD: Die haben hier ein super Plakat auf dem steht "Bildung statt Moscheen". Das hat mich sehr gewundert, denn mit gebildeten Bürgern wird die NPD doch wenig anfangen können.
Buchtipp am Rande: Das Evangelium des fliegenden Spaghettimonsters (APL). Bobby Henderson zeigt mit einer Menge Satire auf, wie schwachsinnig die Theorien der Kreationistem zum Intelligent Design sind und wie genau die Religion der Pastafari der Ausweg sein kann. Das Buch ist ein Statement gegen religiösen Wahn und die Fehlinterpretation angeblich wissenschaftlicher Ergebnisse. Das Evangelium des FSM hat zwar auch einige Schwächen, allerdings sind viele davon wohl auf die Übersetzung zurückzuführen. Man hat die Seiten auf jeden Fall schnell durchgelesen und ordentlich was zu lachen.
Bundesweite Streiks im öffentlichen Dienst
Geschrieben von TeoPünktlich zur Klausurenphase der NRW-Unis kündigt die Ver.di Warnstreiks an. Heute werden bereits Krankenhäuser und Kitas bestreikt. Morgen soll dann vor Allem der öffentliche Personen-Nahverkehr dazu kommen. Das Epizentrum der Streiks in NRW soll Dortmund werden. Dort sollen von 3 Uhr morgens 24 Stunden lang Busse und Bahnen still stehen. Viele Mitarbeiter aus kleineren Kommunen um Dortmund schließen sich offenbar den Streiks an. Damit fällt auch in entlegeneren Gemeinden der Busverkehr flach, wodurch viele Anwohner ohne eigenes Auto nicht zur Schule oder Arbeit kommen werden. Um 11:30 soll morgen in Dortmund eine große Kundgebung stattfinden.
Ich werde unter denjenigen sein, die massive Probleme bekommen werden. Am Donnerstagmorgen schreibe ich eine Klausur, zu der es dieses Semester keine Nachklausur geben wird. Wenn ich nicht erscheine falle ich automatisch durch und muss ein ganzes Semester warten um mir den Schein zu verdienen. Durch die aktuelle Wetterlage wollte ich ohnehin früher zur Uni fahren, aber wenn es zu einem Totalausfall der Bahn kommt, nützt das auch nichts mehr. Gleichzeitig werden die Straßen in NRW morgen absolut überlastet sein. Dabei rechnet man morgens ohnehin mit Staus dort.
Wenn Menschen für ihr gutes Recht eintreten und gegen zu geringe Löhne auf die Straße gehen, ist das für mich in Ordnung. Die Gewerkschaft fordert allerdings satte 5% Lohnerhöhung für 2 Millionen Beschäftigte. Diese Mitarbeiter werden von Kommunen bezahlt, die selbst pleite sind. Wie realistisch ist so eine Forderung vor diesem Hintergrund?
