Teo-Net Doppelt gestreift hält besser

12Apr/102

Poesie über 1 und 0

Geschrieben von Teo

Lyrik war nie mein Lieblingsaspekt des Deutschunterrichts. Als ich dann während der Oberstufe in der Sendung Was liest du? mit Jürgen von der Lippe einen Gedichtband von Robert Gernhardt (APL) entdeckt habe, war der trotzdem schnell bestellt. Seitdem lese ich gern mal ein Gedicht. Sie sind schneller aufzunehmen, als lange Geschichten, können einen aber genauso lange und länger beschäftigen. Ein Lyrik-Seminar in der Uni hat mich darauf gebracht einfach mal selbst etwas zu schreiben. Wie alles hier, ist auch das Ergebnis dieses Versuchs zur Verbreitung freigegeben. Wer Spaß an Interpretationen hat, kann sich ja mal versuchen, ich würde mich freuen.

Anna log und Dieter befahl

Anna log: Das Internet, ein Sündenpfuhl!
Dieter schwieg.
Er dachte an das Filmchen letzte Nacht,
was hat er beim Anblick der Katze gelacht.

Anna log: Das Internet, für Kriminelle ein Hort!
Dieter schwieg.
Er dachte an Artikel und Geschichten,
von denen die Menschen der Welt berichten.

Anna log: Das Internet, deshalb geh'n wir Bankrot!
Dieter schwieg.
Er dachte an den langen Geheimbericht,
in dem steht wie Einer den Andern besticht.

Anna log: Das Internet, voller nackter Kinder!
Dieter schwieg.
Er dachte an die Mütter von Gestern,
mit ihren Brüsten und buschigen Nestern.

Anna log: Das Internet, es gehört geschlossen!
Dieter schwieg.
Er dachte an sich in Annas Bett,
nackte Muttis fand die sicher nicht nett.

Dieter befahl: Zieht Stecker und stellt Schilder auf!
Schließt den Sündenpfuhl, den Kriminellenhort!
Rettet die Wirtschaft und die Kinder,
das Internet ist böse, das sieht jeder Blinder!

Anna log: Der Dieter, der hat die Gesellschaft gerettet!


1Apr/100

Gedankenpizza

Geschrieben von Teo

Die "Neuigkeit", dass Essen süchtig macht, geistert ja gerade überall durch die Medien. Neu an diesen Erkenntnissen ist allerdings nur, der eigentliche Nachweis dieses Sachverhalts an Ratten. Vermutet wurde das ja schon länger und wenn mal wieder über Schokolade als Depressionskiller berichtet wird, wissen die Medien davon ja auch. Schon länger weiss man allerdings, dass auch die Fettzellen selbst ein Problem darstellen. Die Anzahl der Zellen im weissen Fettgewebe bleibt in der Regel nach der Pubertät konstant. Ist man zu dieser Zeit füllig, besitzt man mehr dieser Zellen, als schlanke Menschen. Versucht man anschließend abzunehmen, leeren sich die Vakuolen, in denen die Lipide gespeichert werden. Sobald das geschieht, sendet die Zelle ein Signal und schreit damit nach Essen. Da die Anzahl der Zellen ohne chirurgischen Eingriff normalerweise gleich bleibt, wird das Hungergefühl während des Abnehmens immer stärker.

Ganz großes Tennis. Vor ein paar Tagen sind alle Astrologie- und Physik-Nerds noch ganz aus dem Häuschen gewesen, als das CERN Webcams und -casts zu den neuen Experimenten am LHC anbot. Dabei sollten zum ersten mal Teilchenbündel mit jeweils 3,5 Tera-Elektkronvolt aufeinander prallen. Insgesamt wären die Teilchen so mit 7 Tera-Elektronvolt Energie aufeinandergeprallt. Aus den gesammelten Daten, wollte man angeblich neue Erkenntnisse über das s.g. Higgs-Teilchen bekommen, welches für das Vorhandensein von Maße verantwortlich sein soll. Darüber gab es auch zahlreiche Berichte in der Mainstream-Presse. Heute gaben die Forscher aus Genf zu, dass alles ein großangelegter Aprilscherz gewesen sein soll. Man hatte die Aufnahmen für die Webcams im Vorfeld gemacht und die angezeigten Messwerte aus Simulationen übernommen. Toll! Wir wurden nicht Zeuge des größten Experiments der Menschheit, sondern des größten Hoax!

Zu den neuen Vorstößen in Sachen EU-weiter Netzsperren von Frau Malmström möchte ich eigentlich nichts mehr sagen, muss aber. Die gleichen, schlechten Argumente wie bei der Debatte in Deutschland, die gleichen fadenscheinigen Behauptungen und die gleichen Risiken, die die Sperren mit sich bringen würden. Anders ist diesmal nur, dass SPD gegen die Sperren ist. Das war aber während der nationalen Diskussion genauso und als es am Ende darauf ankam ist die Partei fast kollektiv umgekippt.


16Mai/090

Seite der Deutschen Kinderhilfe gehackt

Geschrieben von Teo

Bisher unbekannte Hacker haben die Seite www.kinderhilfe.de etwas umgestaltet. Auf der Startseite ist nun unter anderem zu lesen, dass der Deutsche Kinderhilfe e.V. eine dubiose Organisation sei. Im Grunde gibt die neue Startseite den Tenor der Kritik vieler Blogger aus der letzten Zeit wieder. Die Organisation hatte eine Aktion ins Leben gerufen, die sich gegen die Petition aussprach, die Kritik an den geplanten Netzsperren äußerte. Dadurch machte sie sich bei vielen engagierten Bloggern natürlich keine Freunde. Wahrscheinlich ist der Aufschrei der Blogger sogar gerechtfertigt, denn der Deutsche Kinderhilfe e.V. wurde im Januar 2008 nicht nur aus dem Spendenrat ausgeschlossen, sondern stand in der Vergangenheit auch häufiger wegen der Unterstützung diverser Politiker in der Kritik.

Der Angriff auf die Seite des Vereins ist jedoch ein Eigentor, wie zweipunktnull recht deutlich herausstellt. Auch Fefe, dessen Blog auf der neuen Kinderhilfe-Seite verlinkt wurde, ist sichtlich verärgert über diese kriminelle Handlung. Da ist es auch wurscht, dass möglicherweise ehrbare Motive hinter dem Hack standen, er wird denjenigen, die Angst vor dem Internet und Zweifel an der Rechtssituation dort haben, auf jedenfall Zündstoff liefern.


9Mai/092

Wieviel Schutz kann die Freiheit vertragen?

Geschrieben von Teo

Die Debatten um Netzsperren, Waffengesetze und eine Aussage von Jackie Chan stimmen mich nachdenklich. Ich bin ein Freund klarer Verhältnisse, aber das Leben ist nunmal nicht binär. Aus diesem Grund ist es einigermaßen schwierig Grenzen klar zu definieren, was Verbote und Kontrolle durch den Staat angeht. Wieviel Freiheit wollen wir für unsere Sicherheit aufgeben? Welcher Grad des Kompromisses ist wirklich sinnvoll? Wenn man ein Verbot von Gotcha und Laserdrom damit begründet, es würde Töten simuliert, müsste man dann nicht auch Wasserpistolen und Cowboy-Spiele verbieten? Was ist mit dem Strecken des Zeigefingers bei geschlossener Faust? Ist dies nicht die Nachahmung einer Schusswaffe, mit der man in seiner Vorstellungskraft Menschen erschießt? Weitere Bereiche des fast alltäglichen Lebens schließen sich hier an. Sind Würstchen, die man an Halloween mit Mandeln und Ketchup verziert nicht die Simulation schrecklicher Verstümmelungen? Diese Beispiele mögen lächerlich klingen, sorgen aber durchaus für Probleme, wenn man die Erklärungen für die Verschärfung von Waffengesetz und Jugendschutz konsequent weiter denkt.

Schon dadurch, dass wir in einer Gesellschaft und nicht allein als Einsiedler leben, haben wir einen Teil unserer Freiheit gegen eine höhere Sicherheit getauscht. Wir unterwerfen uns tagtäglich Regeln, die für das Zusammenleben von Menschen unerlässlich sind. Das geht von allgemeinen Umgangsformen, wie einem "Gesundheit" nach einem Nieser, über Formalia, wie einer gemeinsamen Schrift und dem Einhalten der Rechtschreibung, bis hin zu Anti-Terror-Gesetzen und dem Zahlen von Steuern. Dies alles schränkt unsere Freiheit zu einem gewissen Grade ein. Die Frage ist nur, wo man die Grenze ziehen muss. Wie viel Freiheit will man dem Zusammenleben opfern und wieviele Opfer sind dafür überhaupt wirklich nötig? Wenn ein Prominenter, wie Mister Chan, sagt, dass Menschen Kontrolle bräuchten und Freiheit für Chaos sorge, dann setzt dies eine Denkweise voraus, die den Menschen weniger als Individuum und mehr als Teil eines großen Ganzen sieht. In der westlichen Welt haben die meisten Menschen eher ein Menschenbild, in dessen Zentrum das Individuum steht. Genau das ist auch der Grund, wieso die Diskussionen um schärfere Gesetze so viel Kritik auf den Plan rufen. Viele Menschen in Deutschland möchten nicht mehr von ihrer Freiheit preisgeben.

Ich sehe außerdem die Gefahr, dass manche die Verantwortung von sich selbst auf den Staat abwälzen. Wenn ich als Zwölfjähriger GTA 2 gespielt habe, war das nicht die Schuld des Staates, denn selbst damals war es erst ab 16 freigegeben. Meine Eltern haben einfach versäumt ab und an nachzuschauen, was ich da am Rechner anstelle. Computer und Internet sind, genauso wie Handies, gute Beispiele für die Reinigung unseres Gewissens durch den Schuldspruch einer Obrigkeit. Wenn Eltern der technischen Entwicklung weiter hinterher hinken, als ihre Sprößlinge, ist es einfacher die Schuld dafür, dass Kinder Inhalte konsumieren, die offensichtlich weder für sie gedacht, noch für sie geeignet sind, nicht bei der eigenen Unfähigkeit zu suchen, sondern bei einer höheren Instanz, von der sie sich eigentlich Schutz erhoffen. Eigenverantwortung und die Beschäftigung mit dem, was die eigenen Kinder interessiert ist manchmal einfach zu anstrengend.

Davon ausgehend, könnte man sagen, dass wir selbst Schuld sind, wenn uns die Politik Dinge, wie Netzsperren oder ein Killerspielverbot vorsetzt. Sie geben uns, was wir, ihrer Meinung nach, wollen. Sie treiben Wahlkampf und gehen dabei auf die Bedürfnisse derjenigen ein, die es sich leicht machen wollen. Die Frage ist eben, ob wir dies wirklich wollen, oder ob wir nicht doch lieber ohne an die Hand genommen zu werden über die Straße gehen. Dafür dürfen wir dann aber auch entscheiden ob, wo und wann wir dies tun.