Teo-Net Doppelt gestreift hält besser

29Sep/11Off

Serie: Terranova

Geschrieben von Teo

Die Serien-Saison in Obama-Land hat begonnen. Eine der neuen Serien heisst Terranova. Sie basiert auf der Dystopie, dass die Erde im 22. Jahrhundert dermaßen verschmutzt und überbevölkert ist, dass die Gesellschaft haarscharf vor dem Kollaps steht. Die Eingangssequenz zeigt den Felsen gar fast schon als Wüstenplanet aus der Perspektive des Mondes. Im Freien laufen die Leute nur mit Sauerstoffmasken herum und es gibt eine 2-Kind-Politik.

Glücklicherweise hat man mittlerweile das Zeitreisen erfunden und eine Kolonie in der Kreidezeit errichtet. Ja, genau. Fast beiläufig wird erklärt, es handle sich um einen parallelen Zeitstrang, weshalb nichts, was man in 85 Millionen Jahre v. Chr. tut, Auswirkungen auf die Zukunft haben wird. Gleichzeitig gibt es keinen Weg zurück, denn die Zeitmaschine funktioniert nur in eine Richtung. Eine entsprechend durchgeschickte Sonde, die feststellen sollte, in welche Zeit der Weg überhaupt führt, wurde im 22. Jahrhundert also nicht wieder gefunden. Statt die letzte Chance auf Rettung der Menschheit sausen zu lassen, schickte man der Sonde einfach ein paar Typen hinterher. Der erste Mensch in der Prähistorie war Nathanel Taylor, gespielt von Pandoras Narbengesicht Nummer 1: Stephen Lang. Er gründete die Kolonie Terranova im saurierverseuchten Dschungel. Mittlerweile kommt die 10. Welle Siedler durch das Zeitportal. Unter ihnen ist auch die Familie Shannon, bestehend aus Mutter Elisabeth (Shelley Conn), Sohn Josh (Landon Liboiron), den Töchtern Zoe (Alana Mansour) und Maddy (Naomi Scott), sowie Vater Jim (Jason O'Mara). Zwischen denen gibt es ein paar Spannungen, die sich in den ersten Minuten der ersten Episode offenbaren.

Das Gesamtbild erinnert schon etwas an Camerons Avatar. Nicht nur Stephen Lang als Kopf der Operation, sondern auch die exotische Umgebung, die meines Erachtens nach ruhig etwas fremdartiger hätte ausfallen können. Dazu kommt, dass die Siedler darum bemüht sind ein seltenes Metall zu bekommen und wir irgendwo im Wald auf Zeichen stoßen, die vielleicht von einer fremden Kultur stammen. Manche Kamera-Einstellungen, wie z.B. die an einem Wasserfall, wirken wie direkt aus dem Kinofilm zitiert. Diese Ähnlichkeiten müssen kein Manko sein und stehen erstmal neutral im Raum. Die Präsentation des grundlegenden Settings ist relativ gut gelungen. Ab und an wirken Dialoge etwas hölzern, weil sie offenkundig nur dazu dienen den Zuschauer über etwas zu informieren. Dieses Gefühl hatte ich beispielsweise, als Maddy ihrem Bruder nochmal erklärt, dass die Erkundungs-Sonde in der Zukunft nicht zu finden war und demnach auch mit welcher Zeitreise-Logik die Serie operiert. Gerade bei der Klärung von familiären Verhältnissen der Siedler fiel diese Art des Dialogs häufiger auf.

Schade finde ich, dass man beim Dinosaurier-Design nicht am Puls der Zeit ist. Es gibt seit längerem Hinweise darauf, dass einige Saurier mit Federn ausgestattet gewesen sind. In Terranova orientiert man sich allerdings eindeutig noch an den nackeligen Jurassic Park'schen Viechern. Federn hätten auch den Logikfehler vermieden, dass Taylor schon mal nachtaktive Saurier mittels Wärmebild beobachtet. Als wechselwarme Tiere sind sie allerdings wahrscheinlich nicht viel wärmer gewesen als ihre Umwelt und bräuchten für nächtliche Jagdaktivitäten eine besondere Thermoregulation. Eine weitere Frage, die sich mir stellt, ist die nach der Kommunikation mit der Zukunft. Dort wusste man genau in welcher Zeit sich das Camp befindet und schickt ständig neue Ressourcen und Menschen dorthin. Da die Zeitmaschine allerdings nur in eine Richtung funktioniert und verbuddelte Kisten mit Zetteln drin nicht in dieser Zukunft ankommen, bleibt nicht viel übrig. Dass Funksprüche durch das Portal geschickt wurden, war nie zu sehen. Was mir ebenfalls fehlte, war ein bisschen mehr Science in dieser Science Fiction. Wenn ich eine Kolonie in einem ziemlich unerforschten Gebiet errichten würde und davon ausgehen kann, dass meine Nachschublinie irgendwann zusammenbricht, würde ich doch schleunigst Pflanzen und Tiere auf nutzbare Rohstoffe prüfen. Wo bleibt also der Botaniker, der nach medizinisch verwendbaren Pflanzen sucht? Wo bleibt der Archäologe, der unbedingt lebendige Dinosaurier sehen wollte? Es stellen sich bereits in der ersten Folge einige wissenschaftliche Rätsel, aber weit und breit gibt es keine in Szene gesetzten Wissenschaftler.

Nun gut, Terranova lief erst eine Folge und wird sicher noch das ein oder andere für die Zuschauer bereithalten. Insgesamt merkt man schon, dass das Budget für eine so aufregende Umgebung Richtung Avatar dann doch zu knapp war. Im Pilot gibt es bereits eine Menge Information und Potential für Konflikte, die das Ganze ja erst interessant machen. Ich würde also sagen: Mal weitergucken und darauf hoffen, dass das Potential auch genutzt wird.