Teo-Net Doppelt gestreift hält besser

19Mai/12Off

Serie: Once upon a Time

Geschrieben von Teo

Märchen sind bei TV- und Kinoproduktionen derzeit hoch im Kurs. Mit Spieglein Spieglein und Snow White and the Huntsman sind sogar zwei aktuelle Kinofilme unterwegs, die sich dem Thema annehmen. Der Sender ABC hat mit Once upon a Time in den USA eine Fernsehserie im Programm, die in die gleiche Kerbe schlägt, aber dabei seine ganz eigene Interpretation mit neuen Story-Elementen auffährt.

Die Grundannahme der Serie ist die gleiche, wie z.B. bei Shrek, dass ein Großteil der Märchen, wie wir sie kennen, im gleichen Universum spielen. Die Figuren sind untereinander, über die Grenzen ihrer eigenen Geschichten hinaus miteinander verbunden. Nachdem alle, bis auf die böse Königin (Lana Parrilla, 24), ihr Happy End bekommen haben, hat diese endgültig die Nase voll und spricht einen ultimativen Fluch gegen Schneewittchen (Ginnifer Goodwin, Fremd Fischen) und ihren Hofstaat aus. Sie versetzt alle Märchenfiguren in ein Land ohne Magie: Die amerikanische Kleinstadt Storybrook. Den Figuren fehlt jegliche Erinnerung an ihr vormaliges Leben und fristen nun ein mehr oder weniger freudloses Dasein. Doch es gibt Hoffnung, denn als die Kopfgeldjägerin Emma Swan (Jennifer MorrisonDr. House) in Boston Besuch von ihrem Sohn Henry (Jared Gillmore, Mad Men) bekommt, den sie zur Adoption freigegeben hatte, überredet dieser sie dazu, persönlich nach Storybrook zu fahren und ihn dort abzuliefern. Henry ist nämlich nun der Adoptivsohn der dortigen Bürgermeistern, die er für die böse Königin hält. Emma hingegen ist laut Henry die einzige, die den Fluch brechen und allen ihre Happy Ends zurückbringen kann. Natürlich ist Emma weniger dieser Ansicht, aber die Umstände sorgen dafür, dass sie trotz allem in der Stadt bleibt.

Jede Folge von Once upon a Time springt zwischen der Vergangenheit in der Märchenwelt und der Gegenwart in "unserer" Welt hin und her. In der Regel werden Charaktere so in beiden Welten porträtiert. Je weiter die Serie fortschreitet, desto stärker steht die Gesamthandlung im Vordergrund, die ebenfalls mit Zeitsprüngen unterfüttert wird. Dabei werden auch bekannte Geschichten nicht immer so präsentiert, wie man sie kennt und Leerstellen aufgefüllt. So vermissen die sieben Zwerge ihr achtes Mitglied "Stealthy", dessen Tarnung leider versagte, das Biest aus Die Schöne und das Biest ist eigentlich Rumpelstielzchen (Robert Carlyle, Stargate Universe) und wie kam das Gesicht (Giancarlo Esposito, Breaking Bad) in den Spiegel der bösen Königin? Dabei werden vor allem Motive der einzelnen Figuren aufgedeckt, was keine Figur einfach schwarz und weiß erscheinen lässt. Aus platt wird also plastisch und in der Regel passt alles ganz gut zusammen. Ein zweiter sehr interessanter Aspekt ist das Spiel damit, wie Märchenfiguren in unserer Gegenwart wären. Jiminy Cricket (Raphael Sbarge, The Guardian) als Psychiater und Rotkäppchen (Meghan Ory, Vampire High) als sexy Kellnerin sind nur zwei Beispiele hierfür.

Zwar ist Once upon a Time nie wirklich tiefsinnig und hält sich viel mit typischer Märchenmoral auf, schafft es aber dennoch ein ganz anderes Schlaglicht auf die altbekannten Geschichten zu werfen. Dabei spielen vor allem viele starke Frauenfiguren eine Rolle, die in der Regel ihre Drachen schon selbst über den Jordan bringen. Nachdem die erste Staffel nun in den USA gelaufen ist, warte ich gespannt darauf, dass RTL ankündigt, was mit den erworbenen Ausstrahlungsrechten für Deutschland geschehen wird. Die Familienserie dürfte hier eigentlich keine allzu schlechten Karten haben, könnte ich mir denken. Vor allem als lockerer Einstieg ins Quality TV könnte Once upon a Time eine gewisse Bedeutung für den deutschen Fernsehzuschauer bekommen.