Teo-Net Doppelt gestreift hält besser

20Sep/10Off

Film: Adventureland

Geschrieben von Teo

Was kommt dabei raus, wenn man so gut wie keine Werbung für einen Film schaltet, dessen Trailer auf einen American Pie-Nachfolger hindeutet, in Wahrheit aber weitaus sensibler und realistischer ist? Richtig: Nicht viel. Das passierte leider auch der Teenager-Geschichte Adventureland.

James (Jesse Eisenberg) hat gerade seinen College-Abschluss in der Tasche. Im nächsten Semester möchte er zusammen mit seinem besten Freund das Studium an der Columbia University beginnen. Literatur und Philosophie interessieren ihn. Leider hat sich vor Kurzem seine Freundin von ihm getrennt, weil James ihr offenbarte, dass er noch Jungfrau ist. Über dieses deprimierende Ereignis soll ihn eine Europareise hinwegtrösten, die ihm seine Eltern eigentlich zum Schulabschluss schenken wollten. Eigentlich, denn James Vater (Jack Gilpin) musste seinen gut bezahlten Job gegen einen eintauschen, der es der Familie unmöglich macht, ein Studium auf einer Elite-Uni, geschweige denn eine kostspielige Urlaubsreise zu finanzieren. James sucht also einen Job für den Sommer, um sich ein kleines finanzielles Polster anzulegen. Da weder potentielle Arbeitgeber, noch er selbst sich für qualifiziert hält, körperlich anstrengender Arbeit nachzugehen, bewirbt er sich als letzten Ausweg im Adventureland, einem Vergnügungspark. Prompt wird er vom etwas skurrilen Personalchef angeheuert, um die Spiele des Parks zu betreuen. Mithilfe eines kleinen Drogenvorrats findet er Anschluss an die anderen Saisonkräfte, die ihm direkt erklären, dass die meisten Spiele so manipuliert sind, dass niemand großartige Gewinne abstauben kann. Nach einiger Zeit scheinen sich sogar echte Freundschaften zu entwickeln. Besonders zu Emily (Kristen Stewart) fühlt er sich hingezogen. Die hat jedoch ein Geheimnis.

Adventureland spielt im Jahr 1987. Der Freizeitpark hat dadurch ein interessantes Flair, genau wie die Klamotten und Frisuren der Figuren. Auch musikalisch wird sich auf diese Zeit bezogen. Die Kaugummi-Kauende Lisa P. (Margarita Levieva) mit ihren Leggings, dem schief zugeknoteten T-Shirt und dem bunten Haarschmuck scheint geradewegs aus einem damals zeitgenössischen Musikvideo entlaufen. Über diese Zeitreisen-Atmosphäre wird ein Hauch von Melancholie gelegt.

James verknallt sich natürlich in Em und sie scheint ihn auch zu mögen, aber aus irgendeinem Grund will es zwischen den beiden nicht klappen. Aus James Verzweiflung, die sich aus all seinen zerbrochenen Träumen ergibt, geht diese Stimmung hervor, die man eben als Jugendlicher manchmal spürt. Man will alle Probleme abschütteln, aber am liebsten würde man sich in diesem Meer aus Gefühlen einfach ertränken. Damit der Zuschauer nicht gleich Angst vor zu viel Emotionskram bekommt, ist dem Ganzen eine Priese Komik untergemengt. Die geht vor allem von den Nebenfiguren aus. Frigo (Matt Bush), ein alter Freund von James, der auch im Park arbeitet, ist für die niederen Instinkte zuständig. Er haut James ständig auf den Familienschmuck und in die Pfanne. Joel (Martin Starr) ist ein langer, dürrer Kerl. Er fühlt sich als Loser und dieser Eindruck wird ihm nur allzu oft bestätigt. Der Chef des Parks (Bill Hader) und seine Gattin (Kristen Wiig) runden die Kerntruppe mit ein wenig Wahnsinn ab.

Eisenberg fand ich als James wirklich klasse. Man hätte die Intellektuellen-Schiene der Figur noch ausbauen können, um weiter zu verdeutlichen, wie wenig James begriffen hat, was den Zwiespalt zwischen der wirtschaftlichen Lage seiner Familie und seinen Zukunftsvorstellungen angeht. Kristen Stewart scheint ähnlich wie ihr Twilight-Kollege Robert Pattinson leider nicht viele Gesichtsausdrücke auf Lager zu haben. Ständig guckt sie, als hätte sie körperliche Schmerzen. Ich bin sicher eine Rolle als Unfallopfer täte ihr mal gut, aber in einem gefühlvollen Film erwartet man dann eigentlich doch etwas mehr. Die Nebenfiguren sind allesamt überzeichnet, was nicht unbedingt negativ zu verstehen ist. Die Komik, die den Film am laufen hält, profitiert davon, ohne gänzlich billig zu wirken.

Mich hat der Film angesprochen. Adventureland ist kein flacher Klamauk, sondern eine Liebeskomödie mit einer männlichen Hauptrolle. Ich hatte den Eindruck, dass es anderen Kritikern missfiel, dass sie keine passende Schublade für den Film finden konnten und so ging es wohl auch dem Verleih. Leider gibt es offenbar nichtmal einen deutschsprachigen Trailer. Das ist schade, denn ich habe mich wesentlich besser unterhalten gefühlt, als bei ähnlichen Streifen, die groß beworben wurden.

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