Teo-Net Doppelt gestreift hält besser

3Sep/10Off

Film: Die Legende von Aang

Geschrieben von Teo

Die Legende von Aang basiert auf dem Anime Avatar - Der Herr der Elemente. Ich habe die Serie vor einigen Jahren im O-Ton geschaut. Eine Folge nach der anderen. Ich war begeistert. Weniger begeistert bin ich nun leider vom Realfilm, der sich in die mittlerweile lange Reihe der Misserfolge des M. Night Shyamalan einreihen darf.

Der Film spielt in einer Welt mit ehemals 4 Nationen, deren Angehörige teilweise die Fähigkeit besitzen Elemente zu kontrollieren. Nach diesen Elementen sind die Nationen aufgeteilt. Die Feuernation, eigentlich ein eher kleines Inselreich, hat den Luftnomaden, den verbündeten Wasserstämmen und dem Erdkönigreich den Krieg erklärt. Dieser wütet nun schon 100 Jahre. Die beiden Geschwister Katara (Nicola Peltz) und Sokka (Jackson Rathbone) vom südlichen Wasserstamm entdecken auf der Jagd eine Sphäre im Eis. Als sie darauf einschlagen, öffnet sie sich und entlässt einen Lichtstrahl in den Himmel. In der Kugel befinden sich ein Junge mit seltsamen Tätowierungen und ein sechsbeiniges Bison. Wie sich herausstellt, ist der Junge namens Aang (Noah Ringer) ein Luftbändiger. Das ist erstaunlich, weil die Feuernation gleich nach Ausbruch des Krieges alle Luftbändiger hat töten lassen. Aus ihrem Volk sollte der nächste Avatar stammen, ein Bändiger, der alle 4 Elemente beherrscht und für deren Gleichgewicht sorgen sollte. Für die Feuernation und ihre Anstrengungen zur Weltherrschaft, wäre ein starker Avatar also ein großes Problem. Der Lichtstrahl aus Aangs Sphäre wurde unterdessen auch von Zuko (Dev Patel), dem Prinzen der Feuernation gesehen, der im Exil nach dem Avatar sucht, um seine Ehre zurück zu gewinnen. Mit seinem Kriegsschiff taucht er kurz darauf im Dorf des Wasserstammes auf. Aang ergibt sich, um die Dörfler zu schützen. Sokka und Katara folgen dem Schiff daraufhin, um Aang zu retten.

Dem Anime folgend, werden in diesem Film die Ereignisse des ersten Buchs, wie die Staffeln der Serie heissen, erzählt. Insgesamt gibt es 3 Bücher, die nach den Elementen Wasser, Erde und Feuer benannt sind. Ausser der Geschichte ist leider nicht viel vom Anime übrig geblieben. Beginnen wir bei der bereits viel kritisierten Besetzung. Alle Mitglieder der kriegstreibenden Feuernation sind von arabisch-ostasiatischem Aussehen. Davon ist im Anime nichts zu sehen, dort haben alle mehr oder weniger die gleiche Hautfarbe. Ich hatte die Feuernation ausserdem immer wegen ihrer geographischen Lage und Beschaffenheit mit Japan verglichen. Aber OK, das ist noch künstlerische Freiheit. Das Erdkönigreich ist mit chinesisch anmutenden Menschen gut getroffen, da hat er kostüm- und frisurentechnisch genau den richtigen Ton getroffen. Was mich wirklich am Cast stört, ist die Inkonsequenz, mit der die Charaktere besetzt wurden. Sokka und Katara sind eindeutig europäischer Herkunft, ihr gesamter Stamm allerdings, erinnert eher an Inuit. Ich schätze so etwas kommt dabei raus, wenn Hauptfiguren und Statisten getrennt gecastet werden. Ich vermute hier keinen Rassismus, immerhin ist Shayamalan selbst Inder, aber filmisch lässt diese Besetzung auf Unachtsamkeit oder sogar Ignoranz schließen. Dem Vorwurf, der Anime sei asiatisch und die Figuren hätten daher auch asiatisch auszusehen, kann ich allerdings entgegen halten, dass Avatar - Der Herr der Elemente von Amerikanern stammt. Dahingegen darf die deutsche Synchronisation getrost als schlecht bezeichnet werden. Allein schon Zukos Stimme will so gar nicht zur Optik des kindlichen Schauspielers passen.

Optisch fallen auch die immer sauberen Kostüme auf, die immer genau die gleichen Farbtöne haben. Hier zeigt sich wohl ein besonderes Problem, wenn man versucht etwas Gezeichnetes in die reale Welt zu holen. Im Anime funktionieren die gedeckten, planen Farben. Etwas Schmutz wird mit wenigen Strichen angedeutet. In einem Realfilm wirkt das leider künstlich und wenig Glaubhaft. Gebeutelte und Unterdrückte Bewohner des Erdkönigreichs tragen geradezu strahlende Kleidung, Kämpfe mit Feuer und Schwertern können Aangs gelber Kutte nichts anhaben und Feuer schleudernde Soldaten kennen keinen Russ, so wie Wasserbändiger nie auch nur einen Tropfen Wasser abbekommen. Die Effekte beim Bändigen fand ich hingegen gut gelungen. Ich wüsste nicht, wie man das sonst umsetzen sollte. Den 3D-Aufschlag hätte ich mir natürlich sparen können. Man hatte einfach nichts davon und erneut stachen mir die verwaschenen und schwindelerregenden Konsequenzen dieser offenbar unausgereiften Technik ins Auge.

Ein noch schwerwiegenderes Problem findet man, wenn man den Plot von Anime und Film vergleicht. Es wirkt, als habe Shamalayan Versatzstücke der Serie fast wahllos aneinander gefügt ohne aus dem episodischen Schema der Serie auszubrechen. Einige Begebenheiten tauchen nahezu identisch in beiden Umsetzungen auf, andere wurden im Film vermischt oder weggelassen. Man hat z.B. den Besuch auf der Insel Kioshi und die Kriegerinnen von Kioshi weggelassen. Stattdessen wurde Aangs Bekanntschaft mit seiner formaligen Reinkarnation, Avatar Kioshi, mit der Folge zusammengelegt, in der die Internierungslager der Feuernation gezeigt werden. Diese sind in der Serie auf dem Meer und bestehen aus metallenen Plattformen ohne eine Spur von Erde, die von den Gefangenen zum Bändigen eingesetzt werden könnte. Im Film ist so ein Lager nur durch einen dünnen Palisadenzaun vom Rest des Dorfes getrennt, als wären die Feuerbändiger Dummköpfe. Auch die Kriegerinnen von Kioshi werden im weiteren Verlauf der Geschichte noch eine wichtige Rolle spielen. Wie Shamalayan das schlüssig umsetzen will, ist mir vollkommen unklar. Insgesamt wirkt alles sehr komprimiert, was natürlich verständlich ist, wenn man 20x20 Minuten Serienplot in weniger als 100 Filmminuten vorgesetzt bekommt.

Unter dieser Hasst leidet Die Legende von Aang am meisten, glaube ich. Es bleibt kaum Zeit die Figuren ordentlich auszugestalten, weil die äussere Geschichte schon recht komplex ist. Es wird daher auch ständig mit irgendwelchen Etiketten gearbeitet. Statt Aangs unterschwelliger Liebe zu Katara, drückt ein platter, wenige Worte langer Satz die Sehnsucht des kindlichen Avatar nach einer Familie aus. Im Film hat man kaum den Eindruck, dass die 3 Reisenden mehr als Freunde sind und wie eng diese Freundschaft in der Serie ist. Für die negativen Charaktereigenschaften aller 3 bleibt da gar kein Platz mehr. Aang ist in der Serie ein wichtiger Faktor für alberne Komik. Dieses Element wurde im Film komplett gestrichen, genau wie Appa, dem fliegenden Bison, kaum Aufmerksamkeit geschenkt wird. Auch Sokka ist sehr viel komischer in der Serie, wenn auch meist unfreiwillig. Um eine meiner Lieblingsfiguren des Anime tut es mir besonders leid: Onkel Iroh. In der Serie zeigt sich sein Sinn für Strategie und List nicht nur in irgendwelchen Erzählungen vom Schlachtfeld, sondern auch in seinem Verhalten gegenüber Zuko. Diesen hält er für fehlgeleitet und möchte ihn von seinem Pfad der Gewalt abbringen. Iroh weiss aber ganz genau, dass die flachen Sprüche, die er im Film auf Zuko loslässt, überhaupt nichts bringen würden. Dementsprechend subtil geht er in der Serie vor. Ausserdem verlangt er im Film nur ein einziges mal nach Tee.

Nicht gefallen hat mir auch, dass Shamalayan Fakten umstellt. In der Serie sind Feuerbändiger sehr wohl in der Lage selbst Feuer zu entfachen, im Film nicht. Die oberen Stufen des Feuerbändigens umfassen nicht, sich den Finger ohne externe Flamme anzuzünden, sondern Blitze und besonders heisse Flammen zu erzeugen. Weitere Veränderungen fanden am Stellenwert der Geisterwelt und dem Avatar-State statt.

Der Reiz des Anime ist der Spagat zwischen augenscheinlich alberner Kinderserie und der hintergründigen Geschichte, aus der, mithilfe von politischen Wirrungen und Spiritualismus ausgefeilte Charaktere hervorgehen. Beides bietet der Film von Paramount leider nicht. Die Figuren bleiben flach und ihre Beziehungen zueinander unklar. Der alberne Witz ist so gut wie ausgelöscht worden, was in Anbetracht der Zielgruppe durchaus bemerkenswert ist. Übrig bleibt nur die Haut einer guten Geschichte, so oberflächlich und lieblos erzählt, dass sie beim ersten Anstupsen zu Staub zerfällt. Schaut euch lieber die TV-Serie an.

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