Film: 9
Geschrieben von TeoDieser schöne Animationsfilm ist wirklich schwer einzuordnen. Ist er nun für Kinder oder doch für Erwachsene gedacht? Einerseits ist er postapokalyptisch, andererseits sind Stoffpuppen die Hauptfiguren und zeitweise wird es leicht spirituell. Macht euch am besten euer eigenes Bild.
Die Geschichte beginnt in einem total zerstörten Haus. Ein alter Mann in weißem Kittel liegt auf dem Boden. Er ist tot. Der Protagonist des Films erwacht auf einem Tisch. Sein Reißverschluss ist offen und er kann nicht sprechen. In der Nähe findet 9, so lautet die Rückennummer der soeben erwachten Sackpuppe, einen Talisman mit seltsamen Symbolen darauf. Er packt ihn ein und verlässt das Haus. Draußen sieht es nicht besser aus. Die gesamte Umgebung ist verwüstet. Stacheldraht, aufgeplatzter Asphalt und die Hinterlassenschaften der Menschheit prägen das Panorama. Plötzlich trifft 9 auf 2, eine weitere Puppe. Dieser ist völlig ausser sich vor Freude, dass er auf einen weiteren Artgenossen gestoßen ist. 2 schafft es mit ein paar Ersatzteilen 9 die Stimme wiederzugeben. Dann werden sie von dem Biest attackiert, seltsame Maschine mit rot-glühenden Augen und animalischen Bewegungsabläufen. Das Biest schnappt sich 2 und den Talisman. 9 kann sich durch das selbstlose Opfer von 2 gerade noch retten. Kurz darauf trifft 9 auf eine weitere Stoffpuppe, die, genau wie 2 zu einer Gruppe gehört. Sie verstecken sich in einer alten Kirche und werden von 1 angeführt. Als 9 versucht die Gruppe dazu zu überreden auf die Suche nach 2 zu gehen, setzt 1 mithilfe des geistig umnachteten, aber physisch bevorteilten 8 durch, dass 2 als verloren betrachtet wird und alle an Ort und stelle bleiben. 9 will sich damit nicht abfinden und schafft es schließlich doch einige der anderen zu überzeugen. Bei dem Rettungsversuch macht 9 einen folgenschweren Fehler, der das Leben aller gefährdet, ausserdem kommen immer mehr Dinge ans Tageslicht, die sowohl den Untergang der Menschheit, als auch die Herkunft der Puppen erklären.
Regisseur Shane Acker hatte 9 bereits 2005 als Kurzfilm veröffentlicht, für den er einen Oscar erhielt. Daraufhin klinkte sich unter anderem Tim Burton ein, der half aus den 10 Minuten 80 zu machen. Dadurch erklärt sich wohl auch, wieso der Film seine düstere Note noch weitaus intensiver aus der Leinwand heraus bringt, als es bereits der Kurzfilm tat. Im Original sind dann als Sprecher bekannte Stimmen wie Christopher Plummer, John C. Reilly oder Jennifer Connely mit von der Partie. 9 wird gesprochen von Elijah Wood, den Acker bereits von seiner Special-Effects-Arbeit an Der Herr der Ringe gekannt haben dürfte.
Ich muss gestehen, ich bin ein Fan von Postapokalypsen und entwickle automatisch ein Interesse, wenn es um unkonventionelle Darstellungsformen geht. Das Ende der Menschheit aus der Sicht von kleinen Jute-Männchen zu zeigen fällt da auf jeden Fall drunter. 9 ist für einen Animationsfilm ungewöhnlich düster, weshalb ich ihn nicht unbedingt für kleinere Kinder empfehlen würde. Horror ist es zwar noch nicht, aber gegruselt und erschrocken habe ich mich dennoch. Ich schätze hier liegt auch ein Problem, das sich an den Kinokassen bemerkbar gemacht hat: Erwachsene erwarten bei einem Animationsfilm oft eben nur Kinderprogramm. Wenn die Protagonisten Puppen sind, nur umso mehr. Die Zielgruppe schrumpft also auf diejenigen zusammen, die für solche Projekte offen sind und die sich auch Actionhelden in 20cm Größe vorstellen können. Dabei ist die Hintergrundgeschichte vom Untergang der Menschen gar nicht so aussergewöhnlich und sollte bereits aus zahlreichen anderen Streifen bekannt sein. Der Umgang damit ist eben ein gänzlich anderer. Hier gibt es wirklich keinen lebenden Menschen mehr. Das Post-Humane-Zeitalter hat begonnen und die Erde sagt sich "Das Leben geht weiter". Diese Vorstellung finde ich ziemlich interessant, weil es über das hinausgeht, was man normalerweise im Kino geboten bekommt.
Auch wenn 9 gerade gegen Ende etwas theatralisch und spirituell daherkommt, hatte ich sehr große Freude an diesem Film. Er lässt Perpektivwechsel und Zukunftsvisionen zu und offenbart, dass mit dem Ende der Menschheit nicht das Leben auf der Erde enden muss. Wer auf Postapokalypsen steht und die Sockenpuppen nicht stören, sollte sich 9 wirklich ansehen.
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Film: Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen
Geschrieben von TeoDa ich den Titel dieses Streifens so schön schwachsinnig fand, habe ich mir die DVD mal bei meinem Verleiher besorgt. Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen ist mal wieder ein Animationsfilm, der nicht aus dem Hause Pixar stammt, sondern auf dem Mist von Sony gewachsen ist.
In Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen geht es um den Erfinder Flint Lockwood. Er lebt mit seinem grobschlächtigen Vater auf der Affenfels-Insel und erfindet ständig total praktische Sachen. Auf seiner Patentliste stehen unter anderem Schuhe zum Aufsprühen (die er seit seiner Kindheit nicht mehr ausziehen konnte), Rattenvögel (die sich überall breit machen) und ein Gerät, dass die Gedanken seines Hausaffens Steve übersetzt. Seine Mutter, die ihn stets motiviert hat, weitere Erfindungen zu machen, ist bereits gestorben. Flints Vater Tim kann dem Erfinderdasein seines Sohnes nichts abgewinnen und würde ihn lieber in in seinem Angelbedarfs-Laden arbeiten sehen. Dem geht es wirtschaftlich wie dem Rest der Stadt: Mies. Einst war die Insel das Mekka für Sardellen-Fans, aber dann wurde bekannt, dass Sardellen scheiße schmecken. Die Sardellenfabrik ging vor die Hunde und der Tourismus blieb aus. Flint erfindet unermüdlich in seinem hochtechnisierten Baumhaus weiter und hofft eine Entdeckung zu machen, die die ganze Insel vor dem Bankrott rettet. Schließlich bastelt er ein Gerät, dass Wasser in Nahrungsmittel verwandeln kann. Noch schnell Pirelli-Streifen draufgemalt und schon beginnt der erste Test - der fehlschlägt. Weil er eine größere Menge Strom benötigt, als aus seinen Steckdosen kommt, schließt er die Maschine namens FLZDFR (sprich Flitzndeför) direkt an das Elektrizitätswerk an. Die Maschine dreht daraufhin vollkommen durch und schießt sich selbst in den Himmel, wo sie bleibt. Daraufhin kommt eine riesige, orangene Wolke auf die Stadt zu, aus der es Burger regnet. An diesem Tag ist zufällig die Meteorologie-Praktikantin eines Fernsehsenders auf der Insel. Sie heisst Sam und berichtet sofort von dem Burger-Regen. Der Bürgermeister von Affen-Fels ernennt Flint zum Helden. Dieser baut ein Gerät, mit dem er per Funk neue Mahlzeiten in den Wolken bestellen kann. Das macht er auch täglich und die Touristen strömen nur so in die Stadt. Schließlich benennt man die Insel in Schlaraffen-Fels um und legt einen Vergnügungspark aus Essensresten an. Drei Mahlzeiten täglich und immer ausgefallenere Menüwünsche überfordern die Maschine allerdings irgendwann und es kommt zur üblichen Katastrophe.
Optisch wirkt Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen wie viele andere Animationsfilme dieser Tage. Die Geschichte, die auf einem englischen Kinderbuch basiert, finde ich dennoch recht bemerkenswert. Oberflächlich geht es zwar um Flint und seinen Traum vom Erfinderdasein, aber viele andere Aspekte bilden massive Gesellschaftskritik. Nachdem die ganze Stadt regelmäßig mit kostenlosem Essen versorgt wird, werden immer mehr Leute fett - allen voran der Bürgermeister, der sich bald nur noch mit einem elektrischen Wägelchen fortbewegt. Zu dieser angedeuteten Konsumkritik kommt die dekadente Verschwendung des Essens, das auf eine Halde ausserhalb der Stadt verfrachtet wird. Dabei wird satirisch ein schönes "vermutlich" eingestreut, während der Damm, der die Stadt vor einer Essens-Lawine beschützen soll, als "unzerstörbar" bezeichnet wird. Schön sind auch diverse Anspielungen auf Science-Fiction-Filme, die ich aber wegen der Lacher nicht direkt vorweg nehmen möchte. Schließlich kommen noch die Beziehungsprobleme von Flint und seinem Vater , sowie eine kleine, nette Liebes- und Lebensgeschichte um Sam Sparks, die rasende Reporterin hinzu. Bei all den Ebenen steht aber immer die Fantasie und Komik im Vordergrund, weshalb kein mahnender Zeigefinger oder andere verschreckende Dinge entstehen. Vermisst habe ich allerdings einen Hinweis auf den Welthunger. Schließlich böte sich das bei einer Maschine, die quasi unendlich viel Essen produzieren kann, stark an. In den Konzept-Szenen der DVD-Extras gibt es sogar einige Passagen, die sich damit beschäftigen, im fertigen Film ist davon leider nichts mehr zu sehen. Einige Gags sind insgesamt etwas albern, was ich als Flachlandkomödiant aber nicht weiter schlimm finde.
Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen schafft es, Konsumkritik kindgerecht zu verpacken. Der Spaß steht dabei aber immer im Vordergrund. Die meisten Gags kennt man so noch nicht und gerade Erwachsene können an den Anspielungen auf andere Filme vermutlich noch mehr lachen, als Kinder. Ich war positiv überrascht von dem Film und kann ihn allen Leuten weiterempfehlen, die sich gern mal einen Animationsfilm anschauen. Kinder werden ohnehin ihre Freude haben.
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Film: Tortuga
Geschrieben von TeoHeute mal ein Film für die Naturfreunde unter uns. Im Angesicht des BP-Desasters habe ich mich dazu entschlossen dieses Review doch noch zu schreiben, auch wenn die DVD zu diesem Schildkröten-Film schon einige Wochen in den Regalen steht. Hier geht es nicht um die geplante Neuverfilmung der Teenage Mutant Ninja Turtles, sondern um eine Dokumentation, die den Lebensweg einer Meeresschildkröte beschreibt.
Die Geschichte von Tortuga beginnt dort, wo die Geschichten alter Klischee-Amerikaner enden: In Florida. Dort werden tausende Schildkröten geboren und müssen sich ihren gefährlichen Weg vom Strand ins Meer bahnen. Nur wenige überleben die ersten Stunden ihres Lebens. Die Glücklichen retten sich schließlich in den Golfstrom und wandern mit ihm bis in die Arktis. Nach ihrer Reise einmal um den gesamten Nordatlantik, treffen die wenigen Überlebenden wieder am Heimatstrand ein und legen erneut ihre Eier ab. Ihre Reise dauert 25 Jahre, in denen die geschützten Tiere etwa 10.000 Kilometer zurücklegen. Die Dokumentation begleitet eine dieser Schildkröten auf ihrem Weg und fasst ihre Geschichte in etwa 80 Minuten zusammen.
Tatsächlich handelt es sich wohl um verschiedene Exemplare, da die Dreharbeiten zum Film wesentlich kürzer waren als ein Viertel Jahrhundert, dennoch freundet sich der Zuschauer mit dem gezeigten Tier gewissermaßen an. Als Erzählerin fungiert in der deutschen Version Hannelore Elsner, deren Stimme die Geschichte der Schildkröte butterweich in die Gehörgänge tröpfelt. Dabei bleibt Tortuga die ganze Zeit über ziemlich entspannt und hält sich nicht mit Details auf. Umweltverschmutzung ist natürlich auch ein Thema, aber eben nur eines von vielen, was ich persönlich gut finde. So erspart uns die Doku den sonst üblichen mahnenden Zeigefinger, der häufig vor allem bei Kindern nicht besonders gut ankommt. Gerade für diese ist der Film meines Erachtens besonders gut geeignet (getestet mit einem 11 Jährigen). Die gezeigten unechten Karettschildkröten werden zur Hauptfigur einer richtigen Geschichte gemacht. Dadurch können Kinder den wirklich schönen Bildern besser folgen und sich emotional auf den Film einlassen. Die Erzählstimme aus dem Off trägt ebenfalls dazu bei.
Optisch gibt die Produktion aus Österreich, Großbritannien und Deutschland eine Menge her. Die Österreicher haben sich Regisseur, Produzenten und den Kameramann bei BBC ausgeliehen. Das sieht man auch. Die Aufnahmen sind äußerst beeindruckend und blieben mir im Gedächtnis. Zahlreiche Tierschutz-Organisationen, wie der WWF oder Save our Seas beteiligten sich ebenso an dem Film.
Tortuga ist ein Dokumentarfilm, der eigentlich doch keiner ist. Vielmehr vereint der Film eine Art Real-Märchenerzählung mit beeindruckenden Naturaufnahmen. Der Film ist sehr gut für Kinder geeignet, schafft es aber auch Erwachsene vor die Glotze zu locken. An manchen Stellen ist er etwas langatmig und theatralisch, aber dafür entschädigen die großartigen Bilder.
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Film: Cargo
Geschrieben von TeoEin großer Papp-Aufsteller und einige Plakate in unserer Videothek machten mich auf Cargo (APL) aufmerksam. Dieser Film war mir bisher unbekannt. Ein Blick auf den "Klappentext" der DVD verriet, dass es sich um einen Science-Fiction-Film handeln musste. Da es einen Rabatt gibt, wenn man 4 Filme übers Wochenende nimmt und wir erst 3 ausgewählt hatten, entschieden meine Freundin und ich, diesem Streifen eine Chance zu geben.
Im Jahre 2267 ist die Erde unbewohnbar. Die Menschheit richtet sich auf Raumstationen häuslich ein. Osram gibt es immer noch, zumindest lassen dies die Leuchtreklame-Tafeln auf einer der Stationen vermuten. Die Lebensbedingungen sind mehr als miserabel auf den Stationen. Es wird immer voller, da die letzten Bewohner der Erde ihre Heimat nun auch verlassen wollen. Andere bewohnbare Planeten sind rar, die Reisen dorthin zu kostspielig für die meisten. Genau genommen gibt es nur einen Planeten, der für Menschen geeignete Bedingungen bietet: Rhea. Eine Art Luxusresort für Reiche. Einige wenige Tickets dorthin wurden allerdings auch verlost. Unter den Gewinnern eines solchen Los befand sich auch Arianne Portmann (Maria Boettner). Deren Schwester Laura (Anna-Katharina Schwabroh) sitzt immer noch auf eine Station im Orbit um die Erde fest. Aufgrund der Entfernung von der Erde, brauchen Nachrichten aus Rhea mehrere Jahre, bis sie eintreffen. Laura verdingt sich als Ärztin und will sich jetzt das nötige Kleingeld für die Reise nach Rhea verdienen, indem sie als Schiffsärztin auf einen über 3 Jahre dauernden Transportflug geht. Es soll Baumaterial für eine Station geliefert werden, die zum "Netzwerkknotenpunkt" (was auch immer das sein soll) ausgebaut werden soll. Aufgrund jüngster Terroranschläge durch eine Organisation namens "Maschinenstürmer" wird neben der 5 köpfigen Crew auch ein Skymarshal an Board sein. Die meiste Zeit liegen die Crewmen dabei im Kälteschlaf. Abwechselnd ist jeweils einer von ihnen für 8 Monate wach um die Schiffsfunktionen zu überprüfen. Die letzte Schicht soll Laura übernehmen. Kurz vor dem Ende der Reise bemerkt sie jedoch, dass sich irgendjemand ausser der Mannschaft auf dem Schiff befinden muss und weckt den Captain Lacroix (Pierre Semmler). Der Skymarshal Samuel Decker (Martin Rapold) wird ebenfalls automatisch vom Schiffscomputer aus dem Kälteschlaf geholt. Auf der Suche nach etwas Ungewöhnlichem im Frachtbereich des Schiffes, wird Lacroix getötet. Schließlich wecken die Verbliebenen den Rest der Besatzung und untersuchen den Todesfall. Dabei stoßen sie auf seltsame Tanks in den Containern. In diesen befinden sich weder Baumaterial noch Nahrung, sondern lebendige, aber komatöse Menschen.
Da haben die Schweizer sich aber ins Zeug gelegt. Optisch wirkt der Sci-Fi-Thriller durchaus glaubhaft. Die Raumschiffe sind schön dreckig und abgenutzt. Spezialeffekte werden sparsam und ordentlich umgesetzt. Die Story wirkt auf den ersten Blick auch ziemlich durchdacht und hat Potential. Man klaut ziemlich schamlos bei Genre-Größen wie Matrix, Alien oder Event Horizon, was an sich nicht weiter schlimm wäre. Die Zusammenstellung der Crew der Kassandra, dem Frachtraumschiff, entspricht z.B ziemlich genau der aus dem ersten Alien-Teil. Wie schlecht dann aber tatsächlich kopiert wird, kann man an diesem hier sehr schön sehen. Die beiden Mechaniker (gespielt von Michael Finger und Claude-Oliver Rudolph) sind zwar ähnlich wortkarg wie Parker und Brett, grenzen sich aber nicht so deutlich von der übrigen Mannschaft ab und werden nur ziemlich lasch charakterisiert. Auch die Anleihen bei Matrix sind unausgegoren.
Obwohl man über die halbgare Story und die Lieblosigkeit in Detailfragen hinwegsehen könnte, ist Cargo bei mir überhaupt nicht angekommen. Zumindest optisch wirkt der Streifen ansprechend, kann aber die wichtigsten Emotionen nicht vermitteln. Wenn Laura und ihre Crewkollegen mit der Taschenlampe durch die dunklen Gänge der Kassandra streifen, sollte es eigentlich gruslig sein. Ist es aber leider nicht. Man rätselt zwar im Kopf, aber ein Bauchgefühl bleibt aus. Das ging auch meiner Freundin so, mit der ich den Film sah, weshalb ich das Problem mal nicht bei mir verorte. Ein Thriller ohne Thrill. Es bleibt ein netter Science-Fiction-Film. Eigentlich schade um den Stoff, der mit seinem aktuellen Bezug durchaus Interesse weckt.
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Review: Wasting Away
Geschrieben von TeoWelche Zutaten braucht man für einen guten Zombiefilm? Eine pseudowissenschaftliche Ursache, mit der man die Toten wieder auferstehen lassen kann. Natürlich Untote. Leute die auf Untote schießen sind heuer auch recht beliebt und äh...ausser ein paar unfreiwilligen Hirnspendern fürs Catering, glaube ich nichts weiter (wobei sich die letzten beiden Punkte überschneiden können). All das bietet auch Wasting Away, allerdings inklusive Sonderausstattung in Form eines Perspektivwechsels. Als ich den Trailer zum ersten mal bei Millus gesehen habe, wusste ich, dass ich mir diesen Zombie-Streifen als geouteter Nicht-Fan der meisten Zombie-Streifen, geben muss.
Des Nachts finden in 50er Jahre-Schwarz-weiss gehüllte Experimente in einer Militärbasis statt. Man versucht einen Supersoldaten mithilfe einer grünen Substanz zu erschaffen, die man den Probanden injiziert. Die Versuche misslingen. Die Versuchsobjekte sterben und erwachen kurze Zeit später erneut um sich an den Lebenden zu rächen. Das Projekt wird eingestellt, die Fässer mit der zombifizierenden Substanz werden als Babynahrung deklariert und sollen in einem See verklappt werden. Um zu verhindern, dass der mächtige Hulk-Schleim in falsche Hände gerät, schicken die Kommandeure den Transport über eine komplizierte Route. Leider kommt es zu einem Kartenlese-Zwischenfall bei dem der Truck einen Unfall hat. Eines der Fässer fällt vom Laster und rollt durch halb Los Angeles. Währenddessen versucht Mike (Matthew Davis) in der örtlichen Bowlingbahn, wo sein Freund Tim (Michael Terry) arbeitet, eine neue Art von Fast-Food, bestehend aus einem Hot-Dog-Brötchen, Nacho-Käse-Dipp und Smarties zu kreieren. Die beiden Mädels Cindy (Betsy Beutler) und Vanessa (Julianna Robinson), die ebenfalls zur Clique gehören, finden das genauso eklig, wie es sich anhört. Durch puren Zufall kommt das rollende Fass voller Unheil genau neben der Soft-Eis-Lieferung der Bowling-Bahn zum stehen und läuft aus. Als Tim und Mike die Maschine mit der kontaminierten Rohmasse auffüllen um ein Bier-Soft-Eis herzustellen, bemerken sie zwar einen grünen Schimmer in der Farbe der cremigen Leckerei, schieben das aber auf das Licht. Alle vier kosten von der kalten Versuchung und glauben zunächst lediglich den obligatorischen Gehirn-Frost zu haben. Dann sterben sie. Als die vier wieder zu sich kommen scheinen sie ziemlich große Kräfte zu besitzen und aus irgendeinem Grund sprechen alle um sie herum viel zu schnell und laufen weg, sobald sie in Sichtweite sind. Dann treffen sie auf Soldat Nick Steele (Colby French), der für all das eine plausible Erklärung parat hat: Sie sind alle zu Supersoldaten geworden.
Wie die Story unschwer erkennen lässt, handelt es sich um Trash in Reinform. So ziemlich alle Zombiefilme werden irgendwie durch den Kakao gezogen und einige sogar namentlich erwähnt. Dabei ist die Anlage durchaus interessant. Bei dem ganzen Zombiegemetzel von Night of the Living Dead bis Zombieland fragt man sich doch irgendwann, was die wandelnden Leichen dazu treibt die Lebenden heimzusuchen. Natürlich gibt es Erklärungsversuche wie in Resident Evil, wo behauptet wird, dass im Gehirn nur noch Instinkte aktiviert werden, aber zu diesen gehört in der Regel auch ein Überlebenstrieb, der bei nicht mehr Lebenden irgendwie fehl am Platz scheint. In den Anfängen des Zombiefilms war das übrigens noch etwas anders: Der Begriff "Zombie" stammt aus der Voodoo-Ecke der Haitianer. Dort wurden die Toten von mächtigen Zauberern ferngesteuert. Manchmal wurden die Zauberer in Filmen auch durch Wissenschaftler ersetzt, aber immer stand eine andere Macht hinter den Untoten. In unserer aufgeklärten Gesellschaft haben sich die totenbeschwörenden Gelehrten eher zu fehlschlagenden Experimentatoren gewandelt. Dadurch steht die Frage im Raum, die Wasting Away versucht zu beantworten: Was denken Zombies?
Die Beantwortung gelingt leider nur teilweise. Zunächst bemerken die Opfer militärischer Präzision gar nicht, was ihnen widerfahren ist. Klar: Die anderen Menschen bewegen sich schneller, nehmen Reissaus, wenn sie die Teenager sehen und das ein oder andere Körperteil lässt sich entbehren, aber sie fühlen sich immer noch als Menschen. Interessant wird es dann, wenn die Gruppe bemerkt, dass sie das Problem ist, dass sie als "Supersoldaten" versucht haben zu bekämpfen. Was tut man, wenn man nicht den Löffel abgeben möchte, nur mit Betrunkenen kommunizieren kann und weiss, dass man die Geißel der (lebenden) Menschheit ist? Soll man versuchen sich zu integrieren? Eine Parallelgesellschaft aufbauen? Wie tolerant sind die Menschen wirklich? So abgedreht dieses Setting klingt, wenn man sich auf Wasting Away einlässt, werden sie handfest und interessant. Ein Zitat aus dem Film überträgt das Bild auch gleich auf unsere Gesellschaft: "Idioten sind auch dumm, wissen es aber nicht." Was würde ein Idiot tun, wenn er wüsste, dass er einer ist und seiner eigenen Gesellschaft zur Last fällt?
Leider hat der Film auch seine Längen. Gerade zur Mitte hin scheint es, als würden Handlungsabschnitte recht wahllos aneinandergereiht, um auf Minuten zu kommen. Dann wird die Zombiekomödie ziemlich unlustig. Die Dialoge sind oft flach, haben aber durch ihren stereotypischen Charakter, den man aus zig Hollywood-Filmen und Hochglanz-Produktionen kennt, einen humoristischen Effekt. Da es sich offenbar um ein Low-Budget-Projekt handeln muss, ist auch die technische Umsetzung nicht immer perfekt. Abgetrennten Körperteilen sieht man nicht selten deutlich an, dass sie aus Pappe oder mithilfe eines billigen Bluescreens erzeugt worden sind. Möglicherweise gehört das aber auch ganz bewusst zum Konzept. Die deutsche Synchronisation ist allerdings ein echtes Manko. Diese befindet sich auf dem Niveau eines 80er-Jahre Pornofilms und wurde von mir schon kurz nach Beginn des Film in die Wüste geschickt. Im O-Ton klingt der Streifen deutlich besser. Sehr schön finde ich hingegen die klare Trennung zwischen Außen- und Innensicht der Zombifizierten. Alles, was Unbeteiligte sehen, ist in schwarz-weiss gehalten und sobald etwas aus dem Zombieuniversum gezeigt wird, springt der Film auf Farbe.
Ehrlich gesagt weiss ich noch nicht, was ich abschließend von Wasting Away halten soll. Die Ausgangskonzeption, die auf die Zombieperspektive setzt, finde ich hochinteressant, weil das von anderen Filmen komplett ignoriert wird. Die Umsetzung ist dem leider etwas unwürdig. Dem Film fehlen auch ein paar echte Charakteristika. Man hätte ihn z.B. in die 50er oder 60er Jahre versetzen können, um noch wahnsinnigere Dialoge und hysterischere Teenager glaubhaft werden zu lassen. Ich habe mich nicht unbedingt gelangweilt, aber man sollte den Film nur schauen, wenn man sich vom Trash nicht abschrecken lässt und auf ziemlich flachen Humor steht.
Links zum Film
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