Sitzplatz im Zug für Fortgeschrittene: Kid Wall
Geschrieben von TeoVor Kurzem habe ich eine neue Möglichkeit gefunden, sich einen Vorteil bei der Chance auf einen Sitzplatzes im Zug zu verschaffen. Bei dieser Methode nutzt man andere Reisegruppen.
In der Regel sind die meisten Bahnfahrer genervt von größeren Schülergruppen. Meist ist es in ihrem Abteil etwas lauter und sie belegen viele Sitzplätze. Wenn man aber mit einer solchen Gruppe am selben Bahnsteig in den Zug einsteigen möchte, können sie für die eigenen Chancen auf einen Platz Gold wert sein.
Eine Schülergruppe, die direkt vom Treppenaufgang des Bahnsteigs sichtbar ist, wirkt auf viele Fahrgäste äusserst abschreckend. Sie kommen die Treppe hinauf, sehen die Klasse und bewegen sich oft in die entgegengesetzte Richtung. Diese Wand aus Schülern schreckt die Fahrgäste also ab. Ausserdem sieht der Bahnsteig mit einer dicht gedrängten Gruppe wesentlich voller aus, als mit lose nebeneinander stehenden Unbekannten. Diesen Umstand kann man leicht ausnutzen, indem man durch die Schülergruppe hindurchgeht. Dadurch, dass die meisten Fahrgäste Reißaus nehmen, ist der Bahnsteig auf der anderen Seite der Wand nämlich oft gähnend leer.
Nun sollte man idealer Weise noch in etwa wissen, in welchen Abschnitten des Bahnsteigs der Zug hält. Steht die Schülergruppe zu nah am Ende des Einstiegsbereichs, nützt sie einem natürlich wenig. Dann kann man es aber auch mit der Flucht nach vorn versuchen. Gerade wenn es sich um jüngere Kinder handelt und sie sich schon auf dem Bahnsteig sehr gesprächig zeigen, kann man davon ausgehen, dass viele andere Fahrgäste versuchen werden nicht mit ihnen in ein Abteil zu kommen. Potentiell hat man also gerade in der Nähe einer solchen Gruppe eine höhere Chance auf einen Sitzplatz.
Bei mir hat die Kid Wall bereits etwa 3 mal ganz tadellos funktioniert. Vielleicht könntet ihr das ja mal antesten und mir verraten, ob ihr Erfolg damit hattet. Wenn ihr erstmal die grundlegenden Tipps ausprobieren wollt, bedient euch hier.
Bundesweite Streiks im öffentlichen Dienst
Geschrieben von TeoPünktlich zur Klausurenphase der NRW-Unis kündigt die Ver.di Warnstreiks an. Heute werden bereits Krankenhäuser und Kitas bestreikt. Morgen soll dann vor Allem der öffentliche Personen-Nahverkehr dazu kommen. Das Epizentrum der Streiks in NRW soll Dortmund werden. Dort sollen von 3 Uhr morgens 24 Stunden lang Busse und Bahnen still stehen. Viele Mitarbeiter aus kleineren Kommunen um Dortmund schließen sich offenbar den Streiks an. Damit fällt auch in entlegeneren Gemeinden der Busverkehr flach, wodurch viele Anwohner ohne eigenes Auto nicht zur Schule oder Arbeit kommen werden. Um 11:30 soll morgen in Dortmund eine große Kundgebung stattfinden.
Ich werde unter denjenigen sein, die massive Probleme bekommen werden. Am Donnerstagmorgen schreibe ich eine Klausur, zu der es dieses Semester keine Nachklausur geben wird. Wenn ich nicht erscheine falle ich automatisch durch und muss ein ganzes Semester warten um mir den Schein zu verdienen. Durch die aktuelle Wetterlage wollte ich ohnehin früher zur Uni fahren, aber wenn es zu einem Totalausfall der Bahn kommt, nützt das auch nichts mehr. Gleichzeitig werden die Straßen in NRW morgen absolut überlastet sein. Dabei rechnet man morgens ohnehin mit Staus dort.
Wenn Menschen für ihr gutes Recht eintreten und gegen zu geringe Löhne auf die Straße gehen, ist das für mich in Ordnung. Die Gewerkschaft fordert allerdings satte 5% Lohnerhöhung für 2 Millionen Beschäftigte. Diese Mitarbeiter werden von Kommunen bezahlt, die selbst pleite sind. Wie realistisch ist so eine Forderung vor diesem Hintergrund?
Einige Fakten zum Bahnfahren
Geschrieben von TeoViele meiner treuen Leser werden den kleinen Sitzplatzratgeber kennen, den ich im Juni geschrieben habe. Dort habe ich einige Tipps und Tricks dazu gegeben, wie man auch bei hohem Fahrgastaufkommen noch einen Sitzplatz in Regionalzügen der deutschen Bahn bekommt. Es gibt noch wesentlich mehr Mysterien und Geheimnisse um das Bahnfahren, einige davon möchte ich euch hier näherbringen.
Ein sehr offensichtlicher Sachverhalt, dessen Missachtung ich aber in den letzten Tagen zu meinem Unmut immer wieder beobachten musste, ist der, dass es nur freie Plätze geben kann, wenn aus einem vollen Zug auch Fahrgäste aussteigen. Hierzu eine kleine Rechnung: Anzahl Sitzplätze - X (= Anzahl Sitzplätze) Fahrgäste = 0 freie Sitzplätze
Möglicherweise habe ich mit dieser kleinen Kalkulation dazu beigetragen, dass einsteigende Fahrgäste die aussteigenden auch aussteigen lassen und nicht bereits in den Zug strömen, obwohl noch eine Schlange von Aussteigern im Abteil steht.
Jeder Bahnfahrer kennt die Situation: Der Zug ist mal wieder absolut überfüllt, man steht sich die Beine in den Bauch, kann aber nicht umkippen, weil man zwischen einem stinkenden Fettsack und einer schielenden Brünetten eingekeilt ist, die ihrerseits durch andere Fahrgäste zusammengepresst werden. Da fällt der Blick auf den Bereich der ersten Klasse. Hier sitzen nur wenige Fahrgäste und die Flure sind leer. Die Verlockung ist groß, sich einfach dort hinzustellen oder hinzusetzen, doch Achtung: Auch in überfüllten Zügen und sogar, wenn es absolut keinen freien Sitzplatz mehr gibt, gilt das Sitzen in der ersten Klasse, obwohl man nur ein Ticket zweiter Klasse besitzt, als Schwarzfahren und kostet 40€. Wie mir neulich ein Schaffner bestätigte, wird selbst das Stehen in der ersten Klasse offiziell als Schwarzfahren deklariert.
Vor kurzem erst war es wieder in den Medien: Zur Fahrplanänderung am 13. Dezember kommt mal wieder eine Preiserhöhung hinzu. Satte 1,8 Prozent schlägt die Bahn auf die Fahrtpreise und die Bahncards. Die Bahncard 50 kostet demnach etwa 5€ mehr, als im letzten Jahr, Reservierungen werden 50 ¢ teurer und auch Regionalfahrten werden je nach Strecke um einige Euro teurer. Erstmal klingen ein paar Cent Mehrkosten nach nicht viel. Die Preiserhöhungen der letzten Jahre läppern sich aber gemeinsam auf einen Preisanstieg im Nahverkehr um über 70% seit dem Jahr 2001 (siehe Tabelle des Fahrgastverbands PRO BAHN).
Der Herbst ist für die Bahn nicht die bunte, sondern die lahme Jahreszeit. Fällt Laub auf die Schienen bildet sich ein Schmierfilm auf dem die Züge nicht mehr ordentlich bremsen können. Weil die Bahn versäumt hat ihre Züge mit modernen Bremsanlagen auszustatten, dürfen die Züge im Herbst statt 140 nur noch 100-120 Km/h schnell fahren.
Wie man einen Sitzplatz in vollen Zügen bekommt
Geschrieben von TeoGegen das Micro-Sommerloch, welches sich hier derzeit auftut, hilft nur eins: Lebensratschläge. Nachdem ich schon erklärt habe, wie man Rechtschreibfehler vermeidet, gibt es nun auch noch Tipps, wie man im Berufsverkehr auf der Schiene zu einem Sitzplatz kommt. Mittlerweile schöpfe ich aus 9 Monaten Fahrgasterfahrung bei der Deutschen Bahn und habe mir bereits zu Anfang einige Gedanken zu taktisch klugem Einsteigen gemacht.
Grundsätzlich gilt: Je schneller man im Zug ist, desto größer ist die Chance auf einen Sitzplatz. Die Anstandsregeln dürfen deshalb aber nicht vergessen werden und sollten wichtiger sein, als der eigene vermeidliche Vorteil. Wer schlau ist, braucht nicht drängeln und schubsen und seine Mitmenschen mit seinen Ellenbogen zu traktieren. Drängler nerven und können einem den Feierabend vermiesen. Ob sie sich mit ihrem Geschubse helfen, ist ebenfalls fraglich. Häufig ist ein aufmerksames Verhalten und Hilfe für Mitfahrende sogar besser für die Entlastung der eigenen Füße. Alte Leute mit schweren Koffern sind langsam beim Aus- und Einsteigen, genau wie Rollstuhlfahrer. Steht man gerade an einer Tür, aus der beispielsweise eine ältere Dame mit mehreren Koffern aussteigen möchte, kann man den Ausstieg beschleunigen, in dem man seine Hilfe anbietet. Dadurch wird die Tür schneller frei, das Ömchen hat weniger zu schleppen und man selbst kann schneller einsteigen. Die Verbesserung der Chancen auf einen Sitzplatz beginnen jedoch schon viel früher: Noch vor der Einfahrt des Zuges.
Bahnsteigmathematik
Wie beim Autofahren ist auch auf dem Bahnsteig ein vorausschauendes Verhalten angebracht. Je nach Anordnung der Treppenaufgänge und Zugtyp variiert die Taktik bei der eigenen Positionierung am Bahnsteig, weshalb ich mich an Einzelfällen orientiere um die Prinzipien zu verdeutlichen. Zunächst sollte man mögliche Anzeigetafeln beachten. Diese zeigen an, wo sich die Wagen der ersten Klasse befinden und in welchen Abschnitten man auch mit einem Ticket zweiter Klasse einsteigen kann. Sind keine Anzeigen vorhanden, befindet sich die erste Klasse meistens am Ende oder am Anfang des Zuges. Wer auf Nummer sicher gehen will, orientiert sich also zur Mitte des Zuges hin. Risikobereite können auch versuchen vorn oder hinten in den Zug einzusteigen, wo meist weniger Fahrgäste pro Zugtür warten. Wer dann aber einen Wagon der ersten Klasse erwischt, hat das Nachsehen (Jemand mit Ticket erster Klasse wird selten Probleme bei der Platzsuche haben). Prinzipiell ist es also besser sich da aufzustellen, wo nicht schon zig andere stehen. Manchmal sind einige Türen absolut verstopft, wohingegen andere vor Leere gähnen. Wenn sich alle gleichmäßig verteilen hat jeder auch die gleichen Chancen schnell in den Zug und zum Sitzplatz zu kommen.
Wie beim Adventskalender
Nun muss man noch eine Tür erwischen. Idealerweise steht man so, dass sich eine Tür, nachdem der Zug gehalten hat, genau vor einem befindet. Das ist schon eine Disziplin für Fortgeschrittene. Ich habe festgestellt, dass es einfacher ist die Tür zu treffen, wenn man sich während des Bremsvorgangs des Zugs parallel zu ihm mitbewegt. Hier sind Fingerspitzengefühl und Übung gefragt. Neben der Position längs des Bahnsteigs, spielt auch der Abstand zum Gleis eine entscheidende Rolle: Je näher man an der Bahn steht, desto näher ist man auch an der Tür und desto weniger andere Fahrgäste stehen zwischen dem Sitzplatz und einem selbst. Die Abstands-Empfehlung, so nenne ich mal die meist weisse Linie, die Wartende bei der Einfahrt des Zuges, laut Bahn, nicht überschreiten sollten, wird von so gut wie niemandem ernst genommen. Sobald man sich in den Wettbewerb um einen Sitzplatz begibt, ist man also darauf angewiesen diese Linie zu überschreiten - auf eigene Gefahr! Bei aller Liebe zur Schuhsohle: Bitte achtet auf einen vernünftigen Abstand zum einfahrenden Zug und fallt nicht vom Bahnsteig, das könnte sonst böse enden.
Sesam öffne dich
Wenn man nun in der Nähe einer Tür ist und sich dort sogar Chancen auf einen Sitzplatz im Zug ausrechnet, gibt es noch einige Dinge beim Einstieg zu beachten. Handelt es sich um einen zweistöckigen Zug, wie einen Regional-Express, dann ist es immer besser an der Seite der Tür zu stehen, die dem Treppenaufgang zur zweiten Ebene des Zuges, entgegengesetzt ist. Auf dieser Seite reißt der Strom der Aussteigenden schneller ab, also kann man schneller selbst einsteigen. Vermutlich liegt dies daran, dass diejenigen, die von der unteren Ebene kommen, weniger Überblick haben und daher direkt aus der Türhälfte aussteigen, die ihnen am nächsten liegt. Die andere Seite ist somit für einige Fahrgäste sogar abgeschnitten und nicht erreichbar. Während des Einsteigens sollte man dann Ruhe bewahren. Gerade wenn man ohnehin in der ersten Reihe beim Einsteigen steht, muss man niemanden anrempeln. Hier ist dann eigentlich nur noch zu beachten, dass man sich einen schnellen Überblick verschaffen sollte und dann nicht mit dem Strom schwimmt. Hat man die Wahl zwischen oberer und unterer Etage, sollte man die aussuchen, in die weniger Bahnfahrer hineinströmen. Auch hier gilt das Prinzip der gleichmäßigen Verteilung.
Sonderfälle
Auch beim Bahnfahren gibt es natürlich Sonderfälle und Ausnahmen. Mir ist beispielsweise aufgefallen, dass sich kaputte Türen wunderbar nutzen lassen, um leichter an freie Plätze zu kommen. Dazu steigt man einfach an der nächstgelegenen Tür des angrenzenden Wagons ein und geht dann in das Abteil mit der kaputten Tür. Manchmal funktioniert das gleiche Prinzip auch mit Wagons, die sowohl die erste, als auch die zweite Klasse beherbergen. Etwas komplizierter wird die Sitzplatzsuche bei einigen Zügen privater Anbieter. Hier gibt es oft weniger Türen, was den Konkurrenzkampf unter den Fahrgästen etwas verstärkt. Im Prinzip gelten hier die gleichen Richtlinien, wie bei anderen Zügen auch, allerdings ist die Chance bei vielen Pendlern größer, dass man sich mit einem Stehplatz begnügen muss.
Abschließend möchte ich meine Aufforderung vom Anfang wiederholen: Bitte das Ganze nicht zu verbissen sehen. Ob man einen Sitzplatz oder einen Stehplatz bekommt, hängt sowohl vom Wochentag, als auch von der Uhrzeit ab, zu der man unterwegs ist. Auch die Stationen in der Nähe tragen ihren Teil bei. Wenn man kurz vor einem beliebten Fahrtziel einsteigt, wird der Zug recht voll sein, was nach diesem Fahrtziel schon wieder ganz anders sein kann. Wenn sich der Zug dann leert, hat man immer noch die Chance auf einen Sitzplatz.
Bahnstreik? Nicht schon wieder…
Geschrieben von TeoWie ich gerade bei tagesschau.de lesen musste, riefen die Transnet und die GDBA erneut zum Streik auf. Bereits im letzten Jahr gab es massive Ausfälle bei der Bahn aufgrund von gescheiterten Tarifverhandlungen. Jetzt wollen die Gewerkschaften erneut zehn Prozent mehr Geld für die Mitarbeiter der deutschen Bahn. Die Bahn bot ein Prozent an. Obwohl für Mittwoch und Donnerstag noch Verhandlungen angesetzt sind, kündigten Transnet und GDBA bereits heute Warnstreiks für diesen Donnerstag an. Die separat verhandelnde Lokführergewerkschaft GDL verlangt sechseinhalb Prozent mehr Geld, plant derzeit aber keine Streiks.
Beim letzten Mal war ich selbst noch nicht betroffen, aber jetzt pendle ich jeden Tag mit der Bahn. Da ich gerade mitten in einer Klausurenphase stecke, habe ich natürlich noch weniger "Freude" an dieser Ankündigung. Mittlerweile habe ich aber auch kein Verständnis mehr für die Mitarbeiter der deutschen Bahn, denn man hat leicht das Gefühl, dass diese Ankündigung nur daraus resultiert, dass der letzte Streik halbwegs erfolgreich war. Dass die Gans nun noch weiter geschröpft werden soll, zeugt meiner Meinung nach nur noch von Habgier und weniger von einer Notwendigkeit, wie sie eventuell beim ersten Streik noch gegeben war.

