Teo-Net Doppelt gestreift hält besser

6Mrz/10Off

Review: Alice im Wunderland

Geschrieben von Teo

Von Anime-Serie über Pornomusical bis hin zu Kinofilmen, wurde mit dem Kinderbuch Alice im Wunderland von Lewis Carroll schon so ziemlich alles angestellt. Von 1903 bis heute gab es im Schnitt etwa alle 4 Jahre eine audiovisuelle Neuauflage der Geschichte. Ganze 28 Verfilmungen für Kino und Fernsehen in 107 Jahren also. Der vorläufige Höhepunkt ist das 3D-Spektakel von Tim Burton, das vorigen Donnerstag in die Kinos kam. Dabei handelt es sich allerdings um eine Neuinterpretation des Stoffs.

Alice Kingsley (Mia Wasikowska) ist die Tochter eines britischen Industriellen. Als Sie 19 Jahre alt ist, hat ihr Vater leider bereits das Zeitliche gesegnet. Aufgrund finanzieller Engpässe, möchte ihre Mutter nun, dass Alice den Sohn des ehemaligen Geschäftspartners ihre Vaters heiratet. Der Rotschopf Hamish ist allerdings äusserst affektiert und teils recht weibisch, was ihn für Alice wenig attraktiv macht, als sie ihn zum ersten mal auf einem Fest trifft. Wie sie von ihrer Schwester erfährt, will Hamish dort auch um ihre Hand anhalten. Als es zu dem Antrag vor versammelter Mannschaft kommt, lässt Alice die Frage unbeantwortet und läuft einem weißen Kaninchen mit Stoppuhr und Weste hinterher, das sie zuvor schon im Garten gesehen hatte. Als sie zum Kaninchenbau kommt, fällt sie hinein und landet in einem runden Raum mit einer winzigen Tür. Mithilfe eines Schrumpftranks und eines Wachtsumskuchens gelingt es ihr schließlich den Raum zu verlassen. Während sie aber so ihre Problemchen mit den Zauberlebensmitteln hat, wird der Kinobesucher Zeuge eines Gesprächs zwischen dem Dodo, Haselmaus, weissem Kaninchen und den Zwillingen Diedeldum und Diedeldei. Darin bezweifeln die 5, dass Alice die richtige Alice sei. Als Alice die illustre Truppe zum ersten mal sieht, glaubt sie sich in ihrem immer wiederkehrenden Traum zu befinden. Um sicherzugehen, dass es sich um die richtige Alice handelt, bricht die Gruppe zur wasserpfeife-rauchenden Raupe Absolem auf. Die Raupe fragt Alice selbst, ob sie Alice sei und präsentiert eine Schriftrolle mit Prophezeiungen, die besagt, dass Alice am Blumertag den Jabberwocky, eine drachenartige Kreatur, erschlagen und damit die Macht der roten Königin (Helena Bonham Carter) brechen wird. Plötzlich wird das Treffen der Verschwörer von Truppen der roten Königin angegriffen. Ihr Anführer, der Herzbube, hetzt das Raubtier Bandersnatch auf Alice, die daraufhin flieht, obwohl sie immer noch glaubt in einem Traum und unverwundbar zu sein. Im Wald begegnet sie der Grinsekatze, die ihr rät zum Hutmacher (Johnny Depp) zu gehen. Der soll ihr angeblich bei der Erfüllung ihres Schicksals helfen können.

Vor der eigentlichen Rezension muss ich zugeben, dass mir vorherige Alice-Versionen, sowie die Buchvorlage nur schleierhaft präsent sind. Wie gesagt handelt es sich ausserdem nicht um eine 1:1-Umsetzung des Buches, sondern um eine Art Fortsetzung. Das, was Alice für einen Traum hält, ist in Wahrheit eine Erinnerung an ihren ersten Besuch um Unterland, das sie damals fälschlicherweise als Wunderland bezeichnete. Was im Original bzw. dem ersten Besuch dort nur eine Aneinanderreihung seltsamer Ereignisse war, ist diesmal in einen Rahmen gebettet. Alice soll ihre Bestimmung erfüllen, was in gewisser Hinsicht der Situation entspricht, in der sie sich in ihrem richtigen Leben befindet. Dort ist sie ebenfalls einem enormen Druck von ihrer Mutter, ihrer zukünftigen Schwiegermutter und ihrer Schwester ausgesetzt. Alice im Wunderland handelt vor allem von der Entwicklung der eigensinnigen, aber wenig energischen Alice zu einer jungen Frau, die weiß was sie will und für ihre eigenen Ziele eintritt. Obwohl die Story ab und an in der Schwebe ist, steht doch immer Alices Wunsch aus dem "Traum" zu erwachen bzw. die Prophezeiung im Raum, die den Charakteren Ziele geben und den roten Faden vorgeben.

Die Mischung aus Animation und realen Schauspielern funktioniert äußerst gut. Johnny Depp, Helena Bonham Carter und Mia Wasikowska fügen sich sehr gut in die animierte Umgebung ein. Bei anderen vollkommen computergenerierten Figuren wurde ausserdem die Mimik von echten Schauspielern übernommen, so wie es schon in Avatar ausgiebig praktiziert wurde. Das fiel mir gerade bei Diedeldum und Diedeldei sofort auf. Die Zwillinge bekamen ihr Gesicht nämlich vom Little Britain-Star Matt Lucas, dessen Mimik und Stirnfalten unverkennbar sind. Auch die weiße Königin (Anne Hathaway) passt mit ihrem strahlend-weißem Hofstaat ins Gesamtbild, auch wenn mir ihr Charakter etwas suspekt ist. Auf die 3D-Technik hätte ich hingegen auch gern verzichtet. In meinen Augen hat sie den Film so gut wie gar nicht aufgewertet. Im Gegenteil sogar: Schnelle Kameraschwenks wirken verwaschen und unscharf und als Alice in den Kaninchenbau fällt, drehte sich mir fast der Magen um. Ich finde es irgendwie falsch plötzlich alles animieren zu müssen, nur damit es auf die 3D-Leinwand passt. Andererseits eignet sich die abgedrehte Welt des Wunderlands tadellos für so eine Umsetzung, die man ausschließlich mit realen Kostümen wohl nicht so gut hinbekommen hätte.

Alice im Wunderland ist ein solider Fanatsy-Film. Die schauspielerische Darstellung ist tadellos gewesen. Vor allem Johnny Depp und Helena Bonham Carter haben mal wieder gezeigt, dass sie ein eingespieltes Team sind. Nebenbei bemerkt hat mich der Habitus der roten Königin etwas an gewisse Damen in meinem Leben erinnert. Die Altersfreigabe ab 12 Jahren finde ich absolut gerechtfertigt. Im Burggraben der launischen Herrscherin des Wunderlands schwimmen immerhin abgetrennte Köpfe und so manch andere Szene würde ich allzu jungen Zuschauern ebenfalls nicht zumuten wollen. Die Welt und ihre Umsetzung fand ich sehr gelungen. Sie ist so bunt und skurril, wie sie im Wunderland sein muss. Auch der fiese Jabberwocky, der mir zuvor nicht bekannt war, fügt sich in diese Welt ein. Der Name des Untiers stammt übrigens aus einem lautmalerischen Gedicht von Lewis Carroll.

Eine Prise mehr Witz hat mir allerdings schon gefehlt. Eine Nichtgeburtstagsparty gab es leider auch nicht. Die soziopolitische Komponente der starken Alice wurde am Ende vielleicht ein wenig zu stark betont und wirkt dadurch leicht aufgesetzt. Insgesamt handelt es sich aber um einen sehenswerten Film, der die liebevoll erzählte Geschichte um Alice für das 21. Jahrhundert sehr schön aufbereitet.

Links zum Film


27Dez/09Off

Filmvorhersage für das erste Halbjahr 2010

Geschrieben von Teo

Das waren die Nachrichten. Nun folgt die Filmvorhersage für das erste Halbjahr 2010 mit Ben Filmvogel.

Im Januar zieht von Hollywood eine Fantasy-Front auf. Im letzten Film mit Heath Ledger verkauft Dr. Parnassus seine Tochter für die Unsterblichkeit. Regisseur Terry Gilliam, ein Ex-Mitglied von Monty Python, konnte ausserdem Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell engagieren, die Heath Ledgers Part im Film vollenden.

Das Tiefdruckgebiet Stephenie Meyer sorgt auch im Januar für ein Ansteigen der Vampierkonzentration im Kino. Im Mitternachtszirkus wird der junge Darren zum Nachtschwärmer ausgebildet. Es handelt sich um die Verfilmung des Piloten einer zwölfteiligen Jugendromanreihe von Darren O’Shaughnessy, die von 2000 bis 2006 erschienen ist.

Starke Metall- und Siliziumniederschläge bringen uns in diesem Monat ausserdem einen vollbärtigen und fetten Bruce Willis auf die Leinwand. In Surrogates geht niemand mehr selbst auf die Straße, sondern steuert von zuhause aus ein stählernes Alter Ego durch die Welt. Die Mordrate sinkt und die Welt wird eine bessere - Bis die echten Menschen sterben.

Der Februar beginnt mit leichtem Satire-Nebel. Der Regisseur von Thank your for Smoking ruft Glatteis hervor, dass diesmal Manager ins Schleudern bringt. Leichte Turbulenzen bringen das Leben des Vielfliegers und professionellen Rausschmeissers Ryan, gespielt von George Cloony, durcheinander.

In der Mitte des Monats erwarten wir den Peter Jackson-Sturm mit der Verfilmung eines Fantasy-Thrillers zwischen Leben und Tod. Ihren Himmel zeigt uns Susie Salmon, die ihrem Vater bei der Aufklärung ihres eigenen Mordes behilflich sein will, der von Mark Wahlberg gespielt wird.

Ungewöhnlich hart für diese Jahreszeit wird wohl der nukleare Wintereinbruch ausfallen. Denzel Washington vermöbelt zum Schutze eines Buches, das die Menschheit retten soll, allerlei Strahlungsgeschädigte. The Book of Eli stammt von den Hughes-Brüdern, einem Zwillingspaar aus dem Ghetto von Detroit.

Im März sind massive Hut-Niederschläge zu erwarten. Tim Burton bringt den Kampf von Alice mit der roten Königin um das Wunderland auf die Leinwand. Johnny Depp wird wahnsinniger als Willy Wonka und hat wiedermal Helena Bonham Carter an seiner Seite.

Eine kalte Horror-Front zieht anschließend über Deutschland hinweg. Renée Zellweger bearbeitet diesmal keine Schokolade, sondern ihren Fall 39. Dabei rettet sie als Mitarbeiterin der Volksführsorge ein kleines Mädchen aus dem Haus ihrer Eltern. Kurz darauf kommt es zu einigen Todesfällen. Fall 39 stammt von Pandorum-Regisseur Christian Alvart.

Auch im April verzieht sich das gruselige Wetter nicht. Es ist mit Schnupfen und Zombifizierung zu rechnen. In The Crazies beginnen ganz normale Menschen plötzlich ihre Familie oder Freunde umzubringen und wissen nicht wieso. Bei manchen ist man nichtmal sicher, ob sie überhaupt noch etwas wissen. Es handelt sich um ein Remake des Films Crazies von 1979.

Der Mai bringt eine erhöhte Gefahr von Wildwechsel mit sich. Der fantastische Mr. Fox legt sich mit Bauern und Industriellen an, die seinem Wald an den Kragen wollen. Es kann davon ausgegangen werden, dass der ausgefuchste Fuchs von Tollwut befallen ist, bitte seien sie vorsichtig und lachen sie sich nicht zu Tode!

Nicht ganz so fantastisch ist es im post-apokalytischen Amerika. Durch dieses zieht Viggo Mortensen mit seiner Frau und seinem Sohn in The Road. Der Trailer wirkt ein wenig wie ein dreckiger Mad Max im verregneten England. Fiese Rüpel sorgen nämlich auch hier für Stress im Anti-Paradies.

Sandstürme erreichen uns gegen Ende des Monats. Dann kommt das Computerspiel Prince of Persia auf die Kinoleinwand. Der Disney-Film wird von Jerry Bruckheimer produziert und soll an Erfolge wie Pirates of the Caribbean anknüpfen.

Der Juni wird sehr milde. Das Sommrloch gibt es eben auch im Kino. In Repo Men handelt ein Unternehmer mit künstlichen Organen. Wer die Raten plötzlich nicht mehr abstottern kann oder will, bekommt dann Besuch von Jude Law, der die lebenswichtigen Gerätschaften dann mit recht rabiaten Methoden wieder entfernt. Der Filmtitel spielt auf die Komödie Repo Man aus den Achtzigern an.

Das warme Wetter treibt die Mutanten und Verrückten aus ihren Löchern. In Splice kreuzen zwei Wissenschaftler tierische und menschliche DNA. Dabei entsteht ein kleiner, niedlicher, mäuseähnlicher Nackedei, der schnell zu einem Menschenfresser heranwächst.

Später im Jahr erwarten wir weitere Hochdruckgebiete im Kinosaal.