Teo-Net Doppelt gestreift hält besser

7Nov/11Off

Film: Der König der Löwen (3D)

Geschrieben von Teo

Vorab möchte ich klarstellen, dass ich bei Der König der Löwen nicht neutral sein kann. Weshalb, kläre ich später. Jedenfalls besuchte ich gestern eine Vorpremiere der neuen Special Edition des 1994er Films in 3D.

Der König der Löwen beginnt mit der Geburt des kleinen Löwenjungen Simba. Als Sohn von Löwen-König Mufasa ist er der Thronfolger.  Sein fieser Onkel Scar trachtet jedoch ebenfalls nach dem Job des Königs. Als Scar es schafft Simba und Mufasa gleichzeitig in eine Falle zu locken, stirbt Mufasa und Simba nimmt Reißaus. Halb verdurstet wird er vom Erdmännchen Timon und dem Warzenschwein Pumba gefunden und aufgenommen. Fortan lebt Simba mit den beiden von Maden und Käfern im Dschungel, bis eines Tages Nala, eine Löwin, die Simba noch aus seiner Kindheit kennt, dort auftaucht.

So viel zum extrem kurzen Abriss des Inhalts. Der Grund für meine bereits angesprochene Befangenheit ist, dass Der König der Löwen der erste Kinofilm war, den ich gesehen habe. Als Generation VHS habe ich natürlich bereits vorher Filme gesehen, allerdings immer nur zuhause auf dem Fernseher. Hier war ich zum ersten mal im Kino. Ich hatte deshalb leichte Bedenken, was die Vernichtung von Kindheitserinnerungen anging, welche aber glücklicher Weise unbegründet waren. Viel eher war ich davon überrascht, wie sehr sich bestimmte Stellen in mein Gehirn gebrannt hatten.

Soweit ich das beurteilen kann, wurde der Film nicht weiter umgeschnitten, neusynchronisiert oder sonst wie "enhanced", so wie wir das von anderen Klassikern kennen. Die einzige Neuerung ist der nachträglich hinzugefügte 3D-Effekt und eine allgemeine Überarbeitung des Filmmaterials. An dieser Stelle kann ich Disney auch schon gleich das erste mal loben, denn der 3D-Effekt wurde wiedermal nicht allzu verschwenderisch eingesetzt. Einige Szenen des Films, wie der frühe Flug von Zazu boten sich natürlich dafür an und dort wurde auch damit gearbeitet, aber alles in allem wurde es nicht übertrieben. Die alten Schwächen der Technik stachen mir leider immer noch ins Auge. Gerade bei schnellen Bewegungsabläufen war es aufgrund von Unschärfen schwierig den Figuren zu folgen. Meine Begleiter empfanden diesen Umstand aber offenbar wesentlich schwächer oder einfach weniger störend als ich.

Zuletzt hatte ich den Film vor Jahren gesehen, kurz bevor unser Videorekorder den Geist aufgab. Das ist sicherlich 10 Jahre her. Dennoch zauberte mir schon der erste Ton von "Circle of Life" ein breites Grinsen ins Gesicht. Mufasas Tod jagte mir immer noch eine Gänsehaut über den Rücken. Der König der Löwen berührt also noch genau wie 1994. Vielleicht haben sich die Kinder etwas verändert, denn bereits beim Elefantenfriedhof verließen die ersten heulend mit ihren Eltern den Saal. Gut, das ist ja auch eine ganz schön gruselige Szene.

Der König der Löwen wirkt absolut nicht angestaubt und ist im Grunde zeitlos. Die Themen Tod, Freundschaft und Verantwortung wurden selten so schön für Kinder aufbereitet. Der 3D-Effekt ist ordentlich umgesetzt worden und ist Sklave des Films, nicht wie sonst üblich, Herr über Kameraeinstellungen. Am Ende könnte man aber auch gut auf die 3. Dimension verzichten.


10Sep/11Off

Liebes Kino, wir müssen reden

Geschrieben von Teo

Vor ein paar Tagen fand ich im Internet eine Auflistung der erfolgreichsten Filme des bisherigen Jahres. Wie ich mir die Liste so ansah, lief mir ein Schauder über den Rücken. Ich möchte dir, liebem Kino, auch erklären, wieso ich so angewidert war. Als regelmäßiger Besucher deiner Etablissements und jemand, der Nachrichten über dich häufig genau verfolgt, wusste ich natürlich, dass dieses Jahr nicht unbedingt dein Jahr war. Meine Besuche bei dir sind in den letzten Monaten rar geworden, weil du mich mit deinen Filmen lange nicht so fesseln konntest, wie sonst. Die Liste, auch wenn sie lediglich Dollar und nicht Besucher angibt, belegt meinen subjektiven Eindruck dann aber doch schwarz auf weiss: Du hast es nicht mehr drauf.

Aber sehen wir uns deine Filme doch mal im einzelnen an:
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes (2) steht natürlich zurecht hier. Der Film ist zwar "nur" eine Fortsetzung, aber eine ziemlich gute und gut vorbereitete. Der Film musste als Abschluss der Harry Potter-Reihe ja auch gedreht werden und war gar nicht mal schlecht. An zweiter Stelle steht Transformers 3, also einer der schwachsinnigsten Filme der letzten Jahre. Wenn ich Metall herumrollen sehen will, kicke ich ein paar Getränkedosen durch die Gegend. Das Pfand wäre sogar billiger als dein 3D-Aufschlag. Fluch der Karibik 4 kommt als nächstes an den Pranger und leidet an ähnlichen Symptomen. Man sieht es schon den Trailern an, dass man mit dem verbliebenen Hauptdarsteller und dem 3D-Logo auf den Plakaten lediglich Kasse machen will. Kungfu Panda 2, Fast & Furios Five, Hangover 2 und Cars 2 scheinen die gleiche Antriebsfeder zu haben. Kein Wunder, dass ich keinen davon sehen wollte. Den Animationsfilm Rio kann ich nicht recht beurteilen, die Trailer haben mich nicht in den Kinosessel gezwungen. Thor war ganz passabel, aber du hast ihn leider zu oft wie die Kinderserie Mystic Knights aussehen lassen. Da war einfach zu viel Plastik. Auf der Liste stehen tatsächlich auch Die Schlümpfe. Ich meine, Kino, ist das dein Ernst? Der einzige Lichtblick des Films war Neil Patrick Harris, aber auch nur ein Angel-Knicklicht-Blick auf einem nächtlichen, tiefschwarzen See. Wie ich X-Men: Erste Entscheidung fand, habe ich dir ja schonmal erzählt. Das war zwar OK, aber auch nicht der voll fette Burner. Captain America - The First Avenger leidet an dem gleichen Problem wie Thor, es gibt einfach zu viel Plastik. Auf dem neuen Planet der Affen habe ich mich ganz wohl gefühlt. Der Film bricht zwar mit allem, was einem die alten Filme aus den 70ern erzählen wollen, aber die waren ja auch nicht so Bombe. Dein Film Brautalarm riecht ziemlich nach Hangover-Klon und auch hier konnten mich die Trailer nicht ins Kino locken. Für Super 8 wäre ich gerne kurz vorbeigekommen, aber leider lief der in meinem Stammkino nicht. Ich verspreche dir aber, mir die DVD mal aus der Videothek auszuleihen, sobald sie da ist. Von Rango hörte ich viel Gutes, aber leider habe ich es damals nicht zu dir geschafft, liebes Kino. Die DVD hat mir ganz gut gefallen. Der Film hat was. The Green Hornet, so erklärte ich dir früher schon, war auch ganz OK, aber dein 3D-Effekt nervte hier schon ziemlich. Kommen wir zu den letzten 3 Filmen auf deiner Liste. Davon habe ich nur einen gesehen und das war Battle Los Angeles, der ja bekanntermaßen auch keine Maus hinterm Ofen hervorholt. Ich verspreche dir aber, liebes Kino, mir The Green Lantern mal auf DVD anzusehen, auch wenn man davon laut Kritikern nicht viel erwarten sollte.

Auch viele Filme, die nicht auf dieser Liste stehen, waren weniger gut, als uns versprochen wurde. Da wäre z.B. der enttäuschend debile Sucker Punch, für den man offenbar selbst lobotomisiert sein muss. Ich bin Nummer Vier war leider ganz schön lahm und Red Riding Hood sah zwar zuerst ganz gut aus, war aber ziemlich unaufregend. Der letzte Film, für den ich zu dir kam, liebes Kino, war Cowboys & Aliens. Den fand ich ziemlich passabel, aber selbst Harrison Ford konnte hier nicht so richtig überzeugen.

Du siehst also, liebes Kino, was ich in diesem Jahr von dir gesehen habe, war nicht wirklich toll. Was noch kommt, verspricht teilweise Großes, aber ob du das halten kannst, weiss ich nicht. Von Conan erwarte ich z.B. nicht besonders viel. Das wird garantiert hochsubventionierter Trash. Johnny Englisch Teil 2 könnte was werden, aber auch nur mit geringen Vorerwartungen. Bei Tim und Struppi kann ich leider nicht neutral sein, denn die beiden mochte ich noch nie. Bei Reel Steel bin ich unsicher, aber den werde ich mir bestimmt angucken, genau wie This must be the Place. Der neue Twilight wird auch geguckt, aber nur weil ich gezwungen werde. Dann wirst du ja auch noch Der gestiefelte Kater und Alvin und die Chipmunks 3 zeigen, die ich garantiert nicht ansehen werde. Auf Sherlock Holmes 2 freue ich mich hingegen sehr und hoffe, dass du es nicht versaust. Das war's dann auch leider schon mit den potentiellen Knallern.

Ja, liebes Kino, das war's wirklich schon für dieses Jahr. Nur die leisen Töne, wie Die Iden des März oder Attack the Block haben die Chance dich noch rauszureißen. Ich bin gespannt, ob sie das schaffen. Aber mal ehrlich: Müssen es denn immer dämlichere Fortsetzungen sein? Immer dümmlichere Gelddruckmaschinen? Sollen ein paar Retorten-Animationsfilme, Sequels, Prequels und Remakes deine Zukunft sein? Trotz "Highlights" wie Battleship wünsche ich dir ein besseres Jahr 2012, liebes Kino. Bitte lass solchen Unsinn, wie die Verfilmung von Monopoly doch bitte sein und besinne dich auf deine Stärken.

Gruß und Kuss,

dein Teo


31Jan/11Off

Film: Tron Legacy

Geschrieben von Teo

Seit die Fortsetzung von Tron durch Disney angekündigt wurde, waren die Fans des 80er Jahre Nerd-Streifens komplett aus dem Häuschen. Ich selbst zähle mich ja nicht unbedingt dazu, wenngleich ich die grundlegende Idee der nun zweiteiligen Reihe sehr spannend finde.

Tron Legacy spielt in der Gegenwart. Kevin Flynn (Jeff Bridges) ist seit mehr als zwei Jahrzehnten wie vom Erdboden verschluckt. Sein Sohn Sam (Garrett Hedlund) hat den Glauben an eine Rückkehr seines Vaters längst aufgegeben und pflegt sein Rebellentum. Er ist Besitzer der Compuer-Firma Encom, die Kevin Flynn einst gemeinsam mit Alan Bradley (Bruce Boxleitner) gegründet hat. Die Firmenpolitik überlässt er allerdings dem kapitalistisch orientierten Vorstand. Ein mal im Jahr spielt Sam dem Konzern jedoch einen Streich. Dieses mal veröffentlicht er den Quellcode des neuen Encom-Betriebssystems während der offiziellen Vorstellung des OS im Internet (übrigens das einzige mal, dass dieses Wort fällt). Alan sucht Sam daraufhin in seinem Wohncontainer auf und stellt ihn zur Rede. Er hätte gerne, dass Sam seine Macht nutzen würde, um den Kurs der Firma zu ändern. Interesse scheint ja da zu sein. Ausserdem erzählt Alan, er habe eine Pager-Nachricht vom eigentlich abgeschalteten Anschluss in Flynns Spielhalle bekommen. Sam gibt zunächst Desinteresse vor, besucht die Spielhalle dann aber doch. Dort findet er Kevins geheimes Büro und aktiviert zufällig die Vorrichtung, mit der man in den Computer gelangt, was natürlich wörtlich zu nehmen ist. Dort steht er dem Programm CLU (animierter Jeff Bridges) gegenüber, das sich zum Herrscher des Rasters aufgeschwungen hat und offenbar eine Debug-Session brauchen könnte.

Bei Xander81 las ich, Tron Legacy sei ein "durchgestyltes Musikvideo von Daft Punk in Spielfilmlänge" und eine treffendere Bewertung des Films in einem Satz fällt mir einfach nicht ein. Technisch ist der Film wirklich gut umgesetzt. Man wird gleichzeitig an Tron erinnert, hat aber nicht mehr unbedingt das Gefühl in eine 90er Jahre Techno-Party geraten zu sein. Natürlich bemerkt man beim animierten CLU, dass man keinen Schauspieler vor sich hat, aber so schlimm wie bei Die Legende von Beowulf sieht es glücklicherweise nicht mehr aus. Selbst die 3D-Effekte schienen nur an sehr wenigen Stellen auf den üblichen Kinderkram, wie auf den Zuschauer zufliegende Discs, zu setzen. Disney scheint in diesem Bereich insgesamt auf einem guten Weg zu sein. Der Soundtrack ist erwartungsgemäß gut. Daft Punk mischen Synthi-Mukke der 80er mit 8bit-Klängen und interpretieren das Ganze modern. Die beiden spielen übrigens selbst mit und sind recht leicht zu erkennen.

Das wars dann auch schon mit dem Lob. Tron Legacy fehlt es an einer Kleinigkeit, die heutzutage leider nur allzu häufig zu wenig Beachtung findet: Der Story. Was hier tatsächlich passiert, ist nicht viel und dazu auch noch belanglos. Gerade wegen des ganzen Gefasels von einem Wandel menschlicher Lebensweise wäre es so leicht gewesen hier Rückbezüge auf Gesichtsbuch und Zwitschern zu ziehen. Zu Beginn wird auch der Themenbereich freier Software angeschnitten, dann aber wieder sehr schnell auf den Dachboden gestellt. Stattdessen erzählt der Film von Programmen, die sich durch Zufall oder weiß der Henker, selbst entwickelt haben. Auch das wäre interessant, wenn man z.B. KI oder die Verselbstständigung von Technik behandelt hätte, aber das versäumt man genauso, wie jeden anderen Bezug zur Gegenwart. Ganz abgesehen davon, dass diese Programme maximal symbolischen Wert für die Handlung haben. Wenn man hier über Relevanz schreibt, kann man vielleicht auch erwähnen, dass zwei der Autoren auch für Lost geschrieben haben. Wer das Ende der Serie kennt, weiß ungefähr, was ich mit diesem Hinweis andeuten will. Interessant ist auch die Rolle des namengebenden Charakters: Tron. Wo man bei Jeff Bridges offenbar Willens war, einiges an Geld in die Hand zu nehmen, um sein jüngeres Alter Ego zusammenzubasteln, hat man diesen Willen bei Boxleitner offenbar nicht gehabt. Um nicht zu viel vorweg zu nehmen, belasse ich es mal bei dieser Vermutung.

So zeitgemäß, wie Tron Legacy auf technischer Ebene sein mag, so unzeitgemäß ist er auf der inhaltlichen. Man hat sich auf das Kult-Image von Tron verlassen und einen optisch sauberen Film abgeliefert. Er scheint allerdings eher eine Machbarkeitsstudie in Sachen Spezialeffekte und 3D zu sein, als ein Streifen, der uns eine Geschichte erzählen will, so wie Teil 1. Gerade im Hinblick auf die für das nächste Jahr angekündigte TV-Serie Tron: Uprising und diverser Computerspiele, bekommt Tron Legacy den faden Beigeschmack der Resteverwertung. Meines Erachtens hat Disney ein unheimlich großes Maß an Potential, das dieser Film besaß, einfach so verschenkt.

Links zum Film


2Jan/11Off

Film: Rapunzel – Neu verföhnt

Geschrieben von Teo

Wird echt Zeit, dass ich mal wieder was von mir hören lasse. Heute war ich im Kino und nehme das mal wieder als Gelegenheit für eine kurze Rezension. Geschaut wurde Rapunzel - Neu verföhnt, den ich eigentlich gar nicht sehen wollte. Der Untertitel klang so klamaukig und auf eine shrek'sche Märchenverarsche hatte ich so gar keine Lust - und dann noch in 3D, igitt. Überraschenderweise wurde es doch ein schöner Kinobesuch.

Die meisten werden die grundlegenden Handlungsschritte des grimmschen Kinder- und Hausmärchens Rapunzel bereits kennen, daher ziehe ich den Inhalt mal im Schnellwaschgang mit besonderem Augenmerk auf die Änderungen durch: Eine fiese, alte Hexe hegte etwa 400 Jahre lang eine goldene Zauberblume, die ihr Leben verlängerte. Dazu musste sie die Pflanze nur berühren und ein bestimmtes Lied singen. Als die Königin des Landes im Kindbettfieber lag, schickte der König das halbe Volk aus, um die sagenhafte Blume zu finden. Man fand sie und braute der Schwangeren eine Art Tee daraus. Sie wurde geheilt. Nachdem das Kind geboren war, entdeckte die Hexe, dass nun die Haare des Mädchens magische Kräfte besaßen. Schnitt man sie allerdings ab, verloren sie ihre blonde Farbe und ihre Macht. Also stahl die Alte das Kind und sperrte es in einen Turm um es zu besingen und sich jung zu halten. Irgendwann entdeckt der Dieb Flynn Rider den Turm auf seiner Flucht und Rapunzel bricht mit seiner Hilfe aus ihrem Gefängnis aus.

Das Schöne an Rapunzel - Neu verföhnt ist, dass man sich bei Disney wieder alter Traditionen zu besinnen scheint. Wie schon bei Küss den Frosch wird gesungen und getanzt, wie einst in Schneewittchen und die Sieben Zwerge. Das weckt Kindheitserinnerungen bei mir. Dabei sind die Lieder vergleichsweise kurz und Text und Performance sind meist modern gehalten. Genauso modern ist natürlich die Animationstechnik, auch wenn die Figuren manchmal etwas barbie-esque wirken (wer schonmal einen der Barbie-Animations-Streifen gesehen hat, weiß wovon ich rede). Glücklicherweise hat man sich von allzu vielen Slap-Stick-Einlagen distanziert. Die gibt es zwar auch, aber sie sind für meinen Geschmack genau richtig dosiert. Anachronismen, wie sie in Shrek zu Hauf auftreten gibt es so gut wie keine. Davon haben wir, finde ich, in den letzten Jahren auch erstmal genug gesehen. Die Story ist natürlich sehr einfach gestrickt, sie basiert nunmal auf einem Märchen und richtet sich an ein sehr junges Publikum. Ich fand sie ziemlich angemessen, obwohl es so schien, als bekämen einige Nebencharaktere einen zweiten Auftritt nur unter Zwang. Auch die Hauptfiguren sind natürlich sehr prototypisch und einfach. Das verbuche ich aber noch unter Vorlagentreue.

Im Großen und Ganzen war Rapunzel - Neu verföhnt besser als sein deutscher Verleihtitel. Gerade für kleinere Kinder ist der 50. Disney-Film derzeit genau das Richtige. Die 3D-Technik wurde nicht verschwenderisch eingesetzt und kam vor allem bei der Betonung von Dunkelheit oder besonderen Ereignissen zum Tragen. Der alte Mann in mir hat sich über die Kindheitserinnerungen durch die klassischen Disney-Elemente gefreut und das Kind in mir mochte vor allem den stummen Chamäleon-Kumpanen.

Links zum Film


3Sep/10Off

Film: Die Legende von Aang

Geschrieben von Teo

Die Legende von Aang basiert auf dem Anime Avatar - Der Herr der Elemente. Ich habe die Serie vor einigen Jahren im O-Ton geschaut. Eine Folge nach der anderen. Ich war begeistert. Weniger begeistert bin ich nun leider vom Realfilm, der sich in die mittlerweile lange Reihe der Misserfolge des M. Night Shyamalan einreihen darf.

Der Film spielt in einer Welt mit ehemals 4 Nationen, deren Angehörige teilweise die Fähigkeit besitzen Elemente zu kontrollieren. Nach diesen Elementen sind die Nationen aufgeteilt. Die Feuernation, eigentlich ein eher kleines Inselreich, hat den Luftnomaden, den verbündeten Wasserstämmen und dem Erdkönigreich den Krieg erklärt. Dieser wütet nun schon 100 Jahre. Die beiden Geschwister Katara (Nicola Peltz) und Sokka (Jackson Rathbone) vom südlichen Wasserstamm entdecken auf der Jagd eine Sphäre im Eis. Als sie darauf einschlagen, öffnet sie sich und entlässt einen Lichtstrahl in den Himmel. In der Kugel befinden sich ein Junge mit seltsamen Tätowierungen und ein sechsbeiniges Bison. Wie sich herausstellt, ist der Junge namens Aang (Noah Ringer) ein Luftbändiger. Das ist erstaunlich, weil die Feuernation gleich nach Ausbruch des Krieges alle Luftbändiger hat töten lassen. Aus ihrem Volk sollte der nächste Avatar stammen, ein Bändiger, der alle 4 Elemente beherrscht und für deren Gleichgewicht sorgen sollte. Für die Feuernation und ihre Anstrengungen zur Weltherrschaft, wäre ein starker Avatar also ein großes Problem. Der Lichtstrahl aus Aangs Sphäre wurde unterdessen auch von Zuko (Dev Patel), dem Prinzen der Feuernation gesehen, der im Exil nach dem Avatar sucht, um seine Ehre zurück zu gewinnen. Mit seinem Kriegsschiff taucht er kurz darauf im Dorf des Wasserstammes auf. Aang ergibt sich, um die Dörfler zu schützen. Sokka und Katara folgen dem Schiff daraufhin, um Aang zu retten.

Dem Anime folgend, werden in diesem Film die Ereignisse des ersten Buchs, wie die Staffeln der Serie heissen, erzählt. Insgesamt gibt es 3 Bücher, die nach den Elementen Wasser, Erde und Feuer benannt sind. Ausser der Geschichte ist leider nicht viel vom Anime übrig geblieben. Beginnen wir bei der bereits viel kritisierten Besetzung. Alle Mitglieder der kriegstreibenden Feuernation sind von arabisch-ostasiatischem Aussehen. Davon ist im Anime nichts zu sehen, dort haben alle mehr oder weniger die gleiche Hautfarbe. Ich hatte die Feuernation ausserdem immer wegen ihrer geographischen Lage und Beschaffenheit mit Japan verglichen. Aber OK, das ist noch künstlerische Freiheit. Das Erdkönigreich ist mit chinesisch anmutenden Menschen gut getroffen, da hat er kostüm- und frisurentechnisch genau den richtigen Ton getroffen. Was mich wirklich am Cast stört, ist die Inkonsequenz, mit der die Charaktere besetzt wurden. Sokka und Katara sind eindeutig europäischer Herkunft, ihr gesamter Stamm allerdings, erinnert eher an Inuit. Ich schätze so etwas kommt dabei raus, wenn Hauptfiguren und Statisten getrennt gecastet werden. Ich vermute hier keinen Rassismus, immerhin ist Shayamalan selbst Inder, aber filmisch lässt diese Besetzung auf Unachtsamkeit oder sogar Ignoranz schließen. Dem Vorwurf, der Anime sei asiatisch und die Figuren hätten daher auch asiatisch auszusehen, kann ich allerdings entgegen halten, dass Avatar - Der Herr der Elemente von Amerikanern stammt. Dahingegen darf die deutsche Synchronisation getrost als schlecht bezeichnet werden. Allein schon Zukos Stimme will so gar nicht zur Optik des kindlichen Schauspielers passen.

Optisch fallen auch die immer sauberen Kostüme auf, die immer genau die gleichen Farbtöne haben. Hier zeigt sich wohl ein besonderes Problem, wenn man versucht etwas Gezeichnetes in die reale Welt zu holen. Im Anime funktionieren die gedeckten, planen Farben. Etwas Schmutz wird mit wenigen Strichen angedeutet. In einem Realfilm wirkt das leider künstlich und wenig Glaubhaft. Gebeutelte und Unterdrückte Bewohner des Erdkönigreichs tragen geradezu strahlende Kleidung, Kämpfe mit Feuer und Schwertern können Aangs gelber Kutte nichts anhaben und Feuer schleudernde Soldaten kennen keinen Russ, so wie Wasserbändiger nie auch nur einen Tropfen Wasser abbekommen. Die Effekte beim Bändigen fand ich hingegen gut gelungen. Ich wüsste nicht, wie man das sonst umsetzen sollte. Den 3D-Aufschlag hätte ich mir natürlich sparen können. Man hatte einfach nichts davon und erneut stachen mir die verwaschenen und schwindelerregenden Konsequenzen dieser offenbar unausgereiften Technik ins Auge.

Ein noch schwerwiegenderes Problem findet man, wenn man den Plot von Anime und Film vergleicht. Es wirkt, als habe Shamalayan Versatzstücke der Serie fast wahllos aneinander gefügt ohne aus dem episodischen Schema der Serie auszubrechen. Einige Begebenheiten tauchen nahezu identisch in beiden Umsetzungen auf, andere wurden im Film vermischt oder weggelassen. Man hat z.B. den Besuch auf der Insel Kioshi und die Kriegerinnen von Kioshi weggelassen. Stattdessen wurde Aangs Bekanntschaft mit seiner formaligen Reinkarnation, Avatar Kioshi, mit der Folge zusammengelegt, in der die Internierungslager der Feuernation gezeigt werden. Diese sind in der Serie auf dem Meer und bestehen aus metallenen Plattformen ohne eine Spur von Erde, die von den Gefangenen zum Bändigen eingesetzt werden könnte. Im Film ist so ein Lager nur durch einen dünnen Palisadenzaun vom Rest des Dorfes getrennt, als wären die Feuerbändiger Dummköpfe. Auch die Kriegerinnen von Kioshi werden im weiteren Verlauf der Geschichte noch eine wichtige Rolle spielen. Wie Shamalayan das schlüssig umsetzen will, ist mir vollkommen unklar. Insgesamt wirkt alles sehr komprimiert, was natürlich verständlich ist, wenn man 20x20 Minuten Serienplot in weniger als 100 Filmminuten vorgesetzt bekommt.

Unter dieser Hasst leidet Die Legende von Aang am meisten, glaube ich. Es bleibt kaum Zeit die Figuren ordentlich auszugestalten, weil die äussere Geschichte schon recht komplex ist. Es wird daher auch ständig mit irgendwelchen Etiketten gearbeitet. Statt Aangs unterschwelliger Liebe zu Katara, drückt ein platter, wenige Worte langer Satz die Sehnsucht des kindlichen Avatar nach einer Familie aus. Im Film hat man kaum den Eindruck, dass die 3 Reisenden mehr als Freunde sind und wie eng diese Freundschaft in der Serie ist. Für die negativen Charaktereigenschaften aller 3 bleibt da gar kein Platz mehr. Aang ist in der Serie ein wichtiger Faktor für alberne Komik. Dieses Element wurde im Film komplett gestrichen, genau wie Appa, dem fliegenden Bison, kaum Aufmerksamkeit geschenkt wird. Auch Sokka ist sehr viel komischer in der Serie, wenn auch meist unfreiwillig. Um eine meiner Lieblingsfiguren des Anime tut es mir besonders leid: Onkel Iroh. In der Serie zeigt sich sein Sinn für Strategie und List nicht nur in irgendwelchen Erzählungen vom Schlachtfeld, sondern auch in seinem Verhalten gegenüber Zuko. Diesen hält er für fehlgeleitet und möchte ihn von seinem Pfad der Gewalt abbringen. Iroh weiss aber ganz genau, dass die flachen Sprüche, die er im Film auf Zuko loslässt, überhaupt nichts bringen würden. Dementsprechend subtil geht er in der Serie vor. Ausserdem verlangt er im Film nur ein einziges mal nach Tee.

Nicht gefallen hat mir auch, dass Shamalayan Fakten umstellt. In der Serie sind Feuerbändiger sehr wohl in der Lage selbst Feuer zu entfachen, im Film nicht. Die oberen Stufen des Feuerbändigens umfassen nicht, sich den Finger ohne externe Flamme anzuzünden, sondern Blitze und besonders heisse Flammen zu erzeugen. Weitere Veränderungen fanden am Stellenwert der Geisterwelt und dem Avatar-State statt.

Der Reiz des Anime ist der Spagat zwischen augenscheinlich alberner Kinderserie und der hintergründigen Geschichte, aus der, mithilfe von politischen Wirrungen und Spiritualismus ausgefeilte Charaktere hervorgehen. Beides bietet der Film von Paramount leider nicht. Die Figuren bleiben flach und ihre Beziehungen zueinander unklar. Der alberne Witz ist so gut wie ausgelöscht worden, was in Anbetracht der Zielgruppe durchaus bemerkenswert ist. Übrig bleibt nur die Haut einer guten Geschichte, so oberflächlich und lieblos erzählt, dass sie beim ersten Anstupsen zu Staub zerfällt. Schaut euch lieber die TV-Serie an.

Links zum Film