Und täglich grüßt der Kinderporno
Geschrieben von TeoImmer wieder die gleiche Aussage von unversierten Internetnutzern, Bekannten, Freunden und Verwandten: "Die sperren doch nur Kinderpornos, ist doch gut." Immer wieder muss ich versuchen zu erklären, wieso die heute per Gesetz verabschiedeten Internetsperren eben nicht "gut" sind. Immer wieder wird deutlich, dass gerade diejenigen mit wenig Wissen über die Funktionsweise des Internets (wozu ich mich in Teilen allerdings auch zähle) nicht bemerken, welche Einschränkungen auf sie selbst zu kommen werden. Die genannten Sperren werden von Politikern, wie Frau von der Leyen, als "sicher" der Öffentlichkeit präsentiert und es wird behauptet, dass sie nur schwer umgangen werden könnten. Dies ist entweder reines Unwissen oder schlicht eine bewusste Lüge. Tatsächlich finden sich im Internet bereits zahlreiche Anleitungen und Dienste, mit denen die Sperrlisten des BKA umgangen werden können. Wenn das berüchtigte STOP-Schild des BKA erscheint, ist dies für Personen, die es darauf anlegen an das da hinter versteckte Material zu gelangen nur ein Hinweis darauf, dass sie jetzt eine Verbindung zu einem ausländischen Server aufbauen oder ein Verschleierungsprogramm aktivieren müssen. Dies macht es den Behörden sogar noch schwerer diese Leute später zu identifizieren. Behauptet wird auch, dass man Menschen schützen wolle, die zufällig auf einer Seite mit Kinderpornos gelangen. Dies ist mir in einem Jahrzehnt freiem Webzugang noch nicht ein einziges Mal passiert. Ich stelle daher nun die Behauptung auf, dass man unheimliches "Glück" haben muss, damit dies überhaupt mal geschieht. Zahlreiche Stellen haben mittlerweile die Argumente der Bundesregierung für die Sperren widerlegt. Trotzdem jubelt eine sehr große Riege von Menschen aus freien Stücken dem weiteren Verlust eines Teils unser aller Freiheit zu.
Denn am Ende werden es nicht "nur Kinderpornos" sein, die gesperrt werden. In Großbritannien beispielsweise waren zeitweise auch Inhalte auf Wikipedia.uk blockiert. Die EU hat ein Projekt ins Leben gerufen, welches "Extremistische Inhalte" Sperren soll und in Deutschland wird bereits darüber diskutiert, ob man nicht Videos bei YouTube mit Gewaltinhalten blockieren sollte. Als nächstes werden vermutlich Musik- und Filmindustrie auf den Plan treten und um Sperren für Filesharingseiten bitten. Die eingeschlagene Richtung geht also auch nicht an politischen Inhalten vorbei und die Gefahr besteht, dass am Ende willkürlich Inhalte im Netz gesperrt werden. Dies kostet jeden von uns einen Teil seiner Meinungsfreiheit. Sobald erstmal andere Inhalte als Kinderpornos, die in kleinen Zirkeln verteilt werden, auf den Sperrlisten landen, schauen genau die Menschen in die Röhre, die jetzt sagen "Die sperren doch nur Kinderpornos, ist doch gut." Denn diese Personen wissen oft nicht, wie sie die Sperren umgehen und trotzdem an ihre Inhalte kommen - Ganz im Gegensatz zu den Konsumenten von Kinderpornos, die sich gegenseitig über diverse Methoden informieren werden.
Moralisch noch verwerflicher, als das trojanische Pferd, welches uns Politiker hier verkaufen wollen, ist der nochmalige Missbrauch der Menschen, die bereits zum Opfer geworden sind. Unter dem Vorwand eine der schwächsten Gruppen unserer Gesellschaft zu schützen wird mit deren Leid Wahlkampf getrieben. Im Endeffekt setzen die Initiatoren der Sperren aber auf das Unwissen aller deutschen Bürger. Schließlich gab es auch im Bundestag "Bedenkenträger" und "Zauderer", diese haben sich aber schnell nicht mehr aus ihren Löchern getraut, da sie von Frau von der Leyen und einigen anderen lächerlich gemacht und mit Kinderporno-Konsumenten auf eine Stufe gestellt wurden. "Man werde bei der Abstimmung schon sehen, wer wo stünde" war nur einer dieser famosen Sätze. Aus Angst sich selbst bei den Wählern ins Abseits zu stellen oder am nächsten Tag in den Boulevardzeitschriften zu lesen "XY ist pro Kinderpornos", haben die "Bedenkenträger" also keine andere Möglichkeit als den Mund zu halten.
Ich halte meinen Mund nun nicht mehr. Ich bin gegen Kinderpornographie, ich bin für ein Internet ohne künstliche Barrieren.
Beachtet bitte auch folgende Links zum Thema:
- Protest bei Spreeblick
- Missbrauchsopfer gegen Internetsperren e.V.
- Titanic
- Hausdurchsuchung bei Wikileaks.de-Inhaber
Aus dem Archiv:

April 22nd, 2009 - 13:27
nicht ‘bald’ die musik und filmindustrie steht bereits in kontakt mit den abgeordneten und den ISP. Genau wie bei der Vorratsdatenspeicherung.
Meinen Eltern konnte ich klar machen wie unsinnig die Sperre ist, indem ich meinen Bruder fragte wie lang er für seinen Proxy gebraucht hat:20 Minuten. 15Minuten einlesen, 5 Minuten machen und schon surft man offiziell von den USA aus. und mit verlaub: Jeder Tauschbörsenuser,egal welches Netzwerk, welche Verbreitungsart etc. den ich kenne, ist auch clever genug für sowas.
Randbemerkung: Nachdem in Schweden ein Gesetz verabschiedet wurde das die ISPs zur Speicherung und ggf. Offenlegung des Surfverhaltens und IP Addressen ihrer Kunden verpflichtet bieten nun mehrere große schwedische ISPs ‘integeres surfen an’ und speichern schlicht und ergreifen gar keine Daten mehr.
Ich kann nur hoffen das die deutschen Firmen ebenso handeln sobald es bei uns dann soweit ist.
April 25th, 2009 - 10:01
Bei uns sieht es im Augenblick allerdings eher so aus, als ob die ISP der Zensur mit offenen Armen entgegen laufen. Bis auf wenige Ausnahmen (und Providern mit weniger als 10.000 Kunden) haben ja bereits alle dem freiwilligen Vertrag zum STOPP-Schild zugestimmt. Mein Provider ist übrigens auch dabei. Ich dachte bereits daran den Laden mal anzuschreiben und explizit nach den Gründen für dieses Vorgehen zu fragen, sowie möglicherweise mit Kündigung des Vertrags zu drohen. Leider bin ich aber auf den Internetzugang und das Festnetztelefon angewiesen, genau wie meine Familie, die auch noch hier im Haushalt lebt.
Eine Aufstellung über das Verhalten der einzelnen ISP findet ihr hier: http://www.zensurprovider.de
April 26th, 2009 - 11:26
Ist ja nicht das erste mal, wo die Bundesregierung mit einem Gesetz ihr Ziel verfehlt.
Bin mal gespannt wie die ganze Sache sich noch entwickelt und ob das Internet wirklich ein freies Medium für alle bleibt.