BITKOM: “Deutsche können nicht mehr ohne”
Geschrieben von TeoFür viel Aufsehen sorgt derzeit eine, vom Bundesverband Informationswirtschaft Telekommunikation und neue Medien, kurz BITKOM, in Auftrag gegebene Studie zur Nutzung des Internets in Deutschland. Dieser Umfrage zufolge, könnten sich etwa die Hälfte aller in Deutschland lebenden Menschen kein Leben ohne Internet vorstellen. Unter Jugendlichen läge diese Zahl sogar bei 84 Prozent. Heise.de titelt sogar damit, dass Internet und Handy den meisten Jugendlichen nun wichtiger sei als die eigene Freundin. Weitere Ergebnisse der Studie sind unter anderem, dass die Generation 50+ das Internet nur etwa halb so intensiv nutzt, wie Jüngere, und dass über 40 Prozent der Internetnutzer den Staat in der Verantwortung sehen, wenn es um den Schutz ihrer Daten geht.
So weit so gut. Das Zahlengeplänkel ist aber noch nicht zu Ende, denn die von heise.de als "repräsentativ" bezeichnete Studie, wurde gerademal mit 1.000 Deutschsprachigen über 14 Jahren durchgeführt. Mehr Informationen zu den Probanden und der Durchführung der Studie finden sich derzeit nicht. Möglicherweise sehe ich das etwas eng, aber in meinen Augen ist das alles andere als repräsentativ und aussagekräftig. Die Anzahl der Befragten ist nur ein vergleichsweise mickriger Bruchteil der deutschen Bevölkerung. Außerdem ist nicht klar, wie hoch der Anteil der jeweiligen Alters- und Geschlechtergruppen an der Gesamtheit der Befragten war. Sind 30 pubertierende SchülerVZler repräsentativ für einen Großteil deutscher Jugendlicher? Sind 30 Altersheimbewohner repräsentativ für einen Großteil deutscher Überfünfziger? Wie wurden die Daten eigentlich ermittelt? Ist man von Tür zu Tür gegangen, um die Menschen direkt zu befragen, oder sind große Teile der Daten per Internet-Umfrage erhoben worden?
Keine Frage, das Internet ist ein wichtiger Teil unserer Kultur geworden. Informationsflüsse waren noch nie so schnell (auch nicht der Fluss von Fehlinformationen), auch Landeier (wie ich) kommen in wenigen Sekunden in die nächste, virtuelle Bibliothek und durch Web 2.0 können wir alle bei diesem Spektakel mitwirken. Das reale und das digitale Leben werden immer weiter miteinander verknüpft. Nicht nur, dass jede Jaquéllinè und jeder Kevin die eigenen Sauftouren per SchülerVZ einem potentiellen Arbeitgeber präsentieren kann, auch klassische Tageszeitungen versäumen es mit der Zeit zu gehen und verschwinden aus den Kiosken. Wo wir gerade bei Jaquéllinè und Kevin sind: Die Ansicht von 44 Prozent der Befragten, dass Datenschutz doch Staatssache sei, regt mich schon zum Schmunzeln an. Wenn besagte Jaquéllinè also jede noch so kleine Information über sich auf Facebook, SchülerVZ und was weiß ich noch wo veröffentlicht, ist am Ende sicher nicht der Staat schuld daran, dass Jaqui unerwünschte Werbung, keine Arbeit und unmoralische Angebote bekommt. Wenn man dann noch in Betracht zieht, dass der Großteil der amtierenden Politiker zur besagten Gruppe gehört, die das fünfzigste Lebensjahr schon längst überschritten und damit, der Studie nach, keinen blaßen Dunst vom Internet haben, kann man wohl nicht viel auf dieses Pferd setzen. Man ist für seine Daten also definitiv selbst verantwortlich.
Der "Webciety" werde ich demnächst wohl noch ein mal einen eigenen Eintrag widmen. Im Internet, wie auch im echten Leben gilt, und das glaube ich nach dieser Umfrage umso mehr, traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.
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