Teo-Net Doppelt gestreift hält besser

11Feb/092

Sind Journalisten dümmer als Siebtklässler?

Geschrieben von Teo

Copy & Paste ist nicht der einzige Sinn von WikipediaSchon meine Lehrer in der Schule rieten: "Schreibe deine Referate nicht bei Wikipedia ab." Manche Lehrer verboten gar die Benutzung des Internet-Lexikons. Unter uns Schülern waren diese Regelungen immer sehr unbeliebt. Schließlich lässt sich in der Wikipedia so ziemlich alles nachlesen. Von perversen, japanischen Schulhofspielchen bis hin zur Struktur von Enzymen kann man sich einfach über alles dort informieren. Leider birgt das Konzept der Enzyklopädie auch Probleme, wie eine Menge deutscher Journalisten am Montag am eigenen Leib erfahren mussten. Wie der BILDblog berichtete, erlaubte sich ein gewisser "Anonym" einen Spaß, in dem er den Namen des neuen, deutschen Wirtschaftsministers im zugehörigen Wikipedia-Artikel um einen weiteren Vornamen ergänzte. So war neben den zehn echten Vornamen des Politikers am Montag auf der Titelseite der Bildzeitung auch der Name "Wilhelm" zu lesen. Zahlreiche andere Medien scheinen ebenso ungeprüft aus Wikipedia abgeschrieben und sich später gegenseitig als Redundanz betrachtet zu haben. Selbst weitaus seriösere Journalisten, als die Damen und Herren von der Bildzeitung, wie die vom ZDF, der TAZ, der Süddeutschen und vielen vielen anderen, hatten den falschen Vornamen publiziert.

Ja, einfach nur blöd sowas...Als wenn diese Blamage noch nicht schlimm genug für den deutschen Journalismus wäre, wird sich nun auch noch über Herrn "Anonym" beschwert. Allen Ernstes meinen einige Medien nun ihre mangelnde Recherche sei zu rechtfertigen. Statt einer simplen und angebrachten Entschuldigung, werden gar Anfeinungen gegen den "Vornamenschänder", wie ihn die Süddeutsche nennt, veröffentlicht. Wieso gibt man den Fehler nicht einfach zu und hält die Füße still? Lächerlich hat man sich ohnehin schon gemacht, muss man dem Ganzen jetzt noch die Krone aufsetzen in dem man solche jähzornigen Kindergarten-Artikel verfasst?

Dieses Beispiel von journalistischer Recherchekunst, mahnt nicht nur rasende Reporter, sondern auch jeden anderen, der regelmäßig Informationen von Wikipedia bezieht, doch wenigstens mal eine zweite Meinung einzuholen. Gerade als Referierender stelle ich es mir schon peinlich vor, wenn Lehrer oder Dozent einen mitten im Satz unterbricht, um einen darüber aufzuklären, dass man gerade den größten Bullshit erzählt hat. Dann zu sagen "Aber so stand's auf Wikipedia!" wird die eigene Lage sicher auch nicht verbessern.

Mehr Informationen gibt's im BILDblog und bei Niggemeier.

Nachtrag (12.02.):

Manchem dürfte das auftauchen einer Sicherheitslücke in Typo 3 ein Begriff sein. Findige Hacker haben durch diese Lücke die Homepage von Wolfgang Schäuble etwas an sein Stasi 2.0 Konzept angepasst und auf der Homepage des Schalke 04 bekannt gegeben, dass Kevin Kuranyi gefeuert worden sei. Letzteres wurde sofort von Bild.de und RP-Online aufgegriffen und publiziert. Von einer zweiten Prüfung oder eines Telefonats mit Verantwortlichen hielten die Schreiberlinge scheinbar nichts. Der arme Kevin wird es bestimmt mit der Angst zu tun bekommen haben, als er per Bild erfahren musste, dass er seinen Job los ist.

Nachtrag 2 (12.02.):

In England haben die Leute auch gerade Spaß an Wikipedia.



Aus dem Archiv:

  1. Welchen Sinn hat Twitter?
  2. Neues von der Front
  3. Urheberrecht bleibt Urheberrecht
  4. Bild halt’s Maul!
  5. Neper, Schlepper, Bauernfänger

Kommentare (2) Trackbacks (1)
  1. Ich schreibe selbst für Wikipedia und verwalte sie auch, in dem ich beispielsweise Unfug entferne und unsinnige Artikel lösche. Da ich mir so tagtäglich ansehe, wie viele Änderungen getätigt werden, ist es für mich nicht verwunderlich, dass sich häufiger Fehler einschleichen. Die meisten Autoren, die wissen, wie die Informationen zu bewerten sind, da eben jeder bearbeiten kann, verwenden Wikipedia selbst nur als Überblick über ein Themenfeld bzw. prüfen sehr genau, ob die Aussagen gut belegt sind, die getroffen werden, weil es immer sein kann, dass jemand (vielleicht auch unbeabsichtigt) fälschliche Informationen in den Artikel geschrieben hat.

    Viele Journalisten und auch alle anderen, die Wikipedia gern nutzen, sollten das zumindest ähnlich tun: Inhaltlich verlässlich und fundiert ist die Wikipedia noch lange nicht an allen Stellen (wenngleich es immer besser wird). Und die Journalisten sollten sich das merken, hinterher nämlich über die Wikipedia und den Anonymus zu schimpfen ist gar nicht die feine Art, wenn man schlecht recherchiert hat. Die Wikipedia kann lediglich als Einordnung des Themas und nicht als Vorlage zum Abschreiben dienen, das sage selbst ich als Autor.

  2. Ach wir dummen Blogger machen es genauso schlecht wie die dumme Presse…wo soll das heute noch hinführen ?

    Besser recherchieren und gut ist es. Ich hole mir oft Infos auf Wikipedia und versuche mir dann, diese im Netz noch mehrfach zu bestätigen. Klar wenn alle bei Wikipedia abschreiben, dann finde ich dort auch nur die Fehler wieder, aber hey ich bin ein Hobbyblogger und ich muss mein Geld nicht damit verdienen! Im Gegensatz zu einigen Journalisten, wo ich dann schon etwas mehr erwarte, schließlich ist das ihre Beschäftigung tag für tag, 8 Stunden oder sogar mehr.


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