Film: Eclipse: Bis(s) zum Abendrot
Geschrieben von TeoIch habe es wieder getan: Nach 7 Monaten Schonzeit betrat ich am Freitag einen Kinosaal, in dem wenig später Eclipse, der 3. Teil der Twilight-Saga gezeigt worden war. Wie schon bei meinem letzten mutigen Akt der Selbstgeißelung waren es hier wieder die Fans, die einem den Kinobesuch interessant gemacht haben. Highlight war eine etwa Vierzigjährige, beleibte Frau mit osteuropäischem Akzent, die in einer recht ruhigen, intensiven Szene aufsprang und rief: "Jetzt beiß sie endlich!" Die jüngeren Zuschauer dankten ihr dies mit einer Salve Popcorn, woraufhin die Dame mitten im Film über den Wert von Nahrungsmitteln diskutieren wollte.
Die folgende Rezension enthält auf jeden Fall Spoiler.
In The Twilight Saga: Eclipse geht es weder um die Dämmerung, noch um eine Sonnenfinsternis. Victoria (diesmal gespielt von Bryce Dallas Howard) taucht wieder auf und bastelt sich mithilfe eines Jungen, den sie zum Vampir gemacht hat, eine Armee zusammen. Damit will sie den Zukunftsvisionen von Alice (Ashley Greene) aus dem Weg gehen. Die Armee besteht aus Neugeborenen, die unkontrollierter und stärker sind, als erfahrene Vampire. Sie soll später gegen die Cullans antreten, um Victorias Gefährten James zu rächen, der in Twilight den Tod durch Edward (Robert Pattinson) fand. Parallel dazu wird selbstverständlich die Liebesgeschichte zwischen Bella (Kristen Stewart) und Edward weiter erzählt. Er macht ihr einen Heiratsantrag, sie küsst Jacob (Taylor Lautner) und die beiden Typen streiten sich um sie.
Die Geschichte des Films macht, habe ich mir sagen lassen, einen ziemlichen Bruch mit dem Roman. So wird zu Gunsten des Schnulzanteils, der Krieg zwischen Victoria und den Cullans zur B-Seite degradiert. Wie verschwenderisch man mit Schmalz umgegangen ist, zeigt sich schon an einer der ersten Szenen: Bella und Edward sitzen auf einer Waldlichtung in einer Blumenwiese. Sie liest Gedichte, er glitzert und kann seinen Blick nicht von ihr abwenden. Auch der Machtkampf um Bellas Gunst zwischen Jacob und Edward ist wohl aus den Träumen kleiner Mädchen gesponnen worden, die sich Hochzeitskleider anziehen und vor dem Spiegel posieren. Die beiden Typen reiben sich immer wieder aneinander, der eine, der wohl ganz hübsch ist und der andere, der nicht nur einen Waschbrettbauch, sondern auch kein Geld für T-Shirts hat. Sie wollen alle nur Bella, die nicht besonders viel Ausstrahlung vor die Kamera bringt, obwohl sie den Autisten-Blick perfekt beherrscht. Ihr merkt sicher schon, worauf das hinausläuft. Insgesamt sind beide Ebenen der Story doch arg dünn und schaffen es kaum die fast eineinhalb Stunden Film sinnvoll auszukleiden. Darüber täuschen auch die plumpen Tricks nicht hinweg, mit der die Story gelenkt wird. Darunter fallen unter anderem Rückblenden aus dem Leben der Cullans, die zufälligerweise Situationen schildern, die später fast identisch auf Bella zukommen.
Zu Beginn des Films machte ich mir einige Hoffnungen auf ein schönes Gemetzel abseits des Kitsch. Meine Freundin hatte mich bereits vor den ersten beiden Teilen mit dem Inhalt aller 4(+1) Bücher gebrieft, sodass ich bereits wusste, dass es in Teil 3 zum Krieg kommen sollte. Leider hat man hier zugunsten der jungen Fanschaft beschlossen sämtliches Blut aus den Kampfszenen zu entfernen, sodass Gegner im fertigen Film wie Kandis-Zucker zerbrechen, statt Verletzungen zu haben. Das ist nicht nur vollkommen unlogisch, da man in der Vergangenheit bereits gesehen hat, wie Twilight-Vampire bluten, sondern auch total irritierend. Ich bin gespannt, wie man in Teil 4 die doch recht blutige Geburt des Dämonenbabys auf die Reihe bekommen will.
Die Personalpolitik des Films ist ebenfalls etwas seltsam. In den ersten beiden Teilen spielte Rachelle Lefevre die Victoria. Als dann Pattinson, Lautner und Stewart eine Gehaltserhöhung bekamen und Lefevre ebenfalls eine wollte, wurde sie kurzerhand durch Bryce Dallas Howard ersetzt. Das erzeugt nicht nur einen wenig leckeren Beigeschmack, sondern störte mich auch im Film etwas.
Insgesamt war Eclipse: Bis(s) zum Abendrot also wenig überraschend. Ein Film, dessen Atmosphäre angefüllt ist von Kitsch-Plattitüden und den feuchten Träumen kleiner Mädchen, welcher offensichtlich aus den Geldbeuteln derjenigen schöpfen soll, die von den Büchern begeistert waren. Ich schäme mich ein bisschen für die 10€, die ich dem Kino für die Eintrittskarte überlassen habe, aber die Nachos waren lecker.
Links zum Film
Aus dem Archiv:

Juli 21st, 2010 - 11:28
Jedem das seine, wie man so gerne sagt. Und auch wenn ich gerne weiß, was ich meide, so überlasse ich dieses “Territorium” lieber den kreischenden Fangirlies und gehe von dem Geld gut Eisessen.
Juli 21st, 2010 - 17:21
Der Bruch mit der Darstellerin ist doch sehr logisch: Sieh dir die Fanmasse an, und dann überlege um welchen Faktor die männlichen Darsteller für den Erfolg des Films wichtiger sind als die weiblichen
Juli 21st, 2010 - 17:38
puh, das is ja ne fiese kritik, aber andere kritiken sind auch nicht besser,
aber ich werd mir trotzdem mein eigenes bild machen, weil die bücher einfach toll waren…
lg
hanna
Juli 21st, 2010 - 22:32
Interessanterweise kenne ich ziemlich viele Maenner (Alter zwischen 19 und 39), die sich die Teile angucken.
Und ich hab’s ja nicht so mit Vampiren, hab aber auch noch keinen davon geguckt.
Juli 22nd, 2010 - 08:39
Ich schaue mir denn auch noch an. Denke ich. Ich will auch mitreden können. Ich muss mir lediglich noch ein weibliches Alibi besorgen, denn meiner kleinen Dame gefällt das auch nicht.
Ist es ratsam, sich die ersten beiden Teile anzusehen? (BITTE NICHT!)
Juli 22nd, 2010 - 09:10
Im Kino waren tatsächlich auch einige männliche Zuschauer, wenn auch meist nur in weiblicher Begleitung. Ich für meinen Teil versuche das Beste aus jedem Twilight-Kinobesuch zu machen und Gutes an den Filmen zu finden, aber das ist nicht so leicht, wie es sich anhört.
Ich denke man sollte die ersten beiden Filme gesehen haben. Man versteht sonst nicht, was die Volturi plötzlich dort machen und welche Funktion die in der Vampirgesellschaft haben. Auch die Sache mit Victoria wird dann nur unzulänglich klar. Die Story von Teil 3 ist an sich schon so kahl, dass man ohne dieses Hintergrundwissen vermutlich nicht viel versteht.
Juli 22nd, 2010 - 13:29
Hmmm. Mal sehen. Vielleicht schaue ich mir auch gar keinen an.
Juli 22nd, 2010 - 18:03
ahhhhh, wenn meine freundin aus der schweiz zurück ist zwingt sich mich auch zum film schauen. immerhin stellt sie ordentlich asti und martini kalt ^^