Teo-Net Doppelt gestreift hält besser

4Jun/103

Das ist… Jan vom Zementblog

Geschrieben von Teo

Ihr kennt doch sicher noch die Linkliebe, eine Artikelreihe, bei der ich jeden Monat einige Blogs vorgestellt habe. Wie aufmerksame Leser sicher auch gemerkt haben, gab es im Mai keinen solchen Artikel. Das hat den Grund, dass ich diese Kategorie erstmal abschaffe. Stattdessen möchte ich euch nun einzelne Blogger präsentieren. Ab und an dürft ihr hier also Interviews mit anderen Schreiberlingen lesen. Das erste Gespräch durfte ich mit Jan vom Zementblog führen.

Teo: Kannst du vorweg kurz etwas über dich erzählen? Sprich: Wie alt bist du? Was machst du so außer bloggen?
Jan: Ich bin 15 Jahre alt und besuche derzeit die 10. Klasse eines Gymnasiums in Hamburg. Außerhalb der Schule sind mir politische Bildung und politischer Aktivismus besonders wichtig. Ich bin Mitglied und stellvertretender Sprecher der Ortsgruppe der Linksjugend ['solid] und habe vor kurzem das Gründungstreffen einer attac-Ortsgruppe besucht, habe also vor, auch dort politisch aktiv zu werden. Im Allgemeinen bin ich nicht nur sehr an Politik, sondern auch sehr an Informatik interessiert. Ich arbeite mit Ubuntu, einer Linux-Variante. Seitdem ich das erste mal Informatikunterricht hatte, habe ich mich viel mit Linux und dem Programmieren auseinandergesetzt, ein besonderer Schwerpunkt lag und liegt dabei auf Webdesign und -programmierung, also HTML, PHP und CSS. Später habe ich mich mit der freien Mikrocontroller-Plattform Arduino auseinandergesetzt, um ein Roboter-Projekt zu beginnen, das zur Zeit zwar pausiert ist, aber sicher noch fertiggestellt wird.

Teo: Wie bist du zum Bloggen gekommen?
Jan: Mit dem Internet und insbesondere dem Medium Blog habe ich einen Ort gefunden, an dem ich meine Ideen und Gedanken öffentlich machen kann und mich mit anderen, die ähnlich oder auch ganz anders denken, austauschen. Ich kann in meinem Blog kundtun, was ich denke, was ich von aktuellen – meist politischen – Themen halte, wie meine Weltanschauung aussieht. Jeder kann dazu schreiben, wie er das einschätzt und mit mir und anderen Bloggern zu dem jeweiligen Thema diskutieren. Bloggen ist allerdings ein Rollenspiel, denn auf der anderen Seite kann man selbst auch die Beiträge anderer Blogs lesen und dazu mitdiskutieren. All das hat für mich den Reiz am Bloggen ausgemacht, sodass ich schon früh mit kostenlosen, vorgefertigten Blog-Diensten im Internet begann und schließlich zum eigenen System, WordPress, und dann auch zum eigenen Webspace und zur eigenen Domain wechselte. Ich merke, wie man im Laufe der Zeit beim Bloggen immer mehr Fortschritte macht, sei es in journalistischer, literarischer oder gestalterischer Hinsicht. Das freut mich und lässt mich weitermachen.

Teo: Wer hat sich den phänomenalen Namen deines Blogs ausgedacht und wie kam es dazu?
Jan:
Als ich mein Blog „professionalisieren“, also auf einen bezahlten und damit werbefreien Webspace sowie eine eigene Domain umziehen wollte, dachte ich lange über einen Namen nach. Mir kam nicht viel in den Sinn, das es nicht schon gab. Es gab vieles zu beachten: Der Name sollte möglichst prägnant sein, nicht zu lang, originell – und die Domain durfte noch nicht belegt sein. Nach langem Überlegen gab ich fast schon auf und fragte schließlich meinen Vater, der ganz spontan „Zementblog“ sagte, natürlich eher als Scherz, vielleicht auch, weil man das mit dem Wort „Blog“ assoziiert, sofern es einem nicht in Bezug auf das Internet geläufig ist. Ich fand die Idee gar nicht schlecht, sodass ich den Namen letztendlich tatsächlich annahm und nachträglich noch eine tiefgründigere politische Bedeutung hinein interpretierte.

Teo: Worüber bloggst du am liebsten?
Jan: Meine favorisierten Themen sind Politik, Gesellschaft und Kultur. Mir ist es wichtig, das öffentliche Auftreten der Politiker mit einer kritischen Distanz zu beobachten und an den richtigen Punkten einzuschätzen. Mir ist es wichtig, für bessere Verhältnisse zu argumentieren und dazu anzuregen, die Ästhetik des Status' Quo anzuzweifeln.

Teo: Du und das Urheberrecht, ihr habt ja schon eine gemeinsame Geschichte. Wie hast du dich gefühlt, als du die Forderung des Fotografen zum ersten mal gelesen hast?
Jan:
Mir wurde ein bisschen schwindelig.

Teo: Was tust du, um nicht wieder in so eine Falle zu tappen und was rätst du anderen Bloggern?
Jan: Um nicht in eine Falle zu tappen, muss man bekanntlich vorsichtiger gehen. Vor meinem Konflikt mit einem Fotografen, dessen Bild ich falsch weiterverwendet habe, bin ich in Büchern, Zeitschriften und Blogs immer auf diesen einen Rat gestoßen: Sei vorsichtig, wenn du – nicht nur – als Blogger fremde Bilder einbindest. Immerzu dachte ich, ich wäre vorsichtig genug. Jetzt weiß ich: Man kann gar nicht vorsichtig genug sein. Vielleicht muss jeder diese Lektion lernen, doch selbst Creative Commons, hinter dem eine Philosophie des freien Werkaustausches steht, birgt Lücken, auf die man achten muss. Die Vorsicht gegenüber Creative Commons war bei mir zu gering, sodass ich dann – in gewisser Weise auch im naiven Gedanken, Creative Commons wäre sowieso irgendwie auf der Seite desjenigen, der das Werk weiterverwendet – eine anstrengende Auseinandersetzung erleben musste.

Teo: Wie stehst du generell zum Urheberrecht und Modellen wir Creative Commons?
Jan: Sehr unentschlossen. Auf der einen Seite kann ich Künstler oder „Werkschaffende“, die mit ihrem Werk ihren Lebensunterhalt bestreiten, gut verstehen, wenn sie auf das Urheberrecht pochen. Auf der anderen Seite darf das nicht so aussehen, dass das Geld letztlich mit dem Verstoß und nicht dem Einhalten dessen verdient wird. Creative Commons ist ein gutes Konzept, dies etwas offener, freier zu gestalten. Der Werkschaffende kann sich, abhängig von der für das jeweilige Werk aufgewendeten Arbeit, überlegen, wie er es lizenzieren will.

Teo: Glaubst du, dass Dienste wie Flattr Bloggern wirklich helfen können und langfristig Erfolg haben werden?
Jan: Die Idee des „Micropayment“ oder „Voluntarily Paid Content“ finde ich grundsätzlich nicht schlecht. Es ist ein nicht-profitorientierter Ansatz, den kostenlosen und teils qualitativ sehr hochwertigen Beiträgen und Veröffentlichungen im Internet Lob auszusprechen. Damit hilft es Bloggern vermutlich nicht erheblich, höchstens umfangreicheren beziehungsweise bekannteren Web-Auftritten wie Netzpolitik.org oder Carta. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Konzept Erfolg hat, glaube aber nicht, dass es einen besonders ausschlaggebenden Effekt erzielen kann.

Teo: Zum Abschluss noch die Frage, welche Themen du auf anderen Blogs besonders gern liest.
Jan: Im Grunde dieselben, über die auch ich schreibe. Dadurch kann ich andere Gedankengänge oder Ansichten auf mich wirken lassen und dadurch, dass ich durch eigene Recherche in etwa so gut informiert bin wie der Verfasser des Beitrags, gut vorbereitet mitdiskutieren.

Teo: Vielen Dank für deine interessanten Antworten!



Aus dem Archiv:

  1. Eilmeldung: Jan soll abgemahnt werden [Update]
  2. Was wollt ihr lesen?
  3. Das ist… tanine von time for sheep(s)
  4. Linkliebe im Februar
  5. Die Blogs der Freewarler

Kommentare (3) Trackbacks (1)
  1. Sehr schönes Interview und eine gute Idee. Wir hatten sowas früher auch mal auf unserem Nintendo-Blog ziiro, da haben sich die Redakteure quasi gegenseitig interviewt und den Lesern so einen kleinen Einblick in den “Redaktionsalltag” gewährt.

  2. Schöne Idee mit den Interviews, nur weiter so!

  3. Freut mich riesig, dass euch dieses neue Format gefällt. Es werden also weitere Interviews folgen, auch wenn ich noch nicht garantieren kann, dass ich das regelmäßig hinbekomme. Ich denke diese Methode ist etwas besser, als andere Blogs einfach so zu verlinken.


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