Teo-Net Doppelt gestreift hält besser

18Mai/10Off

Film: Topjob – Showdown im Supermarkt

Geschrieben von Teo

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Das ist immer so, vor allem im Berufsleben. Topjob ist die Geschichte zweier Männer, die nichts weiter wollen, als ein gutes Leben. Dafür arbeiten sie sich in einem Supermarkt die Karriereleiter hinauf und kommen sich schließlich in die Quere. Der lachende Dritte ist die Geschäftsleitung, der ihr Personal eigentlich ziemlich egal ist.

Doug Stauber (Sean William Scott) ist ein junger Angestellter im Supermarkt Donaldson's. Er hat sich zum stellvertretenden Filialleiter raufgearbeitet und möchte sich um die Stelle des Filialleiters in einem neuen Laden bewerben, der in Kürze gebaut werden soll. Dann würde er genug verdienen, um mit seiner Freundin aus ihrer Bruchbude auszuziehen, deren Wände so dünn sind, dass das nächtliche Ukulelespiel der Nachbarn sie vom Schlafen abhält. Die Sache scheint ein sicheres Ding zu werden, denn es gibt nur einen Mitbewerber, der noch nicht lange im Unternehmen ist. Doch dann dann taucht Richard Wehlner (John C. Reilly) auf. Er kommt aus Kanada und will mit seiner Familie in den Staaten einen Neuanfang machen. In seiner Heimat hat er bei einer Tochterfirma von Donaldson's gearbeitet und steigt deshalb direkt auf dem gleichen Niveau wie Doug ein. Auch Richard bewirbt sich als Filialleiter beim neuen Supermarkt und so entsteht eine fiese Konkurrenzsituation zwischen den beiden.

Beide Kontrahenten haben große persönliche Probleme. Richard war Drogensüchtig und ist dem Alkohol zugeneigt. Doug hat seiner Freundin bereits zugesagt den neuen Job bekommen zu haben und kauft ein Haus, das er sich gar nicht leisten kann. Sie sind gleichermaßen engagiert und machen ihre Arbeit gut. Der Druck wegen der neuen Stelle wächst langsam und verschärft das Konkurrenzdenken. Sie versuchen den Konflikt schließlich mit mehr oder weniger fairen Mitteln für sich zu entscheiden. Die Geschäftsleitung betrachtet die beiden Bewerber dabei ziemlich willkürlich und kurzfristig. Als Doug gegen die Gang angeht, die auf dem Parkplatz herumlungert und über die sich regelmäßig Kunden beschweren, wird ihm das negativ ausgelegt, weil einer der Jungs an diesem Tag einen Fruchtriegel gekauft hat und damit selbst als Kunde gilt. Im Grunde sind beide nur arme Schweine, die sich ein besseres Leben wünschen und gleichzeitig zeigt ihnen ihr Boss, dass jeder noch so uncouragierte und gelangweilte Typ den Job machen könnte, den sie haben wollen.

Die Komik des Films ist eher hintergründig und trocken. Neben den tragisch-komischen Eskapaden von Doug und Richard gibt es noch den alltäglichen Wahnsinn drumherum. Ein Vertreter für ein automatisches Bremssystem an Einkaufswagen demoliert sein Auto bei jeder Vorführung der Bremsen. Der Vorstand gibt sich so ignorant und unmenschlich wie nur irgend möglich und trotzdem reißen sich die beiden Hauptfiguren des Films ein Bein aus um ihnen zu gefallen. Damit regt Topjob den Zuschauer zum Nachdenken an und wird gesellschaftskritisch. Denn genau dieses Verhalten dürften viele Menschen von ihren eigenen Vorgesetzten kennen. Die Konkurrenz der beiden Bewerber bringt dabei im Grunde niemandem einen Vorteil. Regisseur Steve Conrad, der schon in Das Streben nach Glück skizzierte, durch welche Untiefen manche Menschen gehen müssen um ein annehmbares Leben zu haben, setzt hier die Konkurrenz der beiden Unglückspilze ein, um dem Zuschauer zu zeigen, wie er sich selbst vom System erniedrigen lässt. Im Film geht es um einen miesen Job, für den die beiden Bewerber immerhin lügen und sich gegenseitig in die Pfanne hauen, obwohl sie wissen, dass sie in einem Boot sitzen.

Wer bei Topjob eine lockere Sean William Scott-Komödie wie American Pie erwartet, hat bereits verloren. Leider impliziert genau das die Beschreibung auf der DVD-Hülle. Ich stelle deshalb nochmals klar: Topjob ist keine Slapstick-Komödie, sondern lebt von hintergründigem, trockenem Humor. Es fehlt dem Streifen etwas an Spritzigkeit. Manche Stellen gehen doch arg in die Länge und der Film wird dadurch träge. Dafür eröffnet er einem neue Perspektiven darauf, wie man mit Konkurrenten und seinen Vorgesetzten umgeht.

Links zum Film:


Kommentare (4) Trackbacks (0)
  1. Guter Bericht, vielen Dank.

    Ich hab den noch nicht gesehen, weil dem Trailer nach erwartete ich ebenfalls einen Slapstick-Film.

    Das ist die Konsequenz, wenn sich die Studios zu sehr einmischen. Schade…so entgeht dieser Film sicherlich einigen Zuschauer, die Freude daran hätten.

  2. Also ich hab ihn mir aufgrund des Trailers angeschaut. Der Titel in der Videothek haette mich nicht gelockt, weil es nach anspruchsloser Comedy klang. Deine Beschreibung trifft es aber sehr gut.

  3. Finde den Kommentar auch gut und sehe Conrads Filme ähnlich. Wozu ist eigentlich dieser fürchterliche Fuck You Finger da?

  4. Der Finger ist eine satirische Anlehnung an den doofen Facebook-Button: http://teo-net.de/wordpress/?p=2718

Trackbacks sind deaktiviert.