Teo-Net Doppelt gestreift hält besser

31Jan/108

Review: Inglorious Basterds

Geschrieben von Teo

Natürlich habe ich Inglourious Basterds (APL) bereits im Kino gesehen. Aus irgendeinem Grund fehlt das Review des letzten Tarantino-Streifens hier noch. Das ist ein Missstand, den es auszumerzen gilt. Nach dem DVD-Start vor ein paar Wochen habe ich meiner Videothek dann nochmal einen Besuch abgestattet und meinen Eindruck vom Film aufgefrischt.

Wir schreiben 1941. In Frankreich herrschen deutsche Besetzer. Diese schicken ihre "Detektive" ins Land um Juden ausfindig zu machen und zu beseitigen. So auch den SS-Offizier Hans Landa, gespielt von Christoph Waltz. Landa sucht auf dem Land nach einer verschollenen, jüdischen Familie und forscht deshalb bei einem französischen Bauern nach. Im Haus des Milchbauers wird er tatsächlich fündig und befiehlt seinen Soldaten ein Massaker. Ein Mädchen namens Shosanna (Mélanie Laurent) überlebt allerdings und kann fliehen. Im zweiten Kapitel des Films werden die Basterds eingeführt. Sie sind eine Gruppe amerikanischer Soldaten, die ausdrücklich alle jüdischer Abstammung sind. Sie ziehen durch Frankreich und reiben deutsche Truppen auf, indem sie diese in Hinterhalte locken. Wenn sie Überlebende zurück lassen, was sehr selten vorkommt, markiert Lieutenant Aldo Raine (Brad Pitt) diese mit einer Hakenkreuz-Narbe auf der Stirn. Aldo ist der Anführer der Basterds und stammt, eigenen Aussagen nach, zu einem gewissen Anteil von Indianern ab. Daher befielt er seinen Soldaten während des Aufenthalts in Frankreich mindestens je 100 Nazis zu skalpieren. Neben den Amerikanern befindet sich auch der deutsche Wehrmachtssoldat Hugo Stiglitz (Til Schweiger) unter den Guerilla-Kämpfern. Er hatte sich zuvor einen Ruf damit gemacht 13 Nazi-Offiziere getötet zu haben. Daraufhin haben ihn die Basterds aus der Gefangenschaft befreit und aufgenommen.
Im dritten Teil erfährt der Zuschauer wie es Shosanna ergangen ist. Sie konnte nach Paris flüchten und sich neue Papiere beschaffen. Sie heisst nun Emmanuelle Mimieux und ist Besitzerin eines Kinos. Der deutsche Gefreite Fredrick Zoller (Daniel Brühl) scheint Interesse an Shosanna zu haben und überredet Propagandaminister Joseph Goebbels (Sylvester Groth) die Premiere des Films "Stolz der Nation" in Shosannas Kino zu verlegen. Der Film handelt von Zollers "Heldentat" allein 270 feindliche Soldaten aus einem Glockenturm heraus erschossen zu haben.
Als Shosanna erfährt, dass die Premiere des Films eine VIP-Veranstalltung für hochrangige Deutsche wie Hitler, Goebbels und zahlreiche Gerenräle werden soll, bei der auch Hans Landa, der Mörder ihrer Familie, anwesend sein soll, stimmt sie zu und beschließt das vollbesetzte Kino abzufackeln. Gleichzeitig initiiert England die "Operation Kino", die genau das gleiche Ziel hat und von den Basterds durchgeführt werden soll.

Schauspielerisch wird hier eine Menge aufgefahren. Neben Hollywood-Größen wie Brad Pitt und Eli Roth sind eine Menge deutscher bzw. österreichischer Schauspieler am Start. Selbst in Statistenrollen findet man bekannte Gesichter wie Bela B. von den Ärzten. In einer Nebenrolle tritt Mike Meyers als Winston Churchill auf. Auch Diane Kruger sollte ja mittlerweile ein bekannter Name sein. Besonders hervorzuheben ist Christoph Waltz, der ja auch bereits einige Auszeichnungen für seine Rolle als Hans Landa bekommen hat. Er verkörpert die wohl markanteste Figur des Films. Mit der Leistung der Darsteller kann man zufrieden sein. Ausnahmslos alle fügen sich in das Tarantino-Universum von Inglorious Basterds gut ein.

Damit kommen wir auch schon zum nächsten wichtigen Aspekt: Wenn man sich Inglorious Basterds anschaut, wird man sofort merken, wer hier das Drehbuch geschrieben und Regie geführt hat. Die ungewöhnlich entschleunigten Dialoge, die typisch für Filme von Quentin Tarantino sind, finden sich auch hier wieder. Besonders die zynisch angelegte Figur des Hans Landa profitiert von der Stimmung in diesen Szenen. In diesem Film würgt der Chef übrigens noch selbst: Tarantino hat höchstpersönlich Hand an Diane Kruger gelegt, damit die Rangelei zwischen ihrer Figur und Landa auch gut wird. Wie bei Tarantino üblich, ist der ganze Streifen mit kleinen Anekdoten gewürzt. Das beginnt bei den Namen der Charaktere, geht über Zitate und führt bis in kleine Symbole. Landas Pfeife in einer der ersten Szenen ist beispielsweise von der gleichen Sorte, wie Sherlock Holmes sie bekannt gemacht hat, was bemerkenswert ist, weil der "Judenjäger" behauptet Detektiv zu sein. Sogar eine Zeile aus Keinohrhasen durfte Schweiger in Inglorious Basterds rezitieren. Wie immer bei Tarantino spielt die Musik des Films eine wichtige Rolle. Das erste Lied des Films stammt aus Spiel mir das Lied vom Tod, was wiederum darauf hinweist, dass der Film zunächst als Italo-Western in Spanien angelegt war. Die letzten Szenen im Kino hingegen erinnern zumindest optisch an Szenen aus Orwells 1984. Die deutsche Fassung wurde leicht angepasst und ist 50 Sekunden länger. Diese findet man in der Kellerbar, während die deutschen Soldaten das klassische "Wer bin ich?" spielen. Offenbar dachte man, dass Winnetou ausserhalb von Deutschland nicht bekannt genug ist, um die Szene in vollem Umfang in die internationale Fassung zu integrieren. Übrigens hat sich Tarantino wohl stark von Inglorious Bastards (mit a) (dt.: Ein Haufen verwegener Hunde) von 1978 inspirieren lassen und dessen Regisseur als Statist im Film auftauchen lassen.

Wer sich Inglorious Basterds anschaut muss sich darüber im Klaren sein, dass es sich nicht um eine historische Nacherzählung handelt. Tarantino setzt der Geschichte hier seinen eigenen Stempel auf und macht Kunst damit. Für mich eine sehr erfrischende Weise mit der deutschen Vergangenheit umzugehen. Ich bin froh darüber, dass soetwas in Deutschland mittlerweile Zuspruch findet. Andererseits besteht sicher die Gefahr, dass noch mehr Leute auf dumme Gedanken kommen. Immerhin denken viele britische Schüler zuerst an Fußball, wenn sie den Namen des Diktators hören und von den Amerikanern hat man vor Jahren schon gehört, dass sie ihn für eine Comic-Figur halten. Gut, dass Tarantino kein Kino für Vollpfosten macht.

Für mich auf jeden Fall ein sehr sehenwerter Film mit einer ganz schön langen Rezension auf diesem Blog.

Links zum Film



Aus dem Archiv:

  1. Wäre ich Oscar-Juror…
  2. Knowing
  3. Zwischenstand der Blogparade
  4. Review: Coraline
  5. Kurzreviews: Hangover, Selbst ist die Braut, Ice Age 3, Public Enemies

Kommentare (8) Trackbacks (0)
  1. Schönes Review, und ein meiner Meinung nach großartiger Film. Vor allem die Dreisprachigkeit finde ich super (warum gibts das nicht in mehr Filmen?)

    Aber wo bitte ist Bela B. da zu sehen? Und welches Zitat von Til Schweiger meinst du?

  2. Bela B. ist Portier im Kino. Man sieht ihn ziemlich zum Schluss.
    Schweiger durfte in der Kneipe eine Szene nachstellen, die so auch in Keinorhasen und Männerherzen vorkommt. Gemeint ist die Stelle, wo er über den Namen des Neugeborenen Sohnes des Soldaten spricht. Schweiger sagt in den drei Filmen jeweils den gleichen Satz: “Maximilian, das ist aber ein schöner Name.”

  3. Ich habe mir den Film heute auch endlich mal angesehen. Fazit: Scheiße. Die Dreisprachigkeit macht auch nicht besser, was Tarantino, “Individualist” und “Querkopf”, durch hollywoodsches Wunschdenken á la Happy End und einen erstmals richtig falsch eingesetzten Brad Pitt verhunzt hat. Großartiges Schauspiel liefern Christoph Waltz und Mélanie Laurent – leider wird dies jedoch dadurch in den Hintergrund gerückt, dass ein lächerlicher Hitler und ein lächerlicher Goebbels sowie auch Daniel Brühl furchtbar wenig überzeugen. Sicher ist die Lächerlichkeit der großen Nazis beabsichtigt, man hätte sie allerdings anders umsetzen müssen, um Schauspiel abseits vom Dorftheater zu liefern.

    Gut ist, dass Til Schweiger nicht allzu viel zu sagen hat. Auch ist der Film im Großen und Ganzen nicht schlecht gemacht, wie man es von Quentin Tarantino kennt. Doch weite Teile des Plots, Fehlgriffe bei Rollenbesetzung und Darstellern und das ungeeignete Hollywood-Element machen das leider kaputt. Die Geschichte von der Operation Kino hätte, ohne die Basterds, ohne Sprengsätze und Geballer, wirklich schön werden können.

  4. na na na…
    ich hab mal ne andere Frage? wo bitteschön in Keinohrhasen kommt das Zitat “Maximilian, das ist aber ein schöner Name”? vor? Habs nicht gefunden…

  5. Gerade in der aktuellen Ausgabe der Konkret entdeckt: “Quentin Tarantino gegen die Nazis” von Georg Seeßlen. Bestimmt interessant. Vielleicht muss ich meinen ersten Eindruck noch korrigieren.

  6. @Verena, du hast recht.
    Hab’s nochmal selbst nachgeprüft, vertraue nie einer Quelle. Schweiger sagt in Keinohrhasen “Sheyenne-Blue, das ist aber ein ungewöhnlicher Name.” und in Männerherzen “Emily, das ist aber ein schöner Name.” Zwar ein wenig dürftig, um es als Zitat zu kennzeichnen, aber weil jedes Mal Schweiger der Sprecher ist, lasse ich es als Verknüpfungspunkt stehen.

    @Jan
    Das Happy-End wird aber ziemlich getrübt von einer Menge Blut. Ich muss sagen, dass der Film ohne die brutalen Szenen wesentlich weniger attraktiv gewesen wäre. Das Interessante ist ja gerade, dass die Basterds am Ende recht wenig Einfluss auf den Ausgang der Geschichte haben und eigentlich scheitern. Ohne Sie wäre das Ende so aber auch nicht zustande gekommen. Goebbels und gerade Hitler fand ich eigentlich ganz gut in Szene gesetzt. Schweiger mag ich persönlich gar nicht, aber in diesem Film war er am richtigen Platz und hat sich ordentlich eingefügt.

  7. Ich habe den Film (leider) noch nicht gesehen, aber die Rezension ist wirklich klasse geworden.
    Werde versuchen dieses WE den Film zu sehen.

  8. Sicher wird das Happy End “getrübt von einer Menge Blut”, ist ja auch ein Tarantino-Streifen. Es schaut aber immer noch Hollywood unter der Decke hervor, das kann kein Ami vertuschen. Sicherlich ist der Film interessant und auch Szene für Szene bedacht. Doch im ganzen Ergebnis wirkt er einfach träge und schlecht zusammengefügt. Zu Til Schweiger meine ich dasselbe. Oder das gleiche?


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